Alternative Trasse zur A 49 bei Neustadt

A 49: Die Geschichte einer Bürgerinitiative - Es ging immer um Alternativen

Bild aus dem Archiv von 2011: Unterstützer der Initiative Schwalm ohne Autobahn enthüllten eins von zahlreichen Werken auf dem Kunstweg 49a.  
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Bild aus dem Archiv von 2011: Unterstützer der Initiative Schwalm ohne Autobahn enthüllten eins von zahlreichen Werken auf dem Kunstweg 49a. (Archivfoto)

Über viele Jahre engagierte sich die Bürgerinitiative „Schwalm ohne Autobahn“, Jörg Haafke und Klaus Hottmann blicken zurück und nach vorn.

„Verloren haben wir zweimal. Beim Planfeststellungbeschluss 2012 und mit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts am 23. April 2014“, sagt Jörg Haafke, Vorsitzender Bürgerinitiative „Schwalm ohne Autobahn“. Mit dem Urteil wies das Gericht die Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss für den letzten Abschnitt der A 49 zurück und machte den Weg frei für den Bau bis zum Dreieck Ohmtal an der A 5.

Damit war das Ziel der Bürgerinitiative (BI), ein „besseres Ende der A 49“ zu finden, nicht erreicht, das verbindende Element weggefallen. Die Gruppe drohte auseinanderzufallen, beschreibt Klaus Hottmann die Stimmung. Doch die heterogene Gruppe mit vielen kreativen Köpfen und Ideen machte nicht Schluss. „Auch wenn die Autobahn eine Art Klammer bildete, befassen wir uns nicht nur mit Verkehrsfragen, sondern entwickeln Konzepte und Ideen für die Entwicklung der Region“, sagt Haafke. Darunter fallen die Fortsetzung des Projekts Kunstweg 49 a und die kritische Begleitung des geplanten Gewerbegebiets bei Florshain.

Sicher, räumen Hottmann und Haafke ein, im Augenblick kämen zu den monatlichen Treffen fünf bis sieben Mitglieder, den Hottmann als „den harten Kern“, bezeichnet. Zu Hoch-Zeiten des Protests sah das anders aus. 15 bis 20 Frauen und Männer trafen sich wöchentlich für zwei bis drei Stunden, um über Aktionen und Lösungen für die A 49 zu diskutieren.

Dabei hatte die BI „Schwalm ohne Autobahn“, die aus der BI „Rettet die Schwalm“ hervorging, seit 2006 mit Aktionen von sich Reden gemacht. Dort machte sie auf die regionalen Probleme, beispielsweise die größere Verkehrsbelastung in Treysa aufmerksam und suchten Kompromisse. Dafür entwarfen sie 2010 ein Konzept zur Entwicklung des Straßennetzes in der Region Schwalm-Ohm. Es bestand aus Ortsumgehungen, Querspangen und Ertüchtigungen von Straßen, „uns gelang es aber nicht, eine Mehrheit zu überzeugen“.

Hart ins Gericht geht Haafke mit den Grünen im Landtag. Er warf ihnen Untätigkeit und mangelnden Gestaltungswillen vor, Alternativen für die Autobahn zu finden. Und mit dem Bau des Tunnels bei Frankenhain 2013 seien Tatsachen geschaffen worden. Dennoch hätte es Möglichkeiten gegeben (Artikel unten). Doch die Autobahn schien der einfachere Weg. Die Enttäuschung wuchs, als Verkehrsminister Tarek Al Wazir bei einem Besuch bei B. Braun in Melsungen 2013 erklärt, er werde die Autobahn nicht behindern, wenn alle rechtlichen Voraussetzungen für alle Abschnitte gegeben seien. Wäre er an dessen Stelle gewesen, hätte er die Straßen und Ortsumgehungen gebaut, die nötig sind, um bei einer Sperrung der A 49 den Verkehr aufzunehmen. „Die lärmgeplagten Anwohner beispielsweise an der B 3 hätten gesehen, dass die Entlastung ohne Autobahn funktioniert“, so Haafke.

Hoffnung, die Ziele noch zu erreichen, keimte mit der Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht auf. „Wir setzten auf das Gericht, denn einige Aussagen in den Plänen waren nicht eindeutig“, sagt Hottmann. Dazu kam die Verschiebung der Rodungsarbeiten um ein Jahr. Doch das Urteil des Gerichts machte alle Hoffnungen zunichte. In der Zeit der Auseinandersetzung haben die Mitglieder der BI viel Zeit investiert, zahlreiche Akten gewälzt. Doch Akzeptanz oder Ansehen habe man nicht erfahren. Im Gegenteil, „das muss man aushalten“. Dennoch „war der Einsatz der BI nicht verkehrt“. Die Gruppenmitglieder hätten ihre unterschiedlichen Lebenserfahrungen und Kenntnisse eingebracht. (Von Rainer Schmitt)

Ausbau der A 49: Dannenröder Appell skizziert Alternativen

Der Dannenröder Appell sieht vor, dass die A 49 nicht ab Stadtallendorf an die A 5 anschließt, sondern hinter Neustadt den Verkehr aufspaltet.

22 Gruppen, Bürgerinitiativen, Naturschutzverbände, Wissenschaftlergruppen und Verbände von Parteien unterzeichneten 2019 den Dannenröder Appell. Inzwischen liegt die Zahl der Unterzeichner bei 36. 

