Prämonstratenserorden zieht Konsequenzen

Nach Missbrauchsskandal: Orden zieht sich zurück

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Das Bild zeigt die "Drachenburg", in der die Prämos wohnen und dahinter den Dom.

Fritzlar. Drei Wochen nach der Verhaftung eines Mitbruders wegen sexuellen Missbrauchs steht fest: Die Prämonstratenser verlassen Fritzlar. Das Priorat wird mit Wirkung zum 1. Juli aufgelöst, teilte am Mittwoch Rechtsanwalt Andreas Ehmke als Medienreferent des Ordens mit.

„Mit dieser Entscheidung soll ein Neuanfang ermöglicht werden, der den Weg zur Aufarbeitung und Heilung der durch die Missbrauchsfälle eines Mitbruders entstandenen Enttäuschungen und Verletzungen sowie der Spaltung und des Vertrauensverlustes eröffnet“, heißt es weiter.

Bruder Michael L. war Anfang Juni verhaftet worden und hatte gegenüber der Staatsanwaltschaft sexuellen Missbrauch in mehr als 30 Fällen gestanden. Der Chorherr war Schulpfarrer und auch für die Betreuung der Ministranten in Fritzlar zuständig.

Im August sollen die verbliebenen vier Chorherren vom Bistum und durch den Abt ihres Stiftes im österreichischen Geras aus Fritzlar verabschiedet werden. Die Seelsorge werde dann durch Priester der Diözese übernommen. Die Mitglieder des Ordens waren auch für die Betreuung der katholischen Christen im Fritzlarer Stadtteil Ungedanken und in Wabern zuständig.

Der Abt von Geras habe nach intensiven Gesprächen in Österreich, Fritzlar und in Fulda diese Entscheidung getroffen, teilte gestern das Bischöfliche Generalvikariat Fulda mit. In die Gespräche waren demnach auch Bischof Heinz Josef Algermissen und der Geistliche Rat des Bistums einbezogen. Das Bistum danke den Prämonstratensern ausdrücklich für den liturgischen und seelsorgerlichen Dienst in den vergangenen Jahren, hieß es weiter in der Mitteilung.

Nach der Verhaftung von Michael L. hatte sich in Fritzlar eine Debatte darüber entwickelt, ob andere Brüder vom Missbrauch gewusst haben müssten. Dabei waren auch Rufe laut geworden, die Prämonstratenser sollten die Domstadt verlassen. Der Pfarrgemeinderat Fritzlar wurde gestern von der Nachricht des Weggangs überrascht. Carol-Lu Winter sagte in einer ersten Reaktion, sie bedauere die Entscheidung, habe sie aber befürchtet.

Von Olaf Dellit und Ulrike Lange-Michael

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