Erste Flutmulde schützt Mühlhausen vor Hochwasser

Schutz vor dem Hochwasser: Die Renaturierung in Verbindung mit dem Hochwasserschutz zeigt in Mühlhausen bereits Wirkung. Die Flutmulden sind voll, das Dorf bleibt vom Hochwasser verschont. Foto: Yüce

Mühlhausen. Dauerrregen und steigendes Wasser sorgte in den vergangenen Jahren immer wieder für Hochwasser im Homberger Stadtteil Mühlhausen. Damit ist jetzt erstmal Schluss.

Denn eine der Flutmulden, die in den vergangenen Monaten gebaut wurden, funktioniert schon.

Die Folge: „Die Hochwasserlage in Mühlhausen ist entspannt. Der Pegel der Efze ist relativ niedrig“, sagt Bauamtsleiter Heinz Ziegler, der selbst in Mühlhausen lebt. Ein wenig fühle man sich nun wie in Venedig. Statt im Wasser zu versinken, sei man idyllisch vom Wasser umgeben.

Die Flutmulde

Die Mulde sei 15 Meter breit und eineinhalb Meter tief. Ohne sie wären in Mühlhausen in den vergangenen Tagen vermutlich wieder einige Keller vollgelaufen, so Ziegler. Doch durch die Flutmulde, die wie ein Nebenarm auf etwa zwei Kilometer Länge entlang der Efze angelegt wurde, ist das jetzt nicht mehr der Fall. Und das, obwohl erst eine von zwei Ausbreitungsflächen in Betrieb ist. Bei der zweiten Mulde müssen noch mehrere Furten und eine Fischaufstiegshilfe im Bereich der Fischerhütte gebaut werden.

Die Kosten

Es wurden 50.000 Kubikmeter Erde bewegt und riesige Rohre unter die Straße gelegt: 2,1 Millionen Euro fließen in den Bau der Mulde, die wie ein Bypass zum Bach entstanden ist. 85 Prozent der Bausumme trägt das Land, die Stadt Homberg und der Schwalmverband teilen sich die restlichen 15 Prozent. Im Oktober 2014 wurde mit dem Bau begonnen, den sich die Mühlhäuser schon so lange gewünscht hatten - seit zehn Jahren gab es bereits Überlegungen für Flutmulden.

Die Landwirtschaft

Ein Teil der landwirtschaftlich genutzten Flächen konnte erhalten bleiben, viele Gebiete der Landwirte wurden getauscht. Die Wirtschaftswege wurden umgelegt und führen an der Mulde entlang, durch die es Furten gibt, um mit den landwirtschaftlichen Fahrzeugen auf die jeweils andere Seite des Nebenarms zu gelangen. Die Absprachen mit den Landwirten seien gut verlaufen, freut sich Ziegler.

Das Biotop

Durch die Renaturierung werde Lebensraum geschaffen. „Weil die Flutmulde immer etwas Wasser führen soll, werden sich künftig kleine Biotope entwickeln“, erklärt Ziegler. An der Mulde entlang führen immer wieder unbewirtschaftete Gebiete, in denen sich die Tier- und Pflanzenwelt entwickeln soll. So könne durch die Renaturierung in Verbindung mit dem Hochwasserschutz eine große Artenvielfalt entstehen. Außerdem sollen sich Störche ansiedeln.

Die Erwartung

Ob tatsächlich alles Hochwasser in Zukunft mit der Flutmulde abgewendet werden könne, sei nicht klar, ein Restrisiko bestehe weiter, erklärt Ziegler. So könne die Flutmulde bei einer Jahrhundertflut wohl auch nicht alles auffangen. Allerdings sehe man schon jetzt, was sie leiste und das sei ein tolles Ergebnis für die Menschen in Mühlhausen.

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