Grundstückseigentümer bleibt auf Schaden sitzen

Bild der Verwüstung: Wildschweine zerstören Garten in Zimmersrode

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Umgegraben: Die große Obstwiese von Götz Amelung in Zimmersrode haben Wildschweine zerstört.

Es ist ein Bild der Verwüstung, das sich in Götz Amelungs Garten zeigt: Vor knapp zwei Wochen fiel eine Rotte Wildschweine über seinen Obstgarten her. 

Seit mehr als 40 Jahren wohnen Anemone und Götz Amelung am Ortsrand von Zimmersrode. Ihr Haus steht etwas abseits von der Straße und der Bahnlinie. Vom Fenster ihres Wohnzimmers aus können sie weit in den Knüll blicken und vom Schlafzimmer aus in ihren Garten und auf die angrenzende große Obstwiese, auf der immer wieder Rehe, Hasen und Füchse zu sehen sind. Eigentlich eine Idylle. Wären da nicht die Wildschweine, die über die Obstwiese hergefallen sind.

Die erste Rotte kam vor gut zwei Wochen. Die Tiere holten sich Äpfel und wühlten den Boden auf. „Das war eigentlich gar nicht so schlimm“, sagt der 75-jährige Amelung. Wenige Tage später kamen die nächsten Tiere.

Wildschweine leisteten ganze Arbeit 

Und die leisteten ganz Arbeit. Jetzt sieht die Wiese wie umgepflügt aus. Tiefe Spuren und eine aufgeworfene Grasnarbe ziehen sich nahezu über die komplette Wiese – ein Bild der Zerstörung. Die einst gepflegte Wiese ist hinüber.

Bisher waren die Amelungs von Wildschweinbesuchen verschont geblieben. „Vor drei, vier Jahren waren welche da, aber da hielt sich der Schaden in Grenzen“, berichtet Amelung.

Doch in jüngster Vergangenheit habe sich das Problem verschärft. So seien die Tiere auf einer Pferdekoppel gewesen, auf einem Hof aufgetaucht und hätten einen Gartenzaun zerstört.

Frage nach Schadensübernahme

Für Amelung bleibt nun die Frage, wer möglicherweise den Schaden übernimmt. Die Gemeinde, berichtet er, habe ihm wenig weiterhelfen können. Der Jagdpächter habe sich den Schaden angeschaut und sich für nicht zuständig erklärt. 

Grund: Das Grundstück sei keine 400 Meter vom Ortsschild entfernt und innerhalb dieses Bereiches dürfe nicht geschossen werden. Ähnliche Auskünfte habe er von anderer Stelle mit Verweis auf das Bundesjagdgesetz erhalten. Was ihm bleibt: Er könnte einen Zaun um das Grundstück ziehen und so versuchen, die Wildschweine von seinem Grund und Boden fernzuhalten. Oder: Er geht vor Gericht.

Doch der studierte Jurist fürchtet, er bleibe nur auf den Gutachterkosten sitzen und verliere die Auseinandersetzung. Da bleibe ihm wohl nur übrig, den Schaden aus eigener Tasche zu regulieren.

Ähnlich sieht es Bürgermeister Dr. Philipp Rottwilm. In der Regel zahle der Jagdpächter, doch wenn das Grundstück in einem Gebiet liegt, in dem nicht gejagt werden darf, weil es zu nahe am Ort liegt, werde er wohl auf dem Schaden sitzen bleiben. Es bleibe schließlich nur der Rechtsweg. Und auch wenn die Gemeinde eigentlich raus sei, so könne sie doch beim Gutachten helfen, bietet er an.

Grundstücke am Ortsrand für Jagd tabu

Für den Kreisjagdbeauftragten Werner Wittich ist die Frage nach der Entschädigung durch den Jagdpächter eindeutig. Liegt das Grundstück in einem befriedeten Gebiet, darf nicht geschossen werden. Gejagt werden darf nur ohne Gefahr für die Öffentlichkeit und die Menschen. Grundstücke am Ortsrand seien problematisch. Denn die Bejagung sei erst nach dem letzten Gartenzaun möglich, alles andere wäre zu gefährlich.

Die Folge: Der Grundstückseigentümer muss sich um den Schutz seines Grundstückes selbst kümmern, beispielsweise mit einem Zaun. Sei das nicht der Fall, müsse er für den Schaden selbst aufkommen. Das Grundstück der Familie Amelung liege auch noch in der Nähe der Straße und der Bahnlinie, sodass eine Bejagung überhaupt nicht erlaubt sei.

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