Andacht für die Opfer am Samstagabend

Nach Brand in Zimmersrode: Drei Seelsorger im Einsatz

Zimmersrode. Sprachlosigkeit, Trauer und Erschütterung herrschten in Zimmersrode am Tag nach dem Brand eines Zweifamilienhauses, an dessen Folgen zweijährige Zwillinge starben.

Die Mutter der Kinder schwebt weiterhin in akuter Lebensgefahr.

Schon während die Löscharbeiten liefen, kümmerten sich mit den Pfarrern Friedrich Heidelbach, Peter Waterkamp und dem Ortspfarrer Peter Zschoche gleich drei Notfallseelsorger um Angehörige, Rettungskräfte und auch Dorfbewohner.

„Es ist in solchen Situationen wichtig, da zu sein“, sagt Pfarrer Peter Waterkamp. Er hat unter anderem die Schwiegereltern der Frau auf deren Weg in die Kasseler Klinik begleitet, wo um das Leben der Frau und ihres kleinen Sohnes gekämpft wurde. „Wir begleiten die Angehörigen und halten mit ihnen diese extrem schwierige Situation aus“, erklärt Waterkamp. Es gebe bei solchen Einsätzen keinen Plan A nach dem man vorgehe. „Wichtig ist, dass wir das Gefühl geben, dass wir zur Seite stehen. Ihr Anwalt sind.“ Da sei es schon hilfreich, wenn man zur Klinik nach Kassel gelotst werde, weil dafür bei den Angehörigen in solchen tragischen Momenten einfach der Kopf nicht frei sei.

Überhaupt gehe es nicht darum, große Antworten zu geben: „Wir halten Fragen und Tränen aus. Das ist nicht die Stunde der Macher“, sagt Waterkamp. Man könne das Schreckliche einfach nicht fassen und auch nicht weg reden. Solche Unglücke gehen auch an den Notfallseelsorgern nicht einfach so vorbei: „Wir sind unmittelbar berührt und da haben auch Profis wie zum Beispiel Notfallärzte Tränen in den Augen. Aber sie und auch wir müssen weitermachen.“

Denn für die Betroffenen sei wichtig, dass sie in diesen schweren Stunden einen Freund an ihrer Seite haben. Einen Ansprechpartner. „Wir versuchen ihnen Kraft zu geben, die sie selbst nicht mehr haben.“ Und zu trösten.

Wohnungsbrand in Zimmersrode

Etwas von dieser Kraft soll auch am Samstagabend bei einer Andacht gegeben werden – Rettungskräften und Dorfbewohnern. Man vereine sich im Leid. „Die Kirche wird geöffnet. Dort können die Menschen hinkommen und in der Stille eine Kerze anzünden“, sagt Waterkamp. Eine Predigt werde es nicht geben, erklärt Pfarrer Peter Zschoche. „Wir denken an die Familie. Aber es ist eine Andacht zum Brandunglück und nicht für die Verstorbenen.“ Das müsse man trennen. Alle sollen zusammenkommen. „Trauernd und klagend in der Stille und mit Musik“, sagt er. Denn alle verbinde die Betroffenheit und Traurigkeit.

Wie es nach der Andacht weitergehe mit der Trauerarbeit, stehe noch nicht fest. Für die Familie gelte es nun, einen Weg zu finden, um Abschied zu nehmen.

Ökumenische Trauerandacht zum Unglück in der ev. Kirche Zimmersrode, Samstag, 18 Uhr, für alle Beteiligten.

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Rubriklistenbild: © Leissa

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