80.000 Larven kommen aus den USA

Aus Schweinezucht wurde Hessens einzige Garnelenfarm

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Winzig klein und im Reagenzglas kaum zu sehen: Lediglich wenige Millimeter misst die Garnelenlarve zurzeit noch, die Jungunternehmer Sven Damm aus einem der Aufzuchtbecken in seiner Halle gefischt hat.

Jungunternehmer Sven Damm hat aus der Schweinezucht seiner Familie in Niedenstein eine Garnelenzucht gemacht. Sein Ziel: Elf Tonnen an Tiger-Garnelen züchten in nur fünf Monaten. 

Was einmal zu elf Tonnen Tigergarnelen heranwachsen soll, passte in sieben Umzugskartons. 80.000 Garnelenlarven haben nun nach ihrer langen Reise aus Florida in der Zuchtanlage von Sven Damm in Niedenstein ein neues Zuhause gefunden. Fünf Jahre nachdem die Idee einer Garnelenzucht entstand, fiel damit der Startschuss für den einzigen Betrieb in Hessen.

Jungunternehmer Sven Damm setzt bei seinen Tigergarnelen auf Qualität. Den ersten Gesundheitscheck bekamen die Larven bereits nach der Landung am Frankfurter Flughafen. „Ein Tierarzt hat sichergestellt, dass sie leben, gesund und vital sind“, sagt der 27-Jährige. Er stieg nach dem Studium in den landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern ein. Was früher eine Schweinezucht war, wurde zu einer Aquakultur. „Ich wollte etwas machen, was nicht jeder macht“, sagt Damm, der mit den Garnelen eine Marktnische entdeckt hatte.

So sehen die Zuchttiere aus: In Bayern werden diese Garnelen der Sorte „White Tiger“ gezüchtet.

Die Nachfrage für die Krustentiere wachse in Deutschland. Bis zu 55.000 Tonnen Garnelen würden im Jahr verzehrt. Die meisten Tiere werden aus Asien exportiert, sagt Damm. Seine Garnelen werden für Kunden etwas teurer als die importierten Tiere. Dafür kommen sie völlig ohne Medikamente wie Antibiotika aus, da typische Krankheiten wie das für Garnelen tödliche White Spot Virus bei der Zucht in Deutschland nicht vorkomme.

Eine Herausforderung dagegen waren die kühleren Temperaturen in Nordhessen. Damms Lösung: Die Warmwassergarnelen werden in riesigen Becken gezüchtet, in denen eine – für die Tiere – Wohlfühltemperatur von 28 Grad herrscht. Die dafür benötigte Wärmeenergie kommt von der Biogasanlage direkt nebenan, an der die Familie beteiligt ist.

Dieser Beitrag stammt von der Video-Plattform Glomex und wurde nicht von HNA.de erstellt.

1,5 Millionen Euro teure Zuchtanlage

Mit 1,5 Millionen Euro Kosten musste der Unternehmer mehr in die Anlage investieren als zunächst geplant. Denn neben dem Bau der Halle wurde auch eine hauseigene Fotovoltaik-Anlage für den Zuchtbetrieb geschaffen. „Wir produzieren mehr Strom, als wir verbrauchen“, so Damm.

In der neuen Produktionshalle gibt es elf riesige Zuchtbecken. Die 80 000 Garnelenlarven kommen zur Eingewöhnung zunächst in Becken aus Kunststoff. „Dort werden sie langsam an den Unterschied zu den Lebensbedingungen in den USA gewöhnt.“ Damms Aufgabe dabei: Penibel auf den Salzgehalt des Wassers und die richtige Temperatur achten. In Zukunft sollen diese Kontrollen in einem eigenen Labor möglich sein.

Die Aufzuchtbecken in Sven Damms Anlage fassen bis zu 100.000 Liter Salzwasser. Mit einem Fangnetz können Garnelen später rausgefischt werden. 

Schon nach drei Wochen Eingewöhnungszeit ziehen die Garnelenlarven dann in ebenfalls geräumige Betonbecken um, die mit bis zu 100.000 Liter Salzwasser gefüllt werden. Dort wachsen sie zu einer Größe von bis zu zehn Zentimetern heran, ehe sie verkauft werden können. Fünf Monate brauchen sie dafür. Für den Garnelenzüchter beginnt nun die heiße Phase. Denn bis die Garnelen ausgewachsen sind, soll der Betrieb fertig aufgebaut sein und der Verkauf im Online-Shop und Hofladen vor Ort vorbereitet werden.

Leader-Region fördert Projekt 

Unterstützung bekommt der Jungunternehmer Sven Damm von der Leader-Region Casseler Bergland, zu der Niedenstein gehört. Erfolgversprechende Projekte zur Regionalentwicklung werden bis 2020 mit 1,96 Mio. Euro gefördert. Regionalmanager Marco Lingemann nennt die Aquakultur ein „Paradebeispiel für Innovationen der heimischen Landwirtschaft“. 

Das Produkt – die Warmwassergarnele – hebe sich in der Qualität als auch aufgrund kurzer Transportwege und rückstandsfreier Produktion von der üblichen Importware ab, heißt es weiter. Marketing solle das Produkt bewerben. Die Leader-Region fördert das Projekt mit 45000 Euro.

Zum Thema: Wissenschaftler wollen Garnelen möglichst vegan ernähren

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