Neue Straßennamen in Homberg: Erinnerung an Autobauer und Widerstandskämpfer

Nicht mehr namenlos: Neun Straßen und zwei Plätze im ehemaligen Kasernengelände in Homberg bekommen nun Namen. Foto: Brandau

Homberg. Im Gebiet des früheren Kasernengeländes in Homberg haben die Straßen jetzt Namen. Die Stadtverordneten beschlossen, sie nach Autobauern und Widerstandskämpfern zu benennen.

Straßenschilder sucht man in dem großen Gelände bisher vergeblich. Da genau dort aber Hombergs Gewerbegebiet wachsen und sich Firmen ansiedeln sollen, wurden jetzt neue Straßennamen vergeben. Die Kreisstadt hat somit insgesamt neun neue Straßennamen und zwei neue Plätze.

Die Straßen in der ehemaligen Ostpreußenkaserne wurden nach Autobauern und die in der ehemaligen Dörnbergkaserne nach Widerstandskämpfern benannt.

Außerdem gerät bei den neuen Bezeichnungen auch die militärische Vergangenheit der Orte nicht in Vergessenheit: So gibt es in der einstigen Ostpreußenkaserne künftig einen Brigadeplatz und in der Dörnbergkaserne einen Artillerieplatz.

Vorschläge gesammelt 

Die Entscheidung haben sich die Homberger Stadtverordneten nicht leicht gemacht. Eigentlich wollten sie schon in ihrer Sitzung im September Namen vergeben. Vorgesehen waren unter anderem für die Dörnbergkaserne eine Adam-von-Trott-, eine Hans-Scholl- und eine Graf-Stauffenberg-Straße. Doch wurde der Tagesordnungspunkt vertagt, um weitere Vorschläge - auch aus der Bevölkerung - zu erhalten. Zwei dieser drei Straßennamen schafften es letztlich nicht. Man entschied sich für die Namen von Hans Scholl, Friedrich Kramer und Johannes Zenker.

Widerstandskämpfer 

Vor allem mit Johannes Zenker beschäftigte sich die AG Schule ohne Rassismus der Theodor-Heuss-Schule vor einigen Wochen: „Johannes Zenker wurde am 1899 in Halle geboren. Zenker zog später mit seiner Familie nach Homberg, um als Studienrat und später als Oberstudienrat tätig zu werden“, teilt Thomas Schattner, Lehrer der THS mit.

Und weiter: Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten fand er Gleichgesinnte, die sich nicht mit dem NS-Regime arrangieren wollten. Eine davon war die spätere Kollegin Hedwig Zuschlag. Es entstand eine Freundschaft und auch ein gemeinsames Ziel, die Politik des Dritten Reiches zu kritisieren. Zenker schloss sich vielen Organisationen an, so dem Republikanischem Lehrerbund. Dort kämpfte er für eine antifaschistische Einheit der Arbeitenden und der Restbevölkerung.„Zenker ahnte noch nicht, dass dieser kühne Widerstand sein Leben durcheinanderbringen wird“, berichtet Schattner weiter.

Während der NS-Zeit leistete er weiter Widerstand. „Das hatte zur Folge, dass er in Homberg inhaftiert wurde und 1933 ins wilde Konzentrationslager - es bestand ein Wochenende im Sommer im Karlshof - nach Wabern kam. Danach landete er im Polizeigefängnis.“

Friedrich Kramer gründete vor 90 Jahren die SPD in Homberg. Er sei ein Mann gewesen, der für seine Überzeugung eintrat und als Folge Haft und Folter in der NS-Zeit erlitt, so die Homberger SPD auf ihrer Homepage. Unter anderem war er einige Wochen im Konzentrationslager Breitenau.

Auch Hans Scholl war ein Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Er wurde wegen seines Engagements in der Weißen Rose hingerichtet.

Gegen Hedwig Zuschlag 

Mit Scholl entschied man sich für einen Mann, der keine Verbindung nach Homberg hatte und zugleich gegen den Namen von Hedwig Zuschlag, später Lehrerin der THS.

In Berlin versorgte Hedwig Zuschlag untergetauchte jüdische Bürger mit Lebensmitteln einer Untergrundorganisation. Auch ihr Name zählte zu den gesammelten Vorschlägen.

Von Maja Yüce

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