Schrittweise Öffnung wieder denkbar

Camping am Neuenhainer See: Saisonstart wegen Pandemie noch offen

Ein Besuch am Neuenhainer See ist für touristische Zwecke bislang laut Landesregierung nicht erlaubt. Deshalb ist es bislang auch noch ziemlich ruhig vor Ort.
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Ein Besuch am Neuenhainer See ist für touristische Zwecke bislang laut Landesregierung nicht erlaubt. Deshalb ist es bislang auch noch ziemlich ruhig vor Ort.

Wie steht es in diesem Jahr um die Öffnung des Neuenhainer Sees in Anbetracht der aktuellen Situation rund um die Corona-Pandemie? Traditionell öffnet die Gemeinde die Türen zum See für Saisoncamper immer zu Beginn der Osterferien. Stichtag wäre eigentlich der 1. April.

Bund und Land haben das Beherbergungsverbot jedoch noch nicht aufgehoben. Deshalb sind Übernachtungsangebote zu touristischen Zwecken nicht erlaubt. Dies schließt Vermietungen von Ferienhäusern und Campingplätzen ein.

2020 war es pandemiebedingt noch bis Ende Mai ruhig am Neuenhainer See: Die Wohnwagen der Dauercamper waren verschlossen, Carlchens Hütte und die Gastronomie ebenso. Dann sanken die Corona-Zahlen, es gab eine schrittweise Öffnung – begonnen mit den Dauercampern. Das könnte jetzt ähnlich ablaufen, sagt Dr. Philipp Rottwilm, Neuentals Bürgermeister.

Saison- und Durchgangscamper dürfen zu Beginn der Saison nicht anreisen?

Aktuell würden täglich Anfragen beim Ferienpark Neuenhainer See eingehen, ob und wie Gäste anreisen dürften. Bislang ist die Lage unklar. Bis zum 18. April wurde der Lockdown verlängert, Urlaub im Inland ist laut Bund-Länder-Gipfel untersagt. „Deshalb ist klar, dass bis zum 18. April das Campen für Touristen nicht gestattet sein wird“, sagt Dr. Philipp Rottwilm. Eine schrittweise Öffnung ähnlich wie im vergangenen Jahr ist aber denkbar. „Wir haben die Hoffnung, dass die Landesregierung danach zugunsten einer schrittweisen Öffnung entscheidet und Camping unter Pandemiebedingungen wieder möglich wird.“

Die Saisoncamper dürften beispielsweise normalerweise ab Gründonnerstag (1. April, Saisonstart) anreisen.

Wie sieht es mit den Dauercampern aus?

Ausgenommen von den aktuellen Beschlüssen seien Dauercamper. „Wir gehen davon aus, dass die Landesregierung auch dabei bleibt und wir die Anlage unter den erforderlichen Beschränkungen weiter geöffnet lassen dürfen.“ Mit einer Entscheidung wird in diesen Tagen gerechnet. Laut Hessischer Landesregierung waren Dauercamper bisher erlaubt, wenn ein „notwendiger Zweck“ gegeben ist, wie etwa die Eigennutzung eines Wohnwagens als Dauercamper oder die Nutzung eines eigenen Ferienhauses.

Insgesamt bietet der Ferienpark 600 Stellplätze, davon 315 für Dauercamper. Für sie gelten dieselben Corona-Regeln wie für den öffentlichen und privaten Raum – also auch die zwei Haushalts-Regelung, so Rottwilm. „Die Dauercamper sind voneinander abgegrenzt und haben im vergangenen Jahr gezeigt, dass sie verantwortlich mit der Situation umgehen. Außerdem setzen wir auf strikte Hygiene- und Abstandsregeln“, sagt Rottwilm. Fest steht aber auch, dass Gäste der Dauercamper nicht zugelassen sein werden. Indes seien die Mitarbeiter des Neuenhainer Sees bereits dabei, die Anlage auf Vordermann zu bringen und „alles den geltenden Hygieneauflagen gerecht herzurichten.“

Die Gemeinde als Betreiberin und Eigentümerin des Sees muss in diesem Jahr wieder flexibel reagieren?

Ja. „Wir müssen weiterhin unkompliziert und schnell handeln, wenn es neue Beschlüsse gibt – genau wie im vergangenen Jahr“, sagt Rottwilm. Gleichwohl hätte die Gemeinde aber gerne mehr kreativen Spielraum. Privilegien durch das Vorzeigen eines negativen Corona-Tests oder eines Impf-Nachweises, um den Ferienpark zu besuchen, seien vorstellbar. Aber: „Ich kann mir auch Schnelltests am Eingang des Sees für Tagestouristen vorstellen“, sagt der Bürgermeister. Nichtsdestotrotz müssten auch dann die Hygieneauflagen erfüllt werden. „Wir sind gewillt, alles dafür zu tun, dass wir den Menschen einen Besuch am See und ein bisschen Normalität ermöglichen können.“

Rückblickend auf 2020: Hat sich die späte Öffnung des Sees für die Gemeinde noch gelohnt?

Ja. Ein Beispiel: Die Dauercamper zahlen für ihren Stellplatz einen Jahresbeitrag. Die Rückzahlungen der Gemeinde wegen der verspäteten Öffnungen im vergangenen Jahr haben beispielsweise nicht alle in Anspruch genommen. „Das Geld investieren wir nun in neue Sitzgelegenheiten, die Spender werden auf einer Tafel genannt“, so Rottwilm. Das habe gezeigt, dass auch viele Gäste sehen, in welcher schwierigen Situation die Gemeinde sich befinde, da sie – anders als private Eigentümer einer solchen Ferienanlage – keine Unterstützung der Bundes- oder Landesregierung erhält. „Wenn es schlecht läuft, müssen wir das über unseren Haushalt ausgleichen“, sagt er.

Dazu komme, dass der verbleibende Sommer 2020 die Gemeinde aber gerettet habe: „An den Top Tagen hatten wir die zugelassene Höchstgrenze an Besuchern immer erreicht – die lag damals zunächst bei 500, wurde dann auf 800 Badegäste erhöht. Dazu kamen etwa 1500 Campinggäste, auf der 22,5 Hektar großen Anlage.“

Einnahmen Ferienpark Neuenhainer See 2020

Durch die pandemiebedingte Schließung hatte die Gemeinde im Jahr 2020 mit Rückzahlungen in Höhe von 43 140 Euro gerechnet. Durch Kostenreduzierungen, Preisanpassungen, Spenden der Dauer- und Saisoncamper und die „sehr gute Restsaison“ konnte jedoch der ursprüngliche Haushaltsansatz eingehalten werden. „Wir haben ganz knapp schwarze Zahlen geschrieben“, so Rottwilm. Die Einnahmen 2020: Dauercamper: 208 500 Euro, Saisoncamper: 31 890 Euro, Tourismuscamper: 116 000 Euro und Badebetrieb: 35 228 Euro. Insgesamt: 468 269 Euro.

Von Linett Hanert

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