Keiner will die Ruine

Leerstehendes Fachwerk-Häuschen ist  für Nachbarn ein Problem

Kirchberg. Der Sprudelkasten steht noch im Flur. Wie vor zehn Jahren, als der letzte Eigentümer des kleinen Häuschens in der Kirchberger Emstalstraße krank wurde und auszog.

Er lebt inzwischen im Betreuten Wohnen in Fritzlar. Der Zustand des Hauses ist seitdem nicht besser geworden: Das Dach ist undicht, Ziegeln fehlen, in die Gaube, die nie richtig gedeckt worden war, regnet es rein.

Manfred Soose, dessen Mutter in dem direkt angrenzenden Haus lebt, weiß nicht mehr weiter. „Wir hatten vor einer Weile einen ziemlichen Wasserschaden im Haus meiner Mutter“, sagt er. Geräte waren durch das Wasser, das über das kaputte Nachbarhaus in die Wohnung drang, beschädigt worden. Die Kosten musste die Familie selbst tragen. Und gegen die Mäuseplage im Wohnzimmer war auch Eigeninitiative gefragt.

Ob beim Ortsbeirat, bei der Stadt, beim Kreis oder beim Hessischen Immobilienmanagement: Sooses hatten bislang mit ihren Anfragen und Beschwerden keinen Erfolg. Das Trassierband, das entlang des Bürgersteiges vor herabfallenden Ziegeln ein wenig schützen soll, hat der Kirchberger selbst angebracht, seine Warnschilder sind inzwischen allerdings verschwunden.

Was Soose am meisten ärgert, ist die Untätigkeit aller Behörden. Und dass sich offenbar keiner zuständig fühlt für das Problem vor seiner Haustür. „Es ist tatsächlich bislang ungeklärt, wer in der Pflicht ist“, bestätigte Niedensteins Bürgermeister Werner Lange.

Denn der bisherige Eigentümer habe sein Eigentum aufgegeben, könne nicht mehr herangezogen werden. Es handele sich deshalb um ein „herrenloses Grundstück“. Das Aneignungsrecht liege zwar beim Land Hessen, aber das habe keine Absicht, das baufällige, winzige Häuschen zu übernehmen.

Das Hessische Immobilienmanagement seinerseits sucht nach eigenen Angaben zwar nach Interessenten für das herrenlose Grundstück mit Haus, hat aber noch keinen gefunden. Man habe keine Rechte an dem Grundstück, aber auch keine Pflichten, betont die Sprecherin Renate Gunzenhauser. Jetzt kommt der Kreis ins Spiel: „Wenn eine Gefahr besteht für andere Personen durch herabfallende Ziegel oder ähnliches, müssen wir als Bauaufsicht tätig werden“, sagt Vizelandrat Winfried Becker.

Das Problem mit dem Haus in der Emstalstraße 34 in Kirchberg sei in der Kreisverwaltung bekannt. Er machte den Sooses etwas Hoffnung: Ein Sachbearbeiter der Bauaufsicht werde in Kürze bei einem Ortstermin eine Bestandsaufnahme machen.

Solange es jedoch keine Gefährdung gebe, werde das Haus vor sich hin gammeln, sieht es Becker realistisch. Sollte man jetzt jedoch eine Baufälligkeit feststellen, sei auch ein Abriss möglich. Die Kosten müsse dann der Kreis tragen

Auch bei der Stadt Niedenstein will man sich weiter um das Problem mit der Ruine kümmern. Im Bauamt werde bereits nach Lösungen gesucht, sagte Bürgermeister Lange.

Jedoch müsse man darauf achten, keinen Präzedenzfall zu schaffen, denn es gebe immer wieder ähnliche Fälle. Die Stadt, die finanziell nicht auf Rosen gebettet sei, dürfe sich zudem solche Lasten freiwillig gar nicht aufbürden, betonte Lange.

Von Ulrike Lange-Michael

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