Leitungswasser deckt Mineralhaushalt nicht

Nicht über den Durst trinken

Anja Sostmann

Melsungen. „Bei Hitze soll man möglichst viel Wasser trinken!” So lautet eine Regel, die jeder kennt – die sich für Sportler aber als falsch erweist. Angesichts einer neuen Hitzewelle warnt Apothekerin Anja Sostmann alle, die sich in der Wärme stark anstrengen, davor zu viel Leitungs- oder Mineralwasser zu trinken.

„Erst Anfang Juli hat es wieder einen Todesfall durch zu viel Leitungswasser gegeben”, so Sostmann. Bei einer Sportveranstaltung in Frankfurt starb ein Brite, der literweise Leitungswasser getrunken habe. „Man kennt für solche Fälle den Begriff einer Wasser-Vergiftung”, so die Pharmazeutin.

Das Problem: Leitungswasser enthält viel zu wenige lebenswichtige Mineralstoffe, vor allem zu wenig Natrium. „Durch das fehlende Natrium“, so die Apothekerin, „werden die Zellen im Körper aufgeschwemmt. Das führe zu Kopfschmerzen, Schwindel oder Erbrechen. In schweren Fällen könne das Gehirn anschwellen, und am Ende kann dann wie bei dem Sportler in Frankfurt ein Hirnödem stehen.

Eine im Juni im Clinical Journal of Sports Medicin veröffentliche Studie sei zu dem gleichen Ergebnis gekommen: Sportler sollten dann trinken, wenn sie durstig sind – nur so viel, bis der Durst gestillt sei. Das Prinzip gelte für alle Menschen.

Sostmann: „Leitungswasser enthält keine nennenswerten Mineralstoffe und ist in großen Mengen als Mineralienspender nicht gut geeignet. Besser für den Sportler sind isotonische Getränke oder Fruchtschorlen”. Auch manche „Mineralwässer” seien erstaunlich arm an den lebenswichtigen Nährstoffen.

Wer sich unsicher ist, ob sein Mineralstoffhaushalt in Ordnung ist, kann eine Haar-Mineralstoff-Analyse anfertigen lassen. Das Verfahren sei in den USA etabliert, einfach, zuverlässig und schmerzfrei, so die Pharmazeutin. (ras)

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