Vom Leiter zum Lenker

Erich Sommer aus Niedenstein fährt mit 82 Jahren Kinder im Bus zur Schule

Hinter dem Buslenkrad fühlt der 82-Jährige sich sicher: Erich Sommer aus Niedenstein fährt als Aushilfsfahrer Schulbusse.
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Hinter dem Buslenkrad fühlt der 82-Jährige sich sicher: Erich Sommer aus Niedenstein fährt als Aushilfsfahrer Schulbusse.

Erich Sommer aus Niedenstein ist 82 Jahre alt und eigentlich seit 16 Jahren im Ruhestand. Doch den verbringt er nicht, wie man das von einem Rentner vielleicht erwarten würde.

Niedenstein – Sommer ist Schulbusfahrer für den Reisedienst Bonte in Niedenstein. „Seit zwölf Jahren bin ich als Aushilfsfahrer unterwegs und es macht mir immer noch sehr viel Spaß“, sagt Sommer.

21 Jahre lang war der 82-jährige Schulleiter an der Louise-Schröder-Schule in Niedenstein. Warum genießt er dann nicht nach so langer Zeit als Direktor seinen Ruhestand? „Ich bin alleine zu Hause, da meine Frau vor zwölf Jahren gestorben ist, und wenn ich nichts mache, dann fällt mir die Decke auf den Kopf“, sagt Sommer. Er könne nicht nur da sitzen und Däumchen drehen. Busfahren sei eine sinnvolle Beschäftigung. „Es fordert einen, weil man aufpassen muss – ich habe eine Verantwortung“, sagt er. Viele würden vielleicht denken, dass Erich Sommer zu alt wäre, um Kinder zur Schule zu fahren, aber „ich fühle mich sicher und sobald ich merken würde, dass es nicht mehr vernünftig wäre, Bus zu fahren, würde ich sofort aufhören.“

Dass Erich Sommer noch mehr als fit für das Busfahren ist, hat ihm vor kurzem auch der Arzt bestätigt. Alle fünf Jahre muss er seinen Busführerschein erneuern. Dazu gehört unter anderem ein Seh- und Hörtest, ein Reaktionstest und die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU).

„Der Arzt meinte zu mir, dass man mich nach den Tests auch noch für 50 Jahre halten könnte“, sagt er und lacht. Das freue ihn natürlich, denn alt fühlt sich Sommer, der in der letzten Legislaturperiode auch noch Stadtverordnetenvorsteher im Niedensteiner Parlament war und dort jetzt als Stadtverordneter mitarbeitet, überhaupt nicht.

Mit 66 Jahren das erste Mal einen Marathon gelaufen

Auch bei den Schulkindern hat er schon Eindruck hinterlassen. „Wenn der Alte fährt, muss man grüßen, sagen die Kinder über mich“, erzählt der 82-Jährige. Er grüße jedes Kind, das bei ihm in den Bus einsteigt. „Ich finde so etwas wichtig.“

Vor rund acht Jahren ist Sommer auch noch als Vertretungslehrer an seiner damaligen Schule im Einsatz gewesen. Er habe die Kinder also erst mit dem Bus in die Schule gebracht, dann unterrichtet und anschließend wieder nach Hause gefahren. „Die Kinder haben dann ihren Eltern erzählt, dass der Busfahrer sie heute unterrichtet hat.“

In seinem Ruhestand hat Erich Sommer aber nicht nur das Busfahren gelernt. „Ich habe auch Tuba-Unterricht genommen und spiele heute noch.“

Zudem ist er mit 66 Jahren das erste Mal einen Marathon in Berlin gelaufen. „Ich jogge immer noch, zwar muss ich zwischendurch auch mal gehen, aber es klappt trotzdem“, sagt er.

Neben dem Joggen fährt Erich Sommer gerne Fahrrad. „Ich habe sogar schon meine Kinder an der Nordsee und am Bodensee mit dem Fahrrad besucht.“ Sommer hat insgesamt drei Kinder und fünf Enkelkinder.

Erich Sommer ist dankbar, dass es ihm gesundheitlich immer noch so gut geht. In fünf Jahren wird er seinen Busführerschein wohl trotzdem nicht mehr erneuern. „Irgendwann ist es dann auch mal Zeit aufzuhören“, sagt der 82-Jährige. (Lea Beckmann)

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