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Mit Schild und Schwert zum Fest: Robert Knieling ist mit „Chatti Hassi“ bei Kirchberger Jahrfeier dabei

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Von: Cora Zinn

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Auf dem Foto ist Robert Knieling aus Kirchberg zu sehen.
Er stellt maßstabsgetreu einen chattischen Krieger aus dem achten Jahrhundert nach: Robert Knieling aus Kirchberg eröffnet Samstag und Sonntag mit dem Verein „Chatti Hassi“ ein Chatten-Lager unterhalb der Kirche. © Cora Zinn

Der Niedensteiner Stadtteil Kirchberg feiert ab heute 1000-Jahrfeier. Robert Knieling schlägt ein Chatten-Lager an der Kirche auf.

Kirchberg – Robert Knieling ist zwei Meter groß, trägt lange, schwarze Haare und hat die Statur eines Kriegers aus einem Historienfilm. „Passt doch“, sagt er locker, denn er gehört dem Mittelalter-Verein „Chatti Hassi“ aus Kirchberg an. Zusammen mit drei Freunden baut er Samstag und Sonntag ein Chatten-Lager unterhalb der Kirchberger Kirche auf. Besucher können das Lager innerhalb der 1000-Jahrfeier des Dorfes begutachten.

Doch wenn der Niedensteiner Stadtteil heute 1000 Jahre feiert, wie kann es dann sein, dass Knieling vom achten Jahrhundert spricht? „Das hat mit der ersten Erwähnung im Jahrbuch, in einem offiziellen historischen Dokument, zu tun“, sagt Sebastian Pfaar vom Festkomitee. Historiker streiten sich wohl bis heute, seit wann es den Ort Kirchberg gibt.

Robert Knieling ist schon immer ein leidenschaftlicher Fan des Mittelalters

Knieling bezieht sich auf reiche Grabbeigaben der Merowingerzeit (etwa 700 bis 750 nach Christus), die bei archäologischen Ausgrabungen an der Kirche in Kirchberg entdeckt worden wären.

Knielings Leidenschaft ist das Mittelalter und so kam die Idee des Vereins „Chatti Hassi“. „Die Besucher können uns Fragen zu unserer Kleidung, zum achten Jahrhundert oder ganz allgemein zu unserem Hobby stellen“, sagt er.

Als der Kirchberger neulich das Kaiserfest in Fritzlar besuchte, war er beeindruckt, dass er dort auf seine Montur angesprochen wurde. Viele wussten, aus welcher Zeitepoche es stammt. „Sie haben spontan geraten und lagen richtig“, sagt er.

In der Schulzeit hat Robert Knieling schon sehr gern historische Romane gelesen

Seine Begeisterung für Geschichte, chattische Krieger und das achte Jahrhundert entwickelte sich schon in der Kindheit. „Als ich kleiner war, war ich auf einer Jahrfeier, auf der über Funde und Ausgrabungen gesprochen wurde“, so Knieling. Außerdem habe er bereits in der Schule am liebsten historische Romane gelesen.

Der 38-Jährige befasste sich nach und nach mit den Ausgrabungen der Kirchberger Kirche. Der Archäologe Klaus Sippel hielt diese in mehreren Büchern fest. Die Originalfunde aus Kirchberg sind im Hessischen Landesmuseum in Kassel ausgestellt. „Die Gräber mit den reichsten Grabbeigaben stammen aus dem achten Jahrhundert nach Christus“, sagt Knieling. Im neunten Jahrhundert wurde über dem Gräberfeld die erste hölzerne Kirche errichtet. Die heutige Kirchberger Kirche aus Stein wurde im 13. Jahrhundert erbaut. Zu einem chattischen Krieger gehört natürlich auch eine adäquate Ausrüstung. Über die Jahre hat sich Knieling eine maßstabsgetreue Rekonstruktion der Funde anfertigen lassen. Dazu gehören unter anderem zwei Gürtel und Messer. Diese gehören zur handgefertigten Kleidung, Schild und Speer dazu und ergeben so das Abbild eines chattischen Kriegers aus dem achten Jahrhundert nach Christus, erklärt er. „Das Schild habe ich selbst angefertigt. Basteln, handwerkern und malen lagen mir schon immer“, sagt Knieling.

Robert Knieling aus Kirchberg muss sich Zeit nehmen, seine Ausrüstung anzulegen

Zu kaufen gibt es im Chatten-Lager am Wochenende nichts. „Wir legen unser Gewand an, zeigen den Besuchern alles, erklären ihnen gern die wichtigsten Details, aber zu verkaufen haben wir nichts“, so der 38-Jährige.

Aber so ein chattischer Krieger hat es gar nicht so leicht: „Es ist ein Akt, das Gewand anzulegen“, sagt Knieling und lacht. Man müsse eine halbe Stunde einplanen, bis alles richtig gewickelt sei und übereinander passe. Auch die Frage, was man zuerst anziehe, stelle er sich manchmal noch. „Obwohl ich schon ein erfahrener Krieger bin“, sagt Knieling.

Doch er hat sich fest vorgenommen, morgen genügend Zeitpuffer fürs Anziehen einzuplanen, dass er es ja pünktlich zum Fest schafft. (Cora Zinn)

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