Spenden fürs Campen?

Neuental diskutiert über Gebührenerhöhung für Campen am Neuenhainer See

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Sind gern am See zu Gast: Nadine Schmidt aus Kirchhain mit ihren Kindern Emilia (links) und Fiona.

Deutlich weniger Besucher, Dauer- und Saisoncamper: Ein größeres finanzielles Loch reißt die Corona-Pandemie in die Neuentaler Gemeindekasse, wenn es um den Ferienpark Neuenhainer See geht.

Aktuell rechnet die Kommune mit einem Defizit von 40.000 Euro, was sich allein aus den Mindereinnahmen bei den Dauer- und Saisoncampern ergeben könnte. Für zwei Monate war der nach Aussage von Bürgermeister Dr. Philipp Rottwilm mit 600 Stellplätzen „größte Campingplatz Nordhessens“ coronabedingt komplett geschlossen. Seit Mitte Juni hat der Ferienpark wieder für alle Gäste geöffnet, doch ist die Besucherzahl derzeit noch auf 500 pro Tag begrenzt. Diese Zahl soll in Kürze auf 750 erhöht werden, ist Rottwilm zuversichtlich, da die Gäste sich an die Abstandsregeln halten würden.

Im Vergleich: In den vergangenen Sommern waren an manchen Tagen bis zu 3500 Tagesgäste am See. Um das Defizit aufzufangen, werden die Eintrittsgebühren mit Beginn der Sommerferien von 2,50 pro Erwachsen auf drei Euro erhöht, und die Gebühren für Camper erhöhen sich um zwei Euro von durchschnittlich 27 auf 29 Euro pro Nacht. Dies hat Rottwilm in Abstimmung mit dem Gemeindevorstand im Nachgang der jüngsten Gemeindevertretersitzung beschlossen.

Einstimmig mit nur einer Enthaltung hatten die Gemeindevertreter entschieden, dass für Dauercamper für die Zeit der Schließung zwei Zwölftel und für Saisoncamper ein Sechstel der Platzgebühren auf Antrag erlassen werden. Der Gemeindevorstand hatte zuvor vorgeschlagen, die Gebühren für die Zeit der Schließung zu erlassen. Gleichzeitig können sie die erlassenen Gebühren für weitere Investitionen für den Ferienpark spenden. „Ich bin als Camper selbst betroffen. Ich werde meine Gebühr auf alle Fälle in vollem Umfang bezahlen, zumal das Campen in Neuenhain vergleichsweise günstig ist“, so Roman Felk (CDU). Denn trotz Schließung seien seitens der Gemeinde Leistungen erbracht worden - wie mit dem neuen Pflaster am Eingang des Ferienparks.

„Je nachdem, wie gut der Sommer wird und wie viele Gebühren gespendet werden, können wir das Defizit berechnen“, so Rottwilm. „Wenn am Ende der Saison kein Minus steht, gibt es keine Erhöhung für die Dauer- und Saisoncamper.“

„Um eine Erhöhung der Gebühren auch für Dauer- und Saisoncamper werden wir nicht umhin kommen“, ist hingegen CDU-Fraktionssprecher Karl-Heinz Theis überzeugt. Mit elf Ja-, zwei Nein-Stimmen und drei Enthaltungen haben die Gemeindevertreter einem kurzfristig eingereichten Antrag der CDU zugestimmt, die Neuentaler Verwaltung zu beauftragen, eine Satzungsänderung vorzubereiten. Der Inhalt: Zum Ausgleich des Corona-Defizits sollen die Gebühren für Dauer- und Saisoncamper gestreckt auf drei Jahre erhöht werden.

„Wir wollen auch nur das ausgeglichen wissen, was Mindereinnahmen sind“, sagte Theis. Dass diese Erhöhung auf drei Jahre begrenzt bleiben wird, sieht er gegenüber der HNA selbst als unwahrscheinlich an: Ein Gutachten von 2019 habe ergeben, dass die Nutzungsgebühren im Ferienpark Neuenhainer See im unteren Segment vergleichbarer Anlagen lägen.

„Die Idee der Freiwilligkeit ist mit dem Antrag ad absurdum geführt“, gab Rottwilm zu bedenken. Daher sollen erst einmal die Sommerferien abgewartet werden – nach der Saison ist vor der Saison.

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