Sie scheuen keine Wege

Patenschaftsverein für Rumänien brachte 60 Hilfstransporte nach Siebenbürgen

Stolz auf ihre neuen Taschen: Kinder in Kleinscheuern freuten sich über die Schulranzen und Rucksäcke, die der Patenschaftsverein aus Neuental mitgebracht hatte. Foto: privat

Neuental. Gäbe es ein Guinnessbuch der Rekorde für humanitäre Hilfe, der Neuentaler Patenschaftsverein Rumänien hätte gute Chancen, darin aufgenommen zu werden.

Rein rechnerisch hat die kleine Gruppe um den früheren Bürgermeister Otto Döhrn und Ottmar Kramer die Erde 25 Mal umrundet, um Menschen in einem der ärmsten Länder Europas zu helfen. Aus Anlass des 60. Transports gab es jetzt im siebenbürgischen Großau eine Feier und einen Gottesdienst.

Otto Döhrn

Dabei zielten die Vereinsmitgliedern nie darauf ab, statistische Rekorde aufzustellen. Nach der Revolution von 1989 in Rumänien gingen Bilder um die Welt, die auch Otto Döhrn schockierten: In Heimen vegetierten Kinder in Betten, die eigentlich Käfige waren. 25 Jahre und 60 Hilfstransporte später hat sich die Situation in Rumänien, aber auch in den aus Neuental unterstützten Dörfern Hamlesch, Braller und Michelsberg in Siebenbürgen verändert.

„In den ersten Jahren sind wir 46 Stunden ohne Unterbrechung gefahren.“

Diese Orte, in denen vor allem deutschstämmige Menschen lebten, seien regelrecht ausgeblutet, berichtet Otto Döhrn. Hamlesch beispielsweise hatte einmal 1700 deutschstämmige Einwohner. Heute sind es noch 13. Döhrn: „Unsere Hilfe dort ist jetzt eine Art Sterbebegleitung.“ Über die Jahre seien sehr viele, sehr enge Beziehungen entstanden.

Geringer Durchschnittslohn

Aber auch materielle Hilfe ist in Rumänien weiter dringend nötig. Neben den drei Dörfern der Siebenbürger Sachsen profitieren jetzt auch viele andere Orte und Einrichtungen von der Unterstützung. Der Durchschnittslohn eines Arbeiters betrage zwischen 300 und 350 Euro, bei teilweise ähnlich hohen Lebenshaltungskosten wie in Deutschland.

Deshalb nehmen die 16 Leute des Patenschaftsvereins die Arbeit und die Strapazen immer wieder auf sich. In manchen Jahren wurden sogar drei bis vier Hilfstransporte organisiert. Zwei der Fahrer stellten immer ihre Fahrzeuge zur Verfügung. „In den ersten Jahren sind wir 46 Stunden ohne Unterbrechung gefahren, inzwischen übernachten wir einmal“, sagt Döhrn, der 70 Jahre alt ist und mehrere schwere Erkrankungen hinter sich hat. 18 Jahre war er Bürgermeister von Neuental, inzwischen lebt er wieder in seiner Geburtsstadt Hünfelden (Kreis Limburg-Weilburg).

Inzwischen sei es immer schwieriger geworden, Spenden und Hilfsgüter zu erhalten. Döhrn hat dabei ein besonderes Talent entwickelt. „Ich war in den vergangenen Jahren leider häufiger krank. Aber jede Klinik hat mir etwas für den nächsten Transport mitgegeben“, erzählt er. Aus Beständen einer Klinik am Chiemsee etwa konnte die gesamte Evangelische Akademie in Siebenbürgen ausgestattet werden.

Hilfe geht weiter 

Auch die Helfer um Otto Döhrn und seinen Stellvertreter Ottmar Kramer sind älter geworden. Zwei Transporte pro Jahr wollen sie aber möglichst auch künftig organisieren. Unter anderem will der Verein ein Projekt für Kinder von Sinti und Roma unterstützen, an dem auch junge Deutsche im Freiwilligen Sozialen Jahr mitarbeiten.

Termin: Am Sonntag, 19. Juli, von 15 bis 17 Uhr wird der Patenschaftsverein in der Livesendung des Hessischen Rundfunks „Mein Verein in HR 4“ vorgestellt. Einlass ins DGH Zimmersrode ist um 13.30 Uhr. Es wirken mit der Shantychor Borken/Homberg und ein Alleinunterhalter. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.