In dem Appell „Ein Votum für ein besseres Ende der Autobahn A 49“ geht es um eine grundlegende Neuausrichtung der Verkehrspolitik mit dem Ziel, stabile klimatische Lebensbedingungen zu bewahren. Gefordert wird ein sofortiges, bundesweites Moratorium aller Straßenbauprojekte. Weiter heißt es, dass „alle öffentlichen, im Zusammenhang mit dem Weiterbau der A 49 bestehenden Interessen durch alternative Maßnahmen erfüllt werden“.

Der Dannenröder Appell sei schon vor einem knappen Jahr das Angebot zu einer einvernehmlichen Lösung gewesen, so Klaus Hottmann. Er sei jedoch in kaum einer Weise von Politikern zur Bewertung diskutiert worden.

Der Appell sieht vor, die A 49 nicht ab Stadtallendorf an die A 5 anzubinden, sondern hinter Neustadt den Verkehr aufzuspalten und an vorhandene beziehungsweise noch zu erstarkende Bundesstraßen zu verteilen. Zudem solle die Autobahn ab Borken zur Bundesstraße herabgestuft werden.

Ab Treysa soll die vierspurige Straße zweispurig auf der planfestgestellten Trasse bis zur Straße Speckswinkel bei Neustadt weiterführen. Dafür soll eine neue knapp zwei Kilometer lange Straße zur Bundesstraße 454 Stadtallendorf führen. Diese Umgehungsstraße im Westen von Neustadt trifft auf die B 454. Damit könnte der Dannenröder Wald erhalten, die Lärmbelästigung in Baunatal und Edermünde begrenzt, der Verkehrskollaps in Treysa auf der Durchgangsstraße vermieden werden, so die Unterstützer. Einzelne umweltverträgliche Optimierungen sollten angestrebt werden. Eine Transitfunktion sollte verhindert werden. Ferner sollten Neustadt und Wiera Ortsumgehungen erhalten, die Orte an der B 3 würden entlastet, ohne sie vom Verkehr abzuhängen. Die Eingriffe in die Natur wären geringer und Marburg sowie Homberg/Ohm bräuchten keine Mehrbelastung zu befürchten.

Deges und Hessen Mobil äußern sich zur Alternative

Hessen Mobil als auch die Deges haben sich auf HNA-Nachfrage spärlich zur Alternative geäußert. Hintergrund ist das ausgesprochene Baurecht für den geplanten 42 Kilometerlangen Trassenbau der A 49 von Neuental bis nach Gemünden. Hessen Mobil erinnere daran, dass für die jetzige Trasse nach jahrzehntelanger Prüfung aller möglichen Alternativen Baurecht ausgesprochen wurde. „Und dieses ist von allen Instanzen bestätigt worden. Daran halten wir uns“, heißt es weiter. Für die Änderung bestehender Rechtsverhältnisse seien sie nicht der richtige Ansprechpartner.

Auch die Deges weist auf die die Linienbestimmungen für die A 49 hin, die abgeschlossen wurden. „Die Trassenführung, die jetzt realisiert wird, ist planfestgestellt worden – das heißt, sie ist verbindlicher Bestandteil des bestehenden und vollziehbaren Baurechts.“ (Von Rainer Schmitt und Linett Hanert )

Chronik der A 49

Transparent von A49-Gegnern im besetzten Wald

Bau der Autobahn A49

Ende der 60er-Jahre verspricht Bundesverkehrsminister Leber der Stadt Marburg einen vierspurigen Ausbau der B 3 nach Kassel.

Um 1970 solle die A 49 östlich von Marburg verlaufen und vor Gießen an die B 3 angeschlossen werden. Wegen starken Widerstands werden die Pläne aufgegeben.

1975: Der Autobahnabschnitt von Edermünde-Holzhausen nach Fritzlar wird für den Verkehr freigegeben.

1978: Der Abschnitt von Fritzlar (Nord) bis Borken wird freigegeben. Im April wird die Aktionsgemeinschaft „Schutz des Ohmtals“ gegründet.

Anfang der 1980er-Jahre tritt die Bürgerinitiative „Rettet die Schwalm“ gegen die A 49 auf. Ab 1990 werden verschiedenen Planungen vorgelegt. Die CDU/FDP-Landesregierung lässt unter Sofortvollzug die Autobahn ab Borken weiter bauen.

1994: Der Hessische Verwaltungsgerichtshof verfügt aufgrund einer Klage einen Baustopp bei Bischhausen. Im Dezember wird die Straße bis Bischhausen freigegeben. Es folgen Trassenvarianten und zahlreiche Klagen.

2006: Die Bürgerinitiative „Schwalm ohne Autobahn“ entsteht in der Nachfolge der BI „Rettet die Schwalm“. Sie legt 2010 mit anderen Gruppen eine Alternative vor.

2011: Erste Bauarbeiten an der Strecke Bischhausen-Treysa.

30. Mai 2012: Planfeststellungsbeschluss für den letzten Abschnitt Stadtallendorf -A 5.

2013: Beginn des Tunnelbaus bei Frankenhain

23. April 2014: Der Bundesverwaltungsgerichtshof weist die Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss des letzten Bauabschnitts ab.

2019: Fällarbeiten auf der Trasse werden um ein Jahr verschoben. Begründung: noch nicht abgeschlossene Ausgleichsmaßnahmen.

22. Dezember 2019 Dannenröder Appell

Herbst 2020: Die Rodungsarbeiten beginnen

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