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Jungen zünden Feuerwerk im Wald - Spaziergänger verhindert Schlimmeres

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Von: Cora Zinn

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Dieses Feuerwerk haben die Jungen Am Goddelbusch trotz Trockenheit gezündet. Zuvor haben sie es im Tedi in Niedenstein gekauft.
Dieses Feuerwerk haben die Jungen Am Goddelbusch trotz Trockenheit gezündet. Zuvor haben sie es im Tedi in Niedenstein gekauft. © Christian Klann

Zwei Jungen zünden im Schwalm-Eder-Kreis trotz Waldbrandgefahr Feuerwerkskörper. Ein Spaziergänger macht die beiden 11- und 12-Jährigen auf die Gefahr aufmerksam.

Niedenstein – Christian Klann hat das entdeckt, als er mit dem Hund seiner Eltern dort spazieren war. Er sprach die Jungen daraufhin an und erfuhr so, dass sie das Feuerwerk zuvor im nahe gelegenen Geschäft Tedi gekauft hätten – mitten im Hochsommer und im Dürre-Jahr.

Klann, der in Kassel wohnt, zum Zeitpunkt des Vorfalls aber seine Eltern in Niedenstein besucht hatte, wandte sich an die HNA, um alle Menschen zu sensibilisieren: „Das kann doch nicht sein“, sagt Klann. Der 32-Jährige sah von Weitem, wie es qualmte. Er machte sich auf den Weg, um die zwei Jungen anzusprechen. „Zuerst dachte ich, sie würden weglaufen, aber dem war nicht so“, sagt Klann. Er habe sie angesprochen und gefragt, wo man denn im Hochsommer Feuerwerk kaufen könne.

Schwalm-Eder-Kreis: Jugendliche zünden Feuerwerkskörper in Niedenstein

Die zwei Jungen erzählten ihm, dass sie es im Geschäft Tedi gekauft hätten – nicht weit weg von Am Goddelbusch, wo sie es dann zündeten. „Da hätte sonst etwas passieren können. Gerade, weil unsere Wälder doch so trocken sind“, sagt der 32-Jährige. Klann, der in Niedenstein aufgewachsen ist, ließ der Vorfall nicht los. Er ist der Situation nachgegangen: „Ich habe Fotos gemacht, alles festgehalten und war im Tedi.“ Dort sei die Teamleiterin sehr erschrocken gewesen, dass die Jungen zuvor bei ihr im Laden Feuerwerk gekauft hätten.

Es hätte ganz schnell anfangen können zu brennen.

Christian Klann

Dennoch gebe es ein Gesetz, dass Feuerwerke der Kategorie F1 ganzjährig erworben werden dürfen. Die Altersbeschränkung liegt bei über 12 Jahren. „Einer der beiden Jungen ist 12 Jahre alt“, so Klann. Zu den Feuerwerksartikeln der Kategorie 1 gehören beispielsweise Knallerbsen, Partyknaller, Bodenwirbel, Wunderkerzen, Tischfeuer oder Eisfontänen. Auch nur solche Artikel gebe es im Tedi zu kaufen, versicherte die Teamleiterin.

Sogar die Sitzbank Am Goddelbusch in Niedenstein wurde beschädigt.
Sogar die Sitzbank Am Goddelbusch in Niedenstein wurde beschädigt. © Christian Klann

Feuerwerk in Niedenstein (Schwalm-Eder-Kreis): Feuerwehr warnt vor Brandgefahr

Auch Bürgermeister Frank Grunewald zeigte sich besorgt, als er vom Vorfall Am Goddelbusch hörte. „Unsere Feuerwehr bietet bereits bei der Ganztagsschulbetreuung in der Grundschule eine AG ‘Feuerwehr für Grundschüler’ an, um einen ersten Einblick in die Gefahrenvielfalt zu vermitteln und die Kinder für die Kinderfeuerwehr zu begeistern“, sagt er und macht deutlich, wie wichtig die Feuerwehrarbeit schon im Kindesalter ist. Außerdem informiere die Niedensteiner Feuerwehr und die Stadt regelmäßig über die Brandgefahren sowie die Brandereignisse und appelliere so an die Mitbürger.

„Es hätte ganz schnell anfangen können zu brennen“, sagt Klann, der auch Wochen danach noch schockiert ist. „Im Tedi kann man alles kaufen. Vielleicht sollte man dort auch besser auf Altersprüfungen achten“, so Klann. Die letzte Möglichkeit sei, dass man das Feuerwerk ganz aus dem Sortiment nehmen könnte, da habe man aber keinen Einfluss drauf. „Vorher muss immer erst etwas passieren“, sagt Klann. Dass da Schlimmeres hätte passieren können, weiß auch Niedensteins Stadtbrandinspektor Jan Hohmann. „Jegliche Art von Zündquelle im Wald ist absolut tödlich“, sagt er. Er weist noch mal daraufhin, dass ein Zigarettenstummel ausreiche, um einen Waldbrand auszulösen.

Überbleibsel liegen am Feldweg Am Goddelbusch in Niedenstein. Die elf- und zwölfjährigen Jungen haben trotz Trockenheit Feuerwerk gezündet.
Überbleibsel liegen am Feldweg Am Goddelbusch in Niedenstein. Die elf- und zwölfjährigen Jungen haben trotz Trockenheit Feuerwerk gezündet. © Cora Zinn

Schwalm-Eder-Kreis: „Wir alle sind gefordert, um Brandkatastrophen vorzubeugen“

Hohmann sieht die Eltern in der Verantwortung, ihren Kindern mitzugeben, dass man solche Aktionen vor allem im Wald unterlassen sollte. „Wenn der Wald ein Mal brennt, bleibt der Schaden über Jahrzehnte“, sagt Hohmann und will damit alle Menschen sensibilisieren.

Auch die Niedensteinerin Dr. Bettina Hoffmann, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz, war schockiert, als sie von dem Vorfall aus ihrem Heimatort erfuhr. „Hitze und Dürre haben in den letzten Jahren massiv zugenommen. Das spüren wir auch hier vor Ort. Wenn die Felder und Wälder trocken sind, steigt die Gefahr für große Brände. Diese Gefahr müssen wir uns immer wieder bewusst machen“, sagt sie.

Das hieße auch, sich an wichtige Verhaltensregeln zu halten: Im trockenen Gelände nicht rauchen oder Zigarettenkippen wegwerfen, kein offenes Feuer in der Natur zünden. „Wir alle sind gefordert, um Brandkatastrophen vorzubeugen“, so Hoffmann. (Cora Zinn)

Beinah täglich kam es in diesem Sommer im Schwalm-Eder-Kreis zu Vegetationsbränden. Bei der Bekämpfung der Waldbrände muss die Feuerwehr in Sachen Einsatztaktik, Technik und Schutzbekleidung auf ganz spezielle Dinge achten.

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