Bemühung gegen Ärztemangel auf dem Land

Anreiz für junge Ärzte: Gemeinde Neuental beschließt Stipendium ab dem nächstem Semester

„Arzt“ steht auf einem Hinweisschild mit dem roten Kreuz (Symbolbild).
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„Arzt“ steht auf einem Hinweisschild mit dem roten Kreuz (Symbolbild).

Die Gemeinde Neuental vergibt bereits zum nächsten Wintersemester ein Ärztestipendium. Das haben die Gemeindevertreter während ihrer jüngsten Sitzung beschlossen.

Die SPD hatte einen entsprechenden Antrag gestellt. Bürgermeister Dr. Philipp Rottwilm nennt es „eine gelungene Ergänzung zu den bisherigen Bemühungen der Gemeinde, dem Ärztemangel entgegenzuwirken.“

Zurzeit entsteht gegenüber der Verwaltung ein neues Ärztehaus, auf Antrag der CDU wurde ein Runder Tisch zur Sicherstellung der Ärzteversorgung ins Leben gerufen. Nun kommt also noch ein Stipendium hinzu. Die Kosten in Höhe von 10 500 Euro werden im Nachtragshaushalt bereitgestellt.

Das Neuentaler Ärztestipendium dockt an das Stipendium des Schwalm-Eder-Kreises an. Seit dem Wintersemester 2019/2020 vergibt der Landkreis ein Stipendium für Studierende der Humanmedizin ab dem fünften Studiensemester.

Die monatlichen Zahlungen des Kreises an die Stipendiaten liegt mit 875 Euro knapp über dem aktuellen Bafög-Höchstsatz. Im Gegenzug verpflichten sich die Stipendiaten im Landkreis eine Weiterbildung in einer medizinischen Fachdisziplin zu absolvieren

Die Gemeinde Neuental wird nun für die beiden Semester vor der ersten Abschlussprüfung (Physikum, also drittes oder viertes Semester) eine analoge Förderung zur Verfügung stellen. „Und der Stipendiat verpflichtet sich nach dem Studium für mindestens vier Jahre eine Tätigkeit als Mediziner in Neuental auszuüben“, erklärte SPD-Fraktionsvorsitzender Uwe Heintzemann. Der Neuentaler Stipendiat soll sich dann nach dem Physikum um die Anschlussförderung des Kreises bemühen. Beim Landkreis sei das Vorhaben der Gemeinde gut angekommen, sagt Rottwilm.

Dr. Philipp Rottwilm

Aktuell gibt es in Neuental zwei Allgemeinmediziner. „Der Runde Tisch war gut: Doch bislang ist kein Arzt nach Neuental gekommen. Für uns ist wichtig, dieses Thema umzusetzen und unser Wahlversprechen einzulösen“, so Heintzemann.

Karl-Heinz Theis (CDU) ergänzte: „Die CDU hatte 2018 den Runden Tisch ins Leben gerufen, es sind einige Ideen auf den Weg gebracht worden, denkt man alleine an das Ärztehaus.“ Dennoch könne man sich nicht zurücklehnen. Das Stipendium sei eine sinnvolle Maßnahme, junge Ärzte zu motivieren, nach Neuental zu kommen.“ Das Stipendium des Landkreises sei ursprünglich eine Idee der Kreis-CDU gewesen ist und zunächst skeptisch von der SPD im Kreistag gesehen worden.

Auch von der Bürgerliste gab es dazu Wortmeldungen. Johannes Strohm: „Wir unterstützen das Stipendium, sind aber der Meinung, dass ein rein monetäres Stipendium das Ziel verfehlt.“ Die BL empfehle, „neben der finanziellen Unterstützung sollten weitere Leistungen nach dem Physikum folgen, wie ein persönliches Mentoring-Programm.“

Dieses soll dem Stipendiant bei fachlichen und persönlichen Fragen unterstützend zur Seite stehen. Zum Start der Tätigkeit in Neuental sollte ein betriebswirtschaftlicher Crash-Kurs folgen, der beim späteren möglichen Start der Selbstständigkeit unterstütze.

Linett Hanert

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