Sortieren auf Sammelplätzen

Neue Verordnung: Mülltrennung gilt jetzt auch für Gartenabfälle

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Von wegen Hölzchen und Stöckchen: Die Mitarbeiter des Jesberger Bauhofs haben künftig ein Auge darauf, dass die angelieferten Grünabfälle nach den neuen gesetzlichen Vorgaben für Grünabfälle getrennt sind. Das Foto zeigt Marga Aubel vom Bauamt und Karlheinz Diehl vom Bauhof.

Schwalm-Eder. Die neue Bioabfallverordnung zwingt Grundstücksbesitzer zum Um- und Mitdenken: Wer seine Grünabfälle zu den Sammelstellen der Städte und Gemeinden des Schwalm-Eder-Kreises bringt, muss sie im Vorfeld genau sortieren.

Was in Fritzlar, Melsungen und Schwalmstadt bereits seit vorigem Herbst erprobt wird, ist nun überall Pflicht.

Das neue Gesetz schreibt für die kommunalen Sammelstellen eine strikte Trennung von Hölzern, Hecken- und Rasenschnitten vor. Die Zeiten, in denen Gartenabfälle dort bunt vermengt und vermischt auf Hängern und in Säcken anlanden durften und in denen sie zusammen zerkleinert wurden, sind damit vorbei.

Bislang habe die regionale Verwertung der Grünabfälle gut funktioniert, sagt Dr. Peter Zulauf, Geschäftsführer die Abfallwirtschaft Lahn-Fulda (ALF) in Wabern: Gartenbesitzer brachten sie zu den Sammelstellen, der Maschinenring Schwalm-Eder zerkleinerte sie und brachte sie auf den Feldern aus, wo sie den Boden düngten und verdichteten.

Das hätte alles so weiter gehen können, wenn nicht zwei große Probleme aufgetaucht wären, sagt Zulauf: Zum einen hätten sich durch die unbehandelten Grünabfälle Pflanzenkrankheiten verbreitet, zum anderen seien verstärkt nicht-heimische Pflanzen wie Herkulesstaude und Riesenbärklau wie Unkraut auf den Feldern gewachsen. Beides will der Gesetzgeber mit dem neuen Modell erschweren.

Die Abfallwirtschaft Lahn-Fulda werde dennoch am jetzigen kundenfreundlichen, dezentralen Sammelangebot im Landkreis festhalten, sagt Dr. Zulauf. „Wir wollen diese Strukturen unbedingt erhalten, nicht zerstören.“ Voraussetzung dafür sei aber, dass die Menschen die Neuregelung akzeptierten: „Nur wenn die Leute ihre Grünabfälle vorsortieren, können wir das Gesetz umsetzen, ohne dass die Müllgebühren steigen.“

HINTERGRUND

Nach der neuen Regelung müssen die Menschen ab sofort Gartenabfälle in drei Kategorien sortierten. 1. Hölzer und Äste ab Daumendicke. Je sauberer, desto besser: Die Hölzer werden Brennstoff für Biomassekraftwerke. 2. Hecken- und Staudenschnitte. Dieses Material wird aber nicht verheizt, sondern kompostiert. 3. Das gilt auch für Rasen, Laub und Fallobst. Diese Stoffe müssen noch einmal von den Heckenschnitten getrennt werden, weil sie schnell verrotten und zu Sickersäften neigen. Deshalb wandern sie in die Homberger Kompostierungsanlage. Da deren Kapazität begrenzt ist, wandert länger lagerbares Grünzeug in eine Anlage nach Thüringen.

Wer sortiert, spart Geld

Neue Bioabfallverordnung soll die Einwohner im Landkreis finanziell nicht belasten 

Jesberg. Karlheinz Diehl vom Jesberger Bauhof weiß schon jetzt ganz genau, was er und seine Kollegen im Frühjahr brauchen werden: starke Nerven. Denn er und seine Mitarbeiter werden dann den vielen Gartenbesitzern, die ihre Grünabfälle abgeben wollen, die neue Bioabfallverordnung erklären müssen, die jetzt umgesetzt wird. Mit dieser Aufgabe steht das Jesberger Bauhofteam allerdings nicht alleine da - die neue Bioabfallverordnung wird bundesweit umgesetzt.

