Die Sehnsucht nach Kulturangeboten

Künstler und die Pandemie: Kunsthandwerker und Galerist über eine belastende Situation

Es ist still in den Veranstaltungsräumen des Kulturtreffs Alte Pfarrei in Niederurff: Dr. Stephan Pollmächer weiß um die Sorgen einiger Künstler.
+
Es ist still in den Veranstaltungsräumen des Kulturtreffs Alte Pfarrei in Niederurff: Dr. Stephan Pollmächer weiß um die Sorgen einiger Künstler.

Die Corona-Pandemie zehrt an den Kräften. Jüngst führte Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Dialog mit Kunstschaffenden und Veranstaltern und versicherte: Die Regierung wolle Planungen für den Herbst ermöglichen.

Die wirtschaftliche Lage von Künstlern und Kunsthandwerkern ist während der Pandemie angespannt. Bundesweit sind Veranstalter, Galeristen und Künstler gebeutelt. Wirtschaftlich angespannt ist die Situation in einer der wenigen Galerien und im beliebten Künstlertreffpunkt im Landkreis, der Alten Pfarrei in Niederurff, zwar nicht – dennoch sei die Situation allgemein frustrierend. Seit mehr als einem Jahr finden weder Veranstaltungen dort statt, noch können Künstler ihre Werke ausstellen, erzählt Dr. Stefan Pollmächer. Seltsam sei das, bedenke man, dass in der Alten Pfarrei seit 20 Jahren Kultur gelebt werde.

Pollmächer, der in der hiesigen Kunstszene gut vernetzt ist, bekommt die angespannte Situation mit. „Für Künstler ist es extrem schwierig. Ich bekomme jede Woche Bewerbungen von Künstlern für Ausstellungen, Konzerte und Lesungen. Aber ich muss weiter absagen.“ Die Alte Pfarrei besitze keinen großen Saal, „weshalb wir wegen der Corona-Bestimmungen alles ausfallen lassen müssen, was Indoor-Veranstaltungen angeht“, sagt er. Und auch Kulturinteressierte schilderten ihm ihren Unmut. „Es gibt viele Anfragen. In Telefonaten wird mir immer wieder geschildert, wie traurig die Menschen sind, dass kulturell nichts passiert.“ Die Alte Pfarrei sei einerseits ein Veranstaltungsort, „aber anderseits auch ein wichtiger Treffpunkt für Kulturschaffende und Kunst- sowie Musikliebhaber. „Der Austausch fehlt einfach.“

Pollmächer habe aber auch viel Zuspruch erhalten, indem ihm Menschen widerspiegelten, „dass sobald wieder Veranstaltungen stattfinden dürfen, Künstler sofort ihre neuen Werke hier bei uns ausstellen wollen“, erzählt er. Ginge es nach diesen Anfragen, sei die Alte Pfarrei für Ausstellungen für die nächsten sechs Jahre ausgebucht, schätzt Pollmächer.

Das regionale Gitarrenfestival sei die letzte Veranstaltung, die noch stattgefunden hat. Doch langfristige Planungen seien schwierig. „Wir wissen ja nicht, wann es überhaupt vorbei ist“, sagt Pollmächer. Auch könne man nicht grundsätzlich alle Veranstaltungen nun draußen stattfinden lassen. „Wir als Veranstalter, die zudem ehrenamtlich damit tätig sind, können nicht im April ein Gitarrenkonzert im Freien stattfinden lassen. Zum einen machen das die Musikinstrumente nicht mit, und dann wollen wenige bis niemand bei höchstens drei Grad im Freien sitzen“, sagt er. Dennoch wolle man eine Alternative bieten und setze seit Ende März auf corona-konforme Kurse im Freien. So werden im Art-Garten der Alten Pfarrei Bildhauerkursen angeboten. Bis zu 15 Menschen können teilnehmen. Mundschutz wird getragen. „Das Interesse ist groß. Die bisherigen Kurse wurden gut besucht. Es ist aber auch nicht so, dass wir jemandem absagen mussten.“ Und so hoffe Pollmächer, dass die hiesige Kulturszene zeitgleich mit dem Frühling auch wieder erwacht.

Charakterköpfe ohne Publikum: Bildhauerin Birgit Derx aus Schlierbach über ihr neuen Werke

In ihrem Garten: Birgit Derx aus Schlierbach erschafft aus gefundenen Sandsteinen Skulpturen.

Den Kopf in den Sand stecken will Birgit Derx wegen der allgegenwärtigen Situation nicht. Die Bildhauerin aus Schlierbach arbeitet indes lieber fleißig weiter mit heimischen Sandsteinen, die sie findet – auch wenn sie diese derzeit niemandem vorstellen kann. „Schade, dass ich meine Werke aktuell nicht einem breiteren Publikum zeigen kann.“

Aus gesammelten Fundstücken erschafft die Künstlerin seit geraumer Zeit Charakterköpfe, so nennt sie ihre Skulpturen. Die Fragmente der Steine bleiben jedoch erhalten. Birgit Derx hat ihre Leidenschaft für die Bildhauerkunst schon vor einigen Jahre entdeckt, erzählt sie. Heute ist das ihr Beruf. Deshalb sei sie auch traurig, dass sie ihre neuen Kunstwerke nicht auf Märkten in der Region ausstellen kann, wie sie es in den Frühlings- bis Spätsommermonaten sonst getan hätte.

„Umso länger die Pandemie andauert, umso mehr schläft die Szene auch ein“, sagt sie. Auch ihr fehle der Austausch zwischen Künstlern.

Dennoch habe sie den Spaß an ihrer Arbeit nicht verloren: Fast täglich werkelt sie in ihrem Stein-Zeit-Atelier. So gehören zu ihrer Sammlung nun neben frühen Werken, die wegen ihrer kleinen Größe oft Schmuckcharakter haben, auch große Skulpturen wie beispielsweise für den Garten.

Ihre Werke präsentiert sie sonst in Kombination mit nur teilweise bearbeiteten Holz- und Stahlelementen.

Kontakt:stein-zeit-atelier.de; derxbirgit@web.de oder auf Instagram: Sandsteinzeit. 

Töpfer aus Hundhausen ist weiter zuversichtlich

Martin Burberg beim Töpfern in seiner Werkstatt in Hundshausen.

Martin Burberg aus Hundshausen arbeitet hauptberuflich als Kunsthandwerker. Und das bereits seit 1979. Seine Töpferei ist in der Region bekannt.

Die Corona-Pandemie trifft den 61-Jährigen Töpfer aber nicht ganz so hart, wie er im HNA-Gespräch erzählt. Seinen Ausstellungsraum habe er zwar in einen „Corona-Notladen umfunktioniert“, aber das sei alles nur halb so schlimm. Denn: „Über die Homepage melden sich Interessierte und Kunden weiter“, sagt er. Wäre er auf die Vermarktung bei regionalen Märkten angewiesen, sehe die Situation natürlich anders aus. Und auch er produziere weiter, lasse sich nicht entmutigen. Er habe den Eindruck, dass man die Pandemie auf dem Dorf nicht so stark bemerke. Auch er vermisse die Märkte, bei denen er seine Arbeiten präsentiere. „Aber auch aus persönlicher Sicht. Man trifft dort sonst Kollegen. Das ist immer hilfreich.“

Kontakt: Martin Burberg, toepfereiburberg@web.de.; toepfereiburberg.de

Von Linett Hanert

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.