Wahlkreis Schwalm-Eder-Nord

Leben auf dem Land: Grünen-Kandidat Jörg Warlich will Mobilität verbessern

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Ein Klassiker aus der Parteigeschichte: Für Jörg Warlich gehört das Plakat mit der Kinderzeichnung und dem Slogan „Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt“ aus den 80er-Jahren zu seinen Lieblingsmotiven. An der Feststellung habe sich bis heute nichts geändert.

Der Niedensteiner Jörg Warlich tritt bei der Landtagswahl am 28. Oktober für die Grünen im Wahlkreis 7 (Schwalm-Eder Nord) an. Wir stellen ihn vor.

An der Bushaltestelle am Rathaus in Gudensberg ist eigentlich immer was los, denn der 500er-Bus hält dort. Der einzige Doppeldecker, der für den Nordhessischen Verkehrsverbund unterwegs ist. Stündlich. Und gut frequentiert.

Für Jörg Warlich, mit seinen 58 Jahren und einer inzwischen 40-jährigen Geschichte als engagierter Grüner, ist das der Beweis: Wo es gute Anbindungen gibt, wird der öffentliche Nahverkehr auch gut genutzt. Die mangelhafte Mobilität auf dem Lande, dort, wo er wohnt und arbeitet, die gelte es zu verbessern, um Dörfer und Kleinstädte attraktiver zu machen.

Der Familienvater weiß, wovon er spricht. Seine zwei Söhne, inzwischen beide in der Ausbildung, mussten immer von Metze aus gefahren werden: zum Fußball, zur Musikschule, zu Freunden.

In ihrem Dorf sei nichts los, beschwerten sie sich. Und ohne eigenes Auto komme man nirgends hin – auch nicht zum Arbeits- oder Ausbildungsplatz. Außerdem gibt es in vielen Dörfern kaum noch Infrastruktur, keine Kneipen, keine Läden, keine Post oder Bank.

Warum also auf dem Lande leben? Wie Menschen davon überzeugen? Für Jörg Warlich eine Frage der Lebensqualität. 1994 zog er mit seiner Familie nach Metze, in das Dorf, aus dem seine Frau stammt. Das 60er-Jahre-Haus, das sie damals kauften, wurde inzwischen vergrößert. Das soziale Umfeld, die Nachbarschaft, all das findet Warlich beruhigend. Es ist nicht so anonym. „Man passt hier aufeinander auf“, sagt er. Das Leben sei ruhiger, stressfreier, enger mit der Natur verbunden.

Allerdings stinkt es auch häufiger. Grund dafür sind große Ställe rund um Metze. Die Massentierhaltung und ihre Folgen – nicht nur der Gestank – gehören deshalb auch zu den Themen, die Jörg Warlich seit Jahren umtreiben.

Überhaupt: Der 58-Jährige lässt nicht nach in seinem Engagement, kandidiert jetzt noch ein zweites Mal nach 1983 als Direktkandidat der Grünen. Auch in dem Bewusstsein, keine Chance auf das Mandat als Landtagsabgeordneter zu haben. Dabei wäre es seiner Meinung nach wichtig, wenn mehr „normale“ Menschen in der Politik mitmischten, nicht so viele Berufspolitiker.

Zu Beginn seiner kommunalpolitischen Arbeit, als junger Student und Atomkraft-Gegner, als Friedensaktivist und Grünen-Stadtverordneter, sei er häufig mit Magenschmerzen in Sitzungen und Diskussionen gegangen, erinnert sich Warlich. Es war nicht leicht, sich als Vertreter einer neuen Partei durchzusetzen.

Heute ist das anders: Warlich ist älter und erfahrener geworden, genauso seine Partei, die inzwischen in der hessischen Landesregierung mit der CDU koaliert. Wie kommt er damit klar? „Es geht um Inhalte“ sagt er, die man durchsetzen wolle, das könne er nachvollziehen. An seiner Grundeinstellung habe sich aber nichts geändert.

Sagt’s und rollt seine Lieblingsplakat auf: „Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt“ steht da. Dafür, dass man das nicht vergessen sollte, engagiert er sich auch nach der Landtagswahl in Hessen am 28. Oktober.

Landtagswahl Hessen: Jörg Warlich im Interview

Jeweils sieben Kandidaten treten in den Wahlkreisen 7 (Schwalm-Eder Nord) und 8 (Schwalm-Eder Süd) zur Landtagswahl an. Mobilität, Sicherheit, Wohnraum, Bildung – wie sind die Standpunkte? Wir fragen nach.

Beamtenticket, Schülerticket, dichtes S-Bahnnetz in Südhessen und im Schwalm-Eder-Kreis fahren Ehrenamtliche Bürgerbusse. Wie könnten alle Menschen von einem funktionierenden ÖPNV profitieren?

Jörg Warlich: Alle Schüler und alle Auszubildenden fahren für einen Euro am Tag mit dem Schülerticket. Wir wollen weitere Gruppen – als Nächstes die Senioren – einbeziehen. Kostengünstiger ÖPNV für alle Bürger! Das generiert Nachfrage und ein besseres Angebot. Die Linie 500 ist ein Beispiel dafür, dass der ÖPNV auch attraktiv sein kann.

Was würden Sie für die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie tun?

Jörg Warlich: Die Abschaffung der Kita-Gebühren zum 01.08.18 für 6 Stunden ist ein erster Schritt. Langfristig ist die Beitragsfreiheit unser Ziel, jedoch nicht zulasten der Qualität der Betreuung. Wir wollen eine Bildungs- und Betreuungsgarantie von 7.30 bis 17 Uhr für alle Grundschülerinnen und -schüler schaffen.

Wie würden Sie das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen stärken?

Jörg Warlich: Ich fühle mich subjektiv sicher. Ich lebe gern in Metze. Hier ist man nicht anonym und die Nachbarn nehmen Auffälligkeiten wahr. Für uns Grüne heißt Sicherheitspolitik, dass niemand Angst haben muss. Nicht vor Kriminellen, nicht vor Anschlägen, nicht vor Rassisten – und nicht um die Freiheit. Bis 2022 werden mehr als 1500 zusätzliche Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamte im Dienst sein.

Wie wollen Sie mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen?

Jörg Warlich: Endlich wird in Hessen wieder bezahlbarer Wohnraum geschaffen. Bis 2020 stehen insgesamt 1,7 Milliarden Euro für den sozialen Wohnungsbau zur Verfügung. Der Bund muss eine wirksame Mietpreisbremse ermöglichen.

Wie kann die Schulbildung verbessert werden?

Jörg Warlich: Im Vergleich zu allen anderen Bundesländern ist die Situation in Hessen dank unserer 105-prozentigen Lehrerversorgung und 700 zusätzlicher Sozialpädagogen weit weniger angespannt. Wir werden den Ausbau der Ganztagsschulen weiter vorantreiben. 

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