Abenteuer

Von Homberg nach Finnland: Auswanderin erzählt von „Gefühl von Freiheit“

Nicole Bähr kommt ursprünglich aus Homberg und lebt seit drei Jahren in Finnland in der Ortschaft Hämeenlinna. Auf dem Handy ist die Farm zu sehen.
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Nicole Bähr kommt ursprünglich aus Homberg und lebt seit drei Jahren in Finnland in der Ortschaft Hämeenlinna. Auf dem Handy ist die Farm zu sehen.

„Ursprünglich wollte ich mir nur eine Auszeit von der Arbeit nehmen“, sagt die Frau aus Homberg. Was als Auszeit gedacht war, wurde dann zu einer Auswanderung.

Homberg – Nicole Bähr ist vor drei Jahren vom nordhessischen Homberg nach Finnland gezogen. Dort lebt sie in der Ortschaft Hämeenlinna, ganz im Süden des Landes und arbeitet auf einer Farm. Um die 2000 Kilometer trennen sie nun schon seit ein paar Jahren von ihrer Heimat.

Vor ihrer Zeit im Land der Rentiere und Saunen hat die Hombergerin in einem Steuerbüro in der Kreisstadt gearbeitet. „Doch der Beruf hat mich nie ganz erfüllt“, sagt sie. In ihr reifte der Wunsch nach Work and Travel (Arbeiten und Reisen). „Auf einer Internetseite bin ich dann auf verschiedene Farmen aufmerksam geworden“, erzählt sie.

Vor Auswanderung: Frau aus Homberg reist vier Monate durch Finnland, Schottland und Norwegen

Und dann ging es auch schon los: Vier Monate reiste Bähr durch Finnland, Schottland und Norwegen. „In Finnland auf der Farm habe ich mich von Anfang an wohlgefühlt.“ Bähr machte anschließend noch zwei weitere Male Urlaub dort, bis die Betreiber der Farm ihr einen Job anboten. „Mein erster Gedanke war: Ja, das mache ich auf jeden Fall“, erzählt sie. Ihre Eltern seien zunächst skeptisch gewesen, hätten ihr geraten abzuwarten, die Entscheidung in Ruhe zu überdenken, die Ereignisse sacken zu lassen.

Doch das kam für die 33-Jährige nicht in Frage. „Ich habe ja immer die Möglichkeit, nach Deutschland zurückzukommen“, sagt sie zu ihrem Entschluss, Deutschland zu verlassen.

Auswanderung von Homberg nach Hämeenlinna in Finnland

Für Nicole Bähr hat sich die Auswanderung nach Hämeenlinna, das knapp 100 Kilometer nördlich von der finnischen Hauptstadt Helsinki liegt, gelohnt. Seither kümmert sie sich statt um viele, viele Zahlen um insgesamt 200 Schafe und 70 Hochlandrinder, die auf der Farm leben. „Mich haben Tiere einfach schon immer interessiert.“

Eine kleine Sicherheit baute sich Nicole Bähr dann aber doch in ihr kleines Abenteuer ein: Zwei bis drei Jahre habe sie zunächst auf der finnischen Farm leben wollen. Das war ihr Plan. Diese Zeit ist inzwischen verstrichen. Für sie steht fest: „Ich werde weiterhin auf der Farm bleiben.“ Es sei die beste Entscheidung gewesen, nach Finnland zu gehen.

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Nach Auswanderung nach Finnland: Hombergerin hält den Kontakt zur Heimat

Der Unterschied zwischen Homberg und Hämeelinna: „Man hat in Finnland so viel Natur und Land um sich herum – das ist für mich ein Gefühl von Freiheit“, sagt sie. Die Hombergerin hat sich dort oben ein neues zu Hause aufgebaut. Durch die Familie, die die Farm betreibt, hat sie schnell Kontakte knüpfen können und Freunde gefunden. „Im Sommer gehen wir gerne an den See oder in die Sauna – das ist typisch für Finnland“, sagt sie und lacht. Auf der Farm spricht sie hauptsächlich Englisch. Am Finnischen versucht sie sich noch. „Es ist eine schwere Sprache, aber es macht sehr viel Spaß.“

Der Kontakt zu ihrer Familie in Homberg reißt trotz der großen Entfernung zwischen Nordhessen und Finnland nicht ab. „Wir telefonieren oft und meine Schwester hat mich schon mal besucht“, erzählt Bähr. Und auch sie fliegt regelmäßig zu ihren Eltern nach Nordhessen. Wegen der Corona-Pandemie waren Besuche in diesem Jahr lange nicht möglich.

Doch die Weihnachtszeit konnte die 33-Jährige in ihrer alten Heimat bei ihrer Familie verbringen, bis es nun wieder zurück nach Finnland geht. Dorthin, wo sich Nicole Bähr so richtig wohlfühlt. Eine Rückkehr nach Homberg schließt sie in der Zukunft zwar nicht aus, „aber fürs Erste bleibe ich noch eine Weile auf der Farm.“ (Lea Beckmann)

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