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Bodenständige Landwirtschaft

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Pfluglose Bodenbearbeitung: Mit dem Grubber werden die Ackerflächen auf konservierende Art bearbeitet.
Pfluglose Bodenbearbeitung: Mit dem Grubber werden die Ackerflächen auf konservierende Art bearbeitet. © Johannes Knorr/nh

Regenwürmer, Milben, Bakterien, Nematoden, Mikroben und noch viele mehr: In den oberen fünf bis zehn Zentimetern des Ackerbodens wohnen und leben unzählige Organismen. Diese teils mikroskopisch kleinen Lebewesen leisten wertvolle Arbeit: Sie zersetzen Ernte- und Wurzelreste und verwandeln diese in wertvollen Humus, der als wesentlicher Strukturgeber sowie Nährstoff- und Wasserspeicher fungiert.

Die dünne Humusschicht nachhaltig zu stärken, ist eine der wichtigsten Aufgaben der konservierenden Bodenbearbeitung (Bodenbearbeitung ohne Pflug), wie sie auf dem Hof der Familie Knorr in Homberg-Holzhausen bereits seit 1988 praktiziert wird.

Wolfgang Knorr, der den Betrieb seit 1990 leitet, weiß: „Jede Art von Bodenbearbeitung führt zu Humusabbau und Nitratfreisetzung. Seine Devise lautet: Weniger ist mehr. Denn je schonender man den Boden bearbeitet, desto besser für die Bodenorganismen und die Bodenqualität.“

Einen klassischen Pflug sucht man auf dem Hof der Familie Knorr vergebens. Wolfgang Knorr hat den damals 90 Hektar umfassenden Betrieb von seinem Vater Konrad übernommen und im Laufe der Jahre deutlich vergrößert. Heute bewirtschaften er und sein Sohn Johannes eine Fläche von 245 Hektar. Dabei setzt der Ackerbaubetrieb konsequent auf die konservierende Bodenbearbeitung – seit fast 35 Jahren. Mit Erfolg: „Seitdem wir pfluglos arbeiten, haben wir auch keine Erosionsprobleme mehr“, erklärt Wolfgang Knorr. In der hügeligen Gegend um Holzhausen ist Erosion ein großes Problem, denn die Hanglage der Ackerflächen begünstigt einen zügigen Abtrag oberer Bodenschichten. „Bei der konservierenden Bodenbearbeitung mit einer Scheibenegge bleiben Stroh und Pflanzenreste auf dem Acker liegen und schützen die darunterliegende Humusschicht“, erläutert Knorr. Zudem bleiben Käfer und Würmer ungestört, wenn nur die oberen drei bis fünf Zentimeter des Bodens bearbeitet werden. Das führt – wenn auch entgegen der Erwartung – zu einer besseren Belüftung des Bodens: „Die stabilen Regenwurmröhren sind wie Autobahnen für das Regenwasser. Im Vergleich zu einem tief gelockerten Boden kann so etwa dreimal mehr Wasser in tiefere Bodenschichten geleitet werden“, weiß Knorr.

Zur Aussaat nutzt Knorr eine Scheibenschar Sämaschine, die sich nicht an Stroh oder anderen Pflanzenresten auf dem Boden stört. Rotierende Scheiben schneiden flache Schlitze in die oberste Bodenschicht. Dort wird das Saatgut eingebracht und der Boden anschließend leicht angedrückt.

Für Wolfgang und Johannes Knorr überwiegen die Vorteile der konservierenden Bodenbearbeitung, obwohl sie sich der Nachteile durchaus bewusst sind. „Unkräuter bleiben an der Oberfläche und wenn wir sie nicht rechtzeitig vor der Saat zum Keimen bringen können, stehen sie zwischen dem Weizen, der Gerste oder andern angebauten Kulturpflanzen“, erklärt Knorr. Vor diesem Hintergrund macht ihm der Ablauf der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat durchaus Sorge. Aktuell wird dieses Herbizid eingesetzt, um den Acker vor der Neusaat zuverlässig von Unkräutern und insbesondere Schadgräsern zu befreien. Der Einsatz von Herbiziden und anderen Pflanzenschutzmitteln erfolgt, wie der Name schon sagt, zum Schutz der Kulturpflanzen. Die Zulassung dieser Mittel sowie die Ausbringung durch den Landwirt unterliegt strengsten Auflagen. Eine geringe Menge der Pflanzenschutzmittel wird stark mit Wasser verdünnt und anschließend auf die Pflanzen in dünnen Tröpfchen aufgebracht. „Nach der Aufnahme über die Blattoberfläche wird Glyphosat rasch in den Spross und die Wurzeln verlagert. Die Wirkung setzt sehr zeitnah ein und führt zur Einstellung des Wachstums, die Pflanzen verfärben sich gelb und sterben ab. Die im Boden lebenden Organismen werden nicht beeinträchtigt. Beim Pflügen werden die Pflanzen ebenso zuverlässig vernichtet beziehungsweise am Keimen gehindert – aber eben auf Kosten der Bodenstruktur und -organismen“, sagt Knorr. Und es sind eben die Regenwürmer, Milben, Bakterien, Nematoden und Mikroben, die langfristig den Erhalt der für den Ackerbau unerlässlichen Humusschicht sichern. „Ob am Ende doch der Pflug zum Einsatz kommt, entscheidet jeder Betrieb für sich. Nicht jeder Acker ist gleich, und das ist doch das Spannende an unserer Arbeit.“ (esy)

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