Kritiker sprechen von Flächenfraß

Neues Baugebiet: Die Grünen kritisieren Pläne für Gudensberg-Süd

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Sind gegen die Planungen des Baugebiets Gudensberg-Süd: Petra Gottwald, Fraktionsvorsitzende der Grünen, Erika Koch und die Grüne Bundestagsabgeordnete Dr. Bettina Hoffmann. 

Kritik an den Plänen für das neue Baugebiet Gudensberg-Süd gibt es von den Grünen. Sie sprechen unter anderem von unnötiger Flächenversiegelung.

Fahrradfahrer, Jogger, Spaziergänger: Wer auf den Feldwegen auf dem Lerchsfeld in Gudensberg unterwegs ist, merkt schnell, dass die Wege rund um die Felder in der Nähe des Freibades für viele Menschen ein wichtiges Erholungsgebiet sind. Und das soll nun zerstört werden. Zumindest sehen das die Grünen so. „Auf dem Lerchsfeld“ soll zum neuen Baugebiet Gudensberg-Süd werden. Die Fraktion der Grünen macht sich, mit Unterstützung der Bundestagsabgeordneten Dr. Bettina Hoffmann, stark dafür, dass es nicht soweit kommt.

Im ersten Bauabschnitt sollen etwa 30 Bauplätze auf 7,4 Hektar auf den derzeit landwirtschaftlich genutzten Flächen entstehen. Die Pläne dafür wird die Stadt am Montag in einer Bürgerversammlung vorstellen – wegen der Coronakrise findet diese ab 19 Uhr als Livestream im Internet statt. Während die Stadt hofft, auf diesem Weg so viele Menschen wie möglich zu erreichen, kritisieren die Grünen, diese Form der Kommunikation. „Es werden viele Menschen ausgeschlossen“, sagt Fraktionsvorsitzende Petra Gottwald. Sie wirft der Stadt zudem vor, die Bürger nicht ausreichend über die Planung zu informieren.

„Bei der ganzen Umsetzung des Bauvorhabens – auf 16 Hektar sollen langfristig insgesamt 239 Bauplätze entstehen – wären die Ortschaften Gudensberg, Obervorschütz und Maden eine komplett zusammenhängende, bebaute Ortschaft. Und das ohne Freiflächen“, sagt Gottwald. Dadurch ginge nicht nur der eigenständige Charakter der Stadtteile verloren, es verringere sich auch der Luftmassenaustausch zwischen den Ortschaften erheblich, so die Prognose der Grünen. Und diese Luftveränderung könne dafür sorgen, dass sich in dem Baugebiet – aber auch in den anliegenden Wohngebieten und westlich von Maden, Steinzeitsiedlung und Baumviertel – insbesondere im Sommer ein Gefühl der „stehenden warmen Luft“ entwickele.

Hinzu komme, dass die Grünflächen unwiederbringlich und mit ihnen die Artenvielfalt – die Talsenke grenzt an ein Biotop – verloren ginge, befürchten die Grünen. Das Biotop sei zwar nicht Teil des Baugebiets, aber Schäden seien zu befürchten. „Dort gibt es eine Rebhuhnkolonie und es findet Wildwechsel statt. Damit wäre es dann vorbei. Das ist ein Drama“, sagt Gottwald. Besonders fatal sei das Vorhaben auch mit Blick auf den Ausbau und die Nutzungsänderungen für den Golfplatz Gudensberg, den Neubau der Produktionsstätte Mander und der Logistikhallen von Rudolph Logistik. Dadurch seien große, wichtige Flächen für den Wildwechsel zerstört worden.

Klima- und Artenschutz sowie der Erhalt der Orts-Charaktere sind nicht die einzigen Argumente, die die Grünen vorbringen. Hoffmann und Gottwald sprechen von zusätzlichem Verkehr und davon, dass es eine unnötige Flächenversiegelung sei, für die es keinen aktuellen Anlass gebe. „In allen Ortsteilen haben wir noch Baulücken und Leerstand von mehreren Gebäuden“, betont Gottwald. Und: Alternativen seien neuen, versiegelten Bauplätzen jederzeit vorzuziehen.

Hoffmann betont, dass bei der Planung für Gudensberg-Süd nicht nachhaltig im Sinne des Umweltschutzes gehandelt werde. „Es reicht! Das ist Flächenfraß“, findet Hoffmann deutliche Worte.

Auch die Coronakrise bringe eine Entwicklung mit sich, die es zu hinterfragen gelte: Die Arbeitsmarktsituation habe sich wesentlich verändert, deshalb müsse erneut ermittelt werden, ob es überhaupt weiterhin Bauplatzwünsche von Gudensbergern gebe.

Das sagt der Gudensberger Bürgermeister Frank Börner

„Die Liste ist lang: Über 200 Bewerbungen liegen der Stadt Gudensberg von Bauinteressenten vor“, sagt Bürgermeister Frank Börner. Alle Wünsche werde man mit dem geplanten Baugebiet Gudensberg-Süd nicht erfüllen können. Denn in dem ersten Bauabschnitt würde man 30 Bauplätze schaffen.

Dabei würde man durch das neue Punktesystem bei der Vergabe Gudensberger Interessenten bevorzugen. „Vor allem auch die, die sich hier engagieren und arbeiten“, sagt Börner. Die Stadt habe sich zudem sehr wohl dafür eingesetzt, dass alle verfügbaren Baulücken in der Stadt auch bebaut werden und es gebe zudem ein Förderprogramm für Altbausanierung. 

Bei den Flächen Auf dem Lerchsfeld handele es sich um intensiv genutztes Ackerland. Durch das Baugebiet werde man nichts zerstören, sondern vielmehr das Gebiet aufwerten. Auch den Klimaschutz habe man bei der Planung im Blick und alle möglichen Umweltbeeinträchtigungen abgewogen. „Darüber gibt es ein Gutachten“, betont Börner. Und: Die Verkehrsführung sei mit Hessen Mobil abgestimmt und genehmigungsfähig. „Es wird keinen zusätzlichen Verkehr über die Anliegerstraßen geben“, so Börner.

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