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„Heugabel-Prozess“: Nach krudem Angriff mit Werkzeug fällt Gericht ein Urteil

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Von: Manfred Schaake

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Hände auf dem Rücken mit Handschellen gefesselt (Symbolbild)
Der Angreifer wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. (Symbolbild) © Rene Traut / IMAGO

Mit Schlagstock, Spitzhacke, Heugabel und unter Drogeneinfluss ging ein 22-Jähriger auf einen Mann los und verletzte ihn schwer.

Schwalm-Eder/Kassel – Das Urteil im Heugabel-Prozess ist gefallen: Ein 22 Jahre alter Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis wurde gestern vom Landgericht Kassel wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Der Mann, der bereits wegen Körperverletzung vorbestraft war, hatte am 6. Oktober 2021 den ehemaligen Vermieter seiner Mutter mit einer Heugabel angegriffen, ihm dann in zwei Finger gebissen, danach soll er mit einem Teleskopschlagstock auf sein Opfer eingeschlagen haben. Schließlich habe er mit einer Spitzhacke „auf ihn eingewirkt“.

Nur, weil der 45-Jährige den Schlägen geschickt ausgewichen sei, habe er den Angriff überlebt, hieß es vor Gericht. Hintergrund des Streits war unter anderem, dass der Vermieter der 59-jährigen Mutter des Beschuldigten die Wohnung gekündigt hatte.

Körperverletzung statt Totschlag: Heugabel-Angreifer muss ins Gefängnis

Ursprünglich lautete die Anklage der Staatsanwaltschaft Kassel auf Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Der Staatsanwalt sprach letztlich von einem Impulsausbruch des Angeklagten und von glaubhaften Aussagen des Geschädigten. „Es war eine reine Angriffshandlung.“ Nach der Beweisaufnahme ließ er den Vorwurf der versuchten Tötung fallen.

Dem schloss sich auch das Gericht an: „Es waren drei massive Angriffe“, sagte der Vorsitzende Richter Geisler bei der Urteilsverkündung. Es habe aber keinen Tötungsvorsatz gegeben. Der Angriff mit dem Schlagstock habe keine lebensgefährlichen Verletzung zur Folge gehabt. Weil der Angeklagte Drogen konsumiert habe, habe eine „erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit vorgelegen“, so der Richter. Zudem habe der Beschuldigte die Tat eingeräumt und Reue gezeigt.

Verteidiger des Heugabel-Angreifers: Beschuldigter nun „die Ruhe selbst“

Aus seiner Sicht werde sein Mandant keine weitere Straftat mehr begehen, hatte sein Verteidiger betont. Der 22-Jährige sei jetzt entgiftet, „die Ruhe selbst und absolut ausgeglichen“, so der Verteidiger.

In der Tat zeigte der Angeklagte Reue: „Es tut mir leid, was geschehen ist“, hatte der Beschuldigte in seinem sogenannten „letzten Wort“ betont. Und weiter: „Ich wollte nicht, dass es soweit kommt. Wenn ich entlassen bin, werde ich einer Erwerbstätigkeit nachgehen und ein normales Leben leben.“ Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag des Staatsanwaltes. Der Verteidiger hatte eine Freiheitsstrafe unter zwei Jahren beantragt, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollte. Nun bleibt der Mann aber in Haft. (Manfred Schaake)

Im September begann ein Prozess am Landgericht in Kassel, um mehrere Taten rund um einen Vorfall im Juni vergangenen Jahres aufzuklären, bei dem ein 56-Jähriger in Vellmar lebensgefährlich verletzt worden war.

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