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Gespräche am Gartenzaun: In Wichdorf zählt das Engagement

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Von: Cora Zinn

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Sie beleben das Dorf: Bei den Landfrauen aus Wichdorf ist immer etwas los. Sie heften regelmäßig neue Rezepte, Ideen, Tipps zur Nachhaltigkeit und zum Kochen an die Puppe in der Mitte und stellen diese dann im Edeka auf.
Sie beleben das Dorf: Bei den Landfrauen aus Wichdorf ist immer etwas los. Sie heften regelmäßig neue Rezepte, Ideen, Tipps zur Nachhaltigkeit und zum Kochen an die Puppe in der Mitte und stellen diese dann im Edeka auf. © Cora Zinn

Jeder Ort im Kreisteil hat etwas zu bieten. Ob jahrhundertealte Geschichte, lustige Anekdoten oder eindrucksvolle Vereine. Für unsere „Gespräche am Gartenzaun“ waren wir in Wichdorf unterwegs.

Wichdorf – Der Niedensteiner Stadtteil Wichdorf lebt von den Vereinen, vom Mix aus Jung und Alt und vom Zusammenhalt. Taktführer ist Andreas Hans, der 2021 zum Ortsvorsteher gewählt wurde. „Eine wahnsinnig spannende Aufgabe für mich“, sagt er und lädt zur Dorfführung in den 1300-Seelen-Stadtteil ein.

Außer Hans warten 20 Wichdorfer, die auf die Führung durch den Stadtteil vorbereitet sind. Treffpunkt ist das Bürgerhaus in Wichdorf, das sich neben dem alten Feuerwehrhaus befindet.

Der erste Weg führt hoch ins Dachgeschoss des Bürgerhauses, weil in diesen Räumen der Heimat- und Geschichtsverein aus Wichdorf zuhause ist.

Gespräche am Gartenzaun in Wichdorf: Geschichtsverein

Im Dachgeschoss gibt es einiges zu sehen: Der Geschichts- und Heimatverein wurde 1993 gegründet. „Wir zeigen hier oben, wie unsere Eltern und Großeltern damals gelebt und gearbeitet haben“, sagt Vorsitzender Reinhard Müller. Das geht von einer langen Tafel, über ein kleines Bett bis hin zu Werkräumen mit alten Maschinen. Im Juni 2007 ist das Wichdorfer Heimatmuseum in das Bürgerhaus eingezogen.

Sitzen an einem traditionsreichen Platz: von links Werner Ring, Reinhard Müller, Wichdorfs Ortsvorsteher Andreas Hans und Klaus Rosenberg. Alle außer Hans gehören dem Heimat- und Geschichtsverein Wichdorf an, der seine Räume im Dachgeschoss des Bürgerhauses hat.
Sitzen an einem traditionsreichen Platz: von links Werner Ring, Reinhard Müller, Wichdorfs Ortsvorsteher Andreas Hans und Klaus Rosenberg. Alle außer Hans gehören dem Heimat- und Geschichtsverein Wichdorf an, der seine Räume im Dachgeschoss des Bürgerhauses hat. © Cora Zinn

Neben der Wohnung mit alten, antiken Möbeln werden Ausschnitte aus der Schusterei, Bäckerei und Schreinerei ausgestellt. „Die Exponate stammen ausschließlich von Wichdorfern“, sagt Müller. Im Prinzip seien es alles Stücke für die Ewigkeit: „Wir bewahren die Antiquitäten von Dachböden oder Kellern, bevor sie weggeworfen werden“, so Müller.

„Wir hätten nichts gegen frischen Wind.“ Wie die Ausstellungsstücke kämen auch die Vereinsmitglieder in die Jahre.

Gespräche am Gartenzaun in Wichdorf: Landfrauen

Kaum bei den Landfrauen angekommen, stehen Häppchen und Getränke bereit. „Das ist unsere Aufgabe, alle glücklich zu machen“, sagt Gerlinde Krönert. Die Vorsitzende ist stolz auf ihre Truppe. Der Landfrauenverein Wichdorf wurde 1955 gegründet und besteht heute nicht nur aus Frauen, die in der Landwirtschaft tätig sind, sondern aus allen Berufs- und Gesellschaftsschichten. „Dieser Zusammenschluss der Frauen auf dem Land beinhaltet schon lang nicht mehr die sogenannte ‘Spinnstube’“, so Krönert. Es sei vielmehr der Erfahrungsaustausch des alltäglichen Lebens und das Mitwirken am örtlichen Gemeinwesen.

