Geschichte Römersbergs

Die erste Chronik über das achte Dorf Neuentals

Mit viel Fleißarbeit hat Hartmut Feldbusch eine Dorfchronik über Römersberg erstellt. Unterstützt wurde er von seiner Frau Heike Feldbusch.
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Mit viel Fleißarbeit hat Hartmut Feldbusch eine Dorfchronik über Römersberg erstellt. Unterstützt wurde er von seiner Frau Heike Feldbusch.

Kein Durchgangsverkehr, kein Gewerbe, kein eigenes Kirchspiel und dann auch noch hoch entlegen auf einem Berg: Der Neuentaler Ortsteil Römersberg ist abgeschieden. Wer dort landet, muss schon mit einem konkreten Ziel angereist sein.

Neuental - Und dennoch sei Römersberg und seine Geschichte sehr interessant – da ist sich Hartmut Feldbusch sicher. Der ehemalige Lehrer hat jüngst eine Dorfchronik über den Neuentaler Ortsteil erstellt. Es ist die erste Chronik über Römersberg überhaupt.

„Es gab nie einen Mönch, der mal durchs Dorf zog und was über diesen Ort schrieb, keine Gelehrten, die sich während der Kaiserzeit hier niederließen und einige Zeilen aufs Blatt brachten“, erzählt Feldbusch. Nun also eine Chronik, die das Dorfleben des achten Neuentaler Ortsteils beschreibt – und das, obwohl die Römersberger eigentlich nie zu Neuental gehören wollten – „aber dazu kommen wir noch“, sagt Feldbusch. Den Gedanken, die Dorfgeschichte niederzuschreiben, habe Feldbusch schon lange gehabt. „Und dann kam die Pandemie, man ist viel zu Hause, also habe ich mich konkret an die Arbeit gemacht“, erzählt er. Da es bislang keine konkreten, einzelnen Schriften über den Ortsteil gab, hat sich Feldbusch vor allem mit Zeitzeugen unterhalten. „Wir haben zwei 96-Jährige, die mir viel berichten können“, sagt der 72-Jährige, der selbst in Römersberg geboren und aufgewachsen ist.

Aber er ist nicht der einzige Römersberger, der an dem Projekt beteiligt war. Besonders bemerkenswert an der Chronik ist das üppige Bildmaterial aus vergangener Zeit – „dank Hans Käufler“, sagt Feldbusch. Käufler habe schon sehr früh Fotos aus Römersberg, von Römersberger Familien, Römersberger Gastarbeitern und Häusern gesammelt und diese reproduziert.

„Vielen Dank dafür, das dörfliche Leben in seiner Vielfalt und Entwicklung so festzuhalten“, schreibt Feldbusch dazu in seiner Chronik. Nur eine Sache konnte nicht mit einem Foto dokumentiert werden: Eine Baracke aus dem Zweiten Weltkrieg der deutschen Soldaten, die Anfang der 1950er-Jahre abgerissen wurde. „Sie wurde für die Flak-Soldaten gebaut, um feindliche Luftangriffe abzufangen.“ Nach dem Krieg sollte das 15 Meter lange Bauwerk der Vergangenheit angehören.

Viele Heimatvertriebene sind nach dem Krieg in Römersberg einquartiert worden. Feldbusch schätzt, dass etwa 500 Menschen nach dem Krieg dort lebten. Zum Vergleich: Heute sind es 250 Menschen. „Wie beengt alle gelebt haben müssen, kann sich heute kaum einer vorstellen – zumal es die neuen Bausiedlungen noch nicht gab.“ Als in Borken das Kohlekraftwerk in Betrieb genommen wurde, zog es jedoch viele wieder weg.

„Die Arbeit dort war lukrativer als in der Landwirtschaft zu bleiben“, sagt der 72-Jährige. Und mit der Abwanderung wurde natürlich auch die Wirtschaft in der Nachbarkommune angekurbelt – anders als die Neuentals. „Aus diesem Grund wollten wir bei der Gebietsreform 1974 auch nicht Neuental, sondern Borken zugeordnet werden“, erinnert sich Feldbusch.

Ein Foto beweist das: Darauf zu sehen sind Richtungsschilder nach Borken und Römersberg. Darüber eine Tafel mit der selbstgemalten Aufschrift: „Wir wollten Stadtteil werden. Nun sind wir Neuenberg 1,2,3,4,5,6,7,?“ das Fragezeichen deute darauf hin, dass Römersberg der achte Ortsteil Neuentals geworden wäre – und seither auch ist. Heute hätten sich die Römersberger mit ihrem Schicksal abgefunden, witzelt Hartmut Feldbusch. „Auch, weil wir mit dem Keltenpfad, der Altenburg und der Höhenlage auf viele andere hinunterschauen können.“ (Linett Hanert)

Informationen: Hartmut Feldbusch, Tel. 0 66 93/587

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