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Feldforschung: Maler Johannes Mundinger aus Berlin hat eine Scheune in Waltersbrück bemalt

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Von: Lea Beckmann

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Johannes Mundinger aus Berlin malte ein abstraktes Bild an eine Scheune in Waltersbrück.
Johannes Mundinger aus Berlin malte ein abstraktes Bild an eine Scheune in Waltersbrück. © Johannes Mundinger

Johannes Mundinger (40) aus Berlin hat eine Scheune in Waltersbrück bemalt. Der Künstler nennt dieses Projekt Feldforschung.

Waltersbrück – „Ich habe ein Auge für interessante Wände“, sagt der Künstler aus Berlin, Johannes Mundinger (40). Ihm reichen keine einfachen Leinwände. Eine Wand im öffentlichen Raum sei viel spannender. Gesagt – getan. In Waltersbrück hat der Künstler die Wand einer Scheune mitten im Feld bemalt.

Doch wie ist er auf diese Idee gekommen? Das Projekt nennt er Feldforschung. Bei einem Besuch seines Vaters, der seit 20 Jahren in Neuental lebt, hat Mundinger eine Scheune vor Zimmersrode entdeckt. „Ich dachte mir, wenn ich die Wände bemalen würde, dann sei das ein netter Kontrast – es ist etwas, das nicht erwartet wird“, sagt er. Gefördert wurde sein Projekt durch „Neustart Kultur“ mit der Stiftung Kunstfonds.

Johannes Mundinger aus Berlin bemalt Scheune in Waltersbrück

Die Finanzierung stand also schnell. Mundinger hatte ein ganz anderes Problem: „Es war sehr schwer, eine Erlaubnis der Scheunenbesitzer zu bekommen.“ Viele seien skeptisch gewesen und haben sich gefragt, was das soll? „Vielleicht liegt es daran, dass ich abstrakt male und bei klaren Motiven wären manche bestimmt offener gewesen“, erklärt der Künstler.

Doch sein Durchhaltevermögen nach etlichen Absagen hat sich ausgezahlt. Als er die Scheune in Waltersbück entdeckt hat, fragte er eine Anwohnerin, wem diese gehört. Sie schickte ihn zur Metzgerei Kaisers Ahle Wurst. „Als ich der Familie Kaiser von meinem Vorhaben erzählte, wirkten sie interessiert, aber auch skeptisch“, so der 40-Jährige. Der Künstler hat immer einen Katalog von seinen Werken dabei, damit er zeigen kann, wie seine Kunst aussieht. „Zuerst waren wir überrascht und ein Stück weit skeptisch“, sagt Markus Kaiser. Der Entwurf für die Scheune und Mundingers Auftreten überzeugte die Familie.

Scheune in Waltersbrück bemalt: Künstler orientiert sich an der Umgebung

Er holte Pinsel und Farbe raus und schon ging es los: „Die Wand der Scheune war sehr glatt, so ließ sich die Farbe schön auftragen“, erklärt Mundinger. Weil die Farbe wegen des sonnigen Wetters so schnell trocknete, war er innerhalb von zwei Tagen mit seinem Werk fertig. Bei dem Thema des Motivs hat er sich an der Scheune orientiert und die Farben griff er aus der Umgebung auf. „Daher ist dort nun eine abstrahierte Zeichnung einer Maschine und die Kreise sollen den Querschnitt eines Getreidehalmes unter einem Mikroskop darstellen“, sagt er.

Es war sein erstes Kunstprojekt im Schwalm-Eder-Kreis. „In der Region gefallen mir die vielen freien Flächen – es ist nicht so geballt wie in Berlin, wo sowieso schon jede Wand bemalt ist.“ Mundinger möchte daher auf jeden Fall noch mehr Scheunen in der Region bemalen.

Zur Person

Johannes Mundinger (40) ist in Offenburg aufgewachsen. Seit 2011 lebt er in Berlin. Mundinger hat in Münster und Brüssel Illustration und Malerei studiert. Danach hat er eine Zeit lang als Illustrator gearbeitet. Er stellt mittlerweile international seine Kunstwerke aus – sowohl drinen als auch draußen. Sein nächstes großes Projekt ist in Montreal in einem jüdischen Museum zu sehen.

(Lea Beckmann)

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