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Wandergesellen sanieren zwei Wochen den Tanzsaal des Gasthofes in Gilsa

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Von: Lea Beckmann

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Bendix, fremder Zimmerer im Freien Begegnungsschacht, sägt einen Holzbalken für die Decke im Tanzsaal des Dorfgasthofes in Gilsa zurecht.
Bendix, fremder Zimmerer im Freien Begegnungsschacht, sägt einen Holzbalken für die Decke im Tanzsaal des Dorfgasthofes in Gilsa zurecht. © Lea Beckmann

Es wird gesägt, gehämmert, Holzbalken werden durch die Gegend getragen und zwischendurch kräht ein Hahn – es ist einiges los auf dem Grundstück des Dorfgasthofes in Gilsa. Der Grund: Um die 30 Wandergesellen sind derzeit dort und sanieren den Tanzsaal.

Gilsa – Zwei Wochen lang wollen sie sich der Sanierung hingeben. Unter anderem werden die Tür und das Treppenpodest zum Eingang erneuert. Neben dem großen Tanzsaal befindet sich ein weiterer, kleiner Raum. Dort haben die Wand und die Decke wegen Wasserschäden sehr gelitten. Die Dachlatten werden daher erneuert und das Dach umgedeckt. Dafür werden die alten Ziegel wieder verwendet.

„Wir mussten auch die Decke mit Balken erst einmal stützen, damit sie nicht komplett absackt“, sagt Leuka, fremde Tischlerin im Freien Begegnungsschacht. Wenn die Wandergesellen unterwegs sind, tragen sie keinen Nachnamen. „Wir sind in der Fremde unterwegs und legen daher unseren Nachnamen ab“, erklärt Leuka.

Sie stehen noch an der alten Eingangstür: Die Wandergesellinnen Leuka (links) und Marie.
Sie stehen noch an der alten Eingangstür: Die Wandergesellinnen Leuka (links) und Marie. © Beckmann, Lea

Sie ist seit ungefähr zwei Jahren als Wandergesellin unterwegs. „Als reisender Handwerker fühlt man sich frei und unabhängig.“ Man verplane so nicht sein Leben und lerne viele Techniken und Betriebe kennen. „Ich war zum Beispiel mal in der Schweiz bei einem Holzbiegewerk“, sagt Leuka. Auch Marie, fremde Geigenbauerin im Freien Begegnungsschacht, lebt die Tradition der Wandergesellen.

Wandergesellen sanieren in Gilsa den Tanzsaal

Und dabei gebe es einige Faustregeln, die die Wandergesellen beachten müssten. „Man ist für mindestens drei Jahre und einen Tag unterwegs und man muss mindestens 50 Kilometer von seinem Heimatort weg sein“, sagt sie. Wo man hingehen möchte, das könne jeder für sich entscheiden. „Wandergesellen sind entweder in kleinen Gruppen oder auch alleine unterwegs – wie man es selbst möchte“, erklärt Marie. Man halte sich nicht länger als drei Monate an einem Ort auf. Und Wandergesellen dürfen kein Geld für die Fortbewegung und Unterkunft ausgeben.

Der Tanzsaal des Dorfgasthofes in Gilsa.
Der Tanzsaal des Dorfgasthofes in Gilsa. © Beckmann, Lea

Derzeit ist also Gilsa der Aufenthaltsort der Wandergesellen. „Es ist ein wirklich toller Ort und es sind so viele motivierte Wandergesellen da“, sind sich die beiden einig. Es herrsche ein großer Ideenaustausch. Die Zusammenarbeit mit dem Biohof von Franziska Dörr sei zudem „sehr unkompliziert“.

Und auch Franziska Dörr freut sich über die Hilfe. Gemeinsam möchten alle dem Veranstaltungsort wieder Leben einhauchen. Die Wandergesellen haben auf dem Biohof ihre Unterkunft. Sie bekommen alles gestellt an Materialien und Werkzeugen – „wir spenden dafür unsere Arbeitskraft“, sagt Marie. Daher sei der Tanzsaal eine solidarische Baustelle.

Hoffest am Biohof in Gilsa

Bis Freitag, 19. August werden die Wandergesellen auf der Baustelle sein. Einen Tag später haben sie ihr Abschlussfest, das zusammen mit dem ersten Hoffest des Biohofes stattfinden wird. „Es ist eine super Gelegenheit, das Ende der Baustelle mit dem Hoffest zusammenzubringen“, sagt Dörr.

Das Fest erstreckt sich über zwei Tage. Am Samstag, 20. August, gibt es abends ein Kino und ein Konzert und am Sonntag, 21. August können die Menschen zwischen 11 und 17 Uhr beim Biohof vorbeischauen.

Und die Wandergesellen? Deren Wege trennen sich zum Teil, sie ziehen weiter und verstreuen sich wieder im Lande. (Lea Beckmann)

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