Die verlangt eine strikte Trennung der einzelnen Kategorien Gehölz, Heckenschnitt und Grasabfälle. Nur wenn die Menschen im Landkreis die neuen Vorgaben akzeptierten und ihre Grünabfälle trennten, könne die Abfallwirtschaft Lahn-Fulda (ALF) die kommunalen Sammelstellen weiter aufrecht und zugleich die Müllgebühren im Schwalm-Eder-Kreis stabil halten, sagt deren Geschäftsführer Dr. Peter Zulauf.

Vorerst sei nicht mit einer Erhöhung zu rechnen. „Die finanziellen Auswirklungen werden wir erst dann absehen können, wenn uns konkrete Zahlen über die Mengen der Abfälle vorliegen, die entweder verbrannt oder kompostiert werden sollen.“

Die Praxis werde zeigen, ob der Weg so beschritten werden kann. „Wir gehen davon aus, dass die Gebühren, die wir jetzt erheben, ausreichen, um die Mehrkosten aufzufangen.“ Trotzdem gelte es, die Vielzahl der Sammelstellen aufrecht zu erhalten: „Wir wollen die Wege weiterhin so kurz wie möglich halten“, sagt Zulauf.

An diesem Anspruch soll auch die Tatsache, dass nun eine landwirtschaftliche Verwertung dieser Abfälle nicht mehr möglich ist, nichts ändern. Zulauf ist sich bewusst, dass es aber auch erst einer „gewissen Anlaufphase“ bedürfen wird, um die neuen Vorgaben in den Köpfen der Menschen zu verankern.

Das habe auch die Testphase gezeigt, die seit dem vergangenen Herbst auf den Sammelstellen in Schwalmstadt, Melsungen und Fritzlar läuft. Dabei habe sich aber herausgestellt, dass sich die Kunden schnell umorientierten und an die neuen Vorgaben gewöhnten. Doch selbst wer mit unsortierten Abfällen vorfahre, habe noch kein Problem: „Wir schicken niemanden wieder heim, sondern gehen den ökonomisch besten Weg und sortieren vor Ort.“

Zulauf zeigt sich anhand dieser Erfahrungen aus Melsungen, Fritzlar und Schwalmstadt zuversichtlich, dass sich schnell ein neues Bewusstsein schaffen lässt.

Die Gemeinden seien alle gut informiert, es lägen überall Informationsblätter und Broschüren aus, zudem führe der Zweckverband Gespräche mit den Mitarbeitern der Sammelplätze.

Ob das alles dem Jesberger Bauhofleiter Karlheinz Diehl und seinen Kollegen von den Bauhöfen in der Region hilft, wenn sie den Kunden die neue Verordnung erklären, wird sich in der Praxis zeigen.

HINTERGRUND

Landkreis liegt bei Bioabfall ganz vorn 

Der Schwalm-Eder-Kreis ist bei der Produktion von Bioabfällen der absolute Spitzenreiter unter allen hessischen Landkreisen: Im Landkreis fallen jährlich 39 000 Tonnen Grünabfälle an.

Umgerechnet heißt das, dass jeder der 179.000 Einwohner des Landkreises 219 Kilo Biomüll und Grünabfälle pro Jahr produziert. Zum Vergleich: im Werra-Meißner-Kreis sind es 113, in Waldeck-Frankenberg 177 und in Hersfeld-Rotenburg gerade einmal 50 Kilo Biomüll, die dort umgerechnet pro Person anfallen.

Jeder Mensch im Schwalm-Eder-Kreis produziert neben den 219 Kilo Biomüll übrigens auch noch 196 Kilo Hausmüll, 35 Kilo Sperrmüll und 66 Kilo Verpackungsmüll.

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