Sich von Zwängenbefreien

Frauen gründen Selbsthilfegruppe im Schwalm-Eder-Kreis

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Laura Thrun und Melanie Credé bekennen sich zu ihren Zwangsstörungen. Sie wollen eine Selbsthilfegruppe gründen. (Symbolbild)

Zwei Frauen aus dem Schwalm-Eder-Kreis leiden an Zwangsstörungen, jetzt wollen sie eine Selbsthilfegruppe gründen um anderen Betroffenen zu helfen.

Es gibt Tage, da wäscht sich Laura Thrun bis zu 50 Mal die Hände. Die 24-Jährige leidet an einer Zwangsstörung. Diese fing an, als sie vor neun Jahren ihren Vater verlor. Nach einer Reha im vergangenen Jahr hat sie gelernt, dass es hilft, sich mit Gleichgesinnten in einem geschützten Raum auszutauschen und will nun zusammen mit Melanie Credé eine Selbsthilfegruppe gründen.

Ein Trauma kann Zwangsstörungen auslösen, das weiß auch Melanie Credé. Die Kirchhainerin macht Dinge, die nicht ganz der Norm entsprechen. Wenn sie auf der Straße schwarz gekleideten Menschen begegnet, muss sie sich duschen – oft mehrfach – wenn sie nach Hause kommt und die gesamte Kleidung waschen. Sie denkt dann, sie nehme den Tod mit nach Hause, die Menschen könnten von Beerdigungen kommen.

Waschen wird zum Zwang

Sie habe starke Verlustängste seit eines ihrer zwei Kinder krank war und während dieser Zeit ihr Vater plötzlich starb. Seitdem denkt die pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte, es passiere etwas Schlimmes, wenn sie schwarz gekleidete Menschen oder Krankenwagen sieht. Das löse solche Handlungen aus. „Ich denke, ich übertrage den Tod auf meine Liebsten. Und das will ich mit dem Duschen verhindern. Ich weiß schon, dass das Quatsch ist“, sagt die 44-Jährige. „Die Gedanken kommen einfach und zwingen dich zu dieser Handlung“, fügt Laura Thrun hinzu. Man meine, mit bestimmten Handlungen das Leben beeinflussen zu können.

Manche Betroffene gingen gar nicht mehr aus dem Haus, erzählt die Neuentalerin. Sie wurde während der Schulzeit gemobbt, was sie auch als einen der Auslöser für ihre Störung angibt. Gepaart sei die Krankheit oft mit Angststörungen, daher wollen die beiden auch dies zum Thema in der Selbsthilfegruppe machen. Bei Angst reagiere man mit körperlichen Symptomen. Bei Zwangserkrankungen sei es ein innerer Druck, bestimmte Handlungen auszuführen.

Erfahrungen mit anderen Betroffenen teilen

Doch Laura Thrun will sich nicht unterkriegen lassen. Sie hat trotz ihrer Schwierigkeiten das Fachabitur gemacht und will nun per Fernstudium Tierheilpraktikerin werden. Sie wolle sich weiterbilden, das treibe sie an. Zunächst will sie aber, zur psychischen Stabilisierung, an einem Intervallprogramm teilnehmen.

Beide Frauen haben viel Erfahrung in Therapien gesammelt, sie haben sich in einer Tagesklinik kennengelernt. Dies wollen sie mit anderen teilen. Sie wollen helfen und zeigen, dass man nicht allein mit der Krankheit ist. Zwangsstörungen seien ein Tabuthema, aber Austausch, Trost und Verständnis könnten helfen.

„Es gibt viele Betroffene, aber nur wenige gehen offen damit um“, sagt Melanie Credé. Man müsse sich nicht dafür rechtfertigen und schon gar nicht schämen.

Kontakt: Informationsstelle für Selbsthilfegruppen KISS im Schwalm-Eder-Kreis, Psychosoziales Kontaktzentrum Schwalm-Eder-Nord, Memelweg 4, Homberg, Tel. 0 56 81/9 32 72 11.

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