Eltern hatten sich für Luftfilter in Klassen eingesetzt

Nach Unterschriftenaktion: Niedensteiner Eltern fordern Dialog mit Landkreis

Ein Luftfiltergerät steht in einem Klassenraum.
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Ein Luftfiltergerät wie auf diesem Symbolbild hatten sich die Eltern der Niedensteiner Grundschule auch für ihre Kinder gewünscht.

Die Unterschriftenaktion von Eltern der Niedensteiner Louise-Schröder-Schule blieb bislang erfolglos. Sie forderten Luftreinigungsgeräte für die Klassenzimmer. Jetzt äußert sich der Landkreis dazu.

Niedenstein - Die Begeisterung bei Frank Schuberts Tochter, wieder in die Schule gehen zu müssen, war nicht besonders groß. Zu groß war die Ungewissheit, wie lange sie wohl dieses Mal in die Schule gehen darf. So wie der Viertklässlerin, die die Niedensteiner Louise-Schröder-Schule besucht, ging es wohl vielen Kindern.

Was für die Eltern aber noch viel ernüchternder ist: Ihre Unterschriftenaktion, mit der sie im vergangenen Jahr Luftfilter für die Schule forderten (HNA berichtete), verhallte ungehört. Eine Anfrage der Stadt Niedenstein indes beantwortete der Landkreis inzwischen.

„Das ist ernüchternd“, sagt Frank Schubert vom Elternbeirat. Er hatte seinerzeit die Unterschriftenaktion initiiert, war von Eltern mehrfach auf deren Ausgang angesprochen worden. Nicht einmal „warme Worte“ habe es gegeben, bedauert der Niedensteiner, der betont, wie sensibel das Thema Kinder sei. „Unsere Aktion war symbolisch, weil wir den Dialog wollten.“ Den jedoch habe es bisher nicht gegeben. Luftfilter würden Eltern, Lehrern und Kindern ein sichereres Gefühl in der Schule geben, ist er sich sicher.

Schubert ist bewusst, dass die von den Eltern geforderten Filter Geld kosten. Er glaubt jedoch, dass man sich grundsätzlich über ein solches Angebot Gedanken machen sollte. Auch abseits von Corona sei das eine sinnvolle Investition. Er wünscht sich, dass der Landkreis mit den Eltern den