Die Landfrauen unternehmen viel: Radausflüge, gemeinsame Abende oder das Erstellen von Rezepten, die sie dann mit ihrer Landfrauen-Puppe im Edeka in Niedenstein ausstellen. „Die Puppe ist unsere Stellvertreterin“, sagt Krönert.

Gespräche am Gartenzaun in Wichdorf: Skatclub Chatten

Seit 44 Jahren gibt es den Skatclub Chatten in Wichdorf. „Zur besten Zeit waren wir 36 aktive Spieler“, sagt Andreas Wöll. Das sei nun längst nicht mehr der Fall. Dennoch treffen sich vor allem Wöll, Dieter Uthof, Vorsitzender Hans-Werner Pfennig und Erwin Sonnenschein freitags um 18 Uhr zu einer Runde Skat in den unteren Räumen des Bürgerhauses.

Reizende Männer: Andreas Wöll (von links), Dieter Uthof, Hans-Werner Pfennig (Vorsitzender) und Erwin Sonnenschein sitzen freitags im Skatclub Niedenstein-Wichdorf zusammen.
Reizende Männer: Andreas Wöll (von links), Dieter Uthof, Hans-Werner Pfennig (Vorsitzender) und Erwin Sonnenschein sitzen freitags im Skatclub Niedenstein-Wichdorf zusammen. © Cora Zinn

„2001 haben wir in der 2. Bundesliga gespielt“, berichtet Pfennig. Das seien aufregende Zeiten gewesen. Schon allein die Auswärtsfahrten waren mit viel Aufwand verbunden. „Es hat eine Menge Spaß gemacht“, sagt Sonnenschein. Jetzt ginge es allen nach wie vor um Spaß, die Karten würden nie fliegen. „Bei uns ist alles entspannt. Warum sollten wir uns auch aufregen?“, fragt Wöll und lächelt.

Gespräche am Gartenzaun in Wichdorf: Altkirmesburschen

„Hier zählt die Kameradschaft“, sagt Ehrenpräsident Hartmut Beller von den Altkirmesburschen Wichdorf. Sie gründeten sich 1984 – auf Initiative von Beller. Die Grundidee der Altkirmesburschen bestehe darin, sich im gestandenen Alter zu treffen, um gemeinsam auf Vergangenes zurückzublicken. So werde die Kameradschaft erhalten. Für die Altkirmesburschen ist es eine Tradition, gemeinsam auf den Frühschoppen der Wichdorfer Kirmes zu gehen. Diese findet in diesem Jahr vom 25. bis 28. August statt. „Da freuen wir uns drauf“, sagt Beller.

Und: Die Altkirmesburschen pflegen den Dorfplatz mitten in Wichdorf. Der Platz wurde mit Aufstellen des Zunftbaumes 1995 eingeweiht. Seitdem kümmern sich die Altkirmesburschen um die Erhaltung. Dazu gehören die Schilder rund um den Platz und die Pflege. Der Zunftbaum wurde 2006 erneuert. „Er hängt 20 Meter hoch und leuchtet im Winter“, sagt Beller.

„Es handelt sich keineswegs um einen geschlossenen Verein für ehemalige Kirmesburschen. Jeder ist willkommen.“

Gespräche am Gartenzaun in Wichdorf: Ortsvorsteher

Die Anbindung der Bewohner des Neubaugebietes an den alten Ortskern hat sich Andreas Hans ganz oben auf die Liste geschrieben: „Das ist mein größtes Anliegen.“ Dafür hatte er ein Willkommensfest Mitte Juni in der Gerhart-Hauptmann-Straße organisiert. „Das war ein voller Erfolg“, sagt Hans.

Die Stadt Niedenstein ist in den vergangenen Jahren gewachsen, die meisten Neubauten stehen in Wichdorf. „Auf dem Fest trafen sich Alteingesessene und Neuzugezogene“, sagt Hans. Da hätte man den gesunden Mix aus Jung und Alt gespürt.

Die Kinder tollten auf einer Hüpfburg mit Giraffenhals umher, das Kirmesteam Wichdorf hat für die Verpflegung gesorgt und auch ein Toilettenwagen stand in der Straße. (Cora Zinn)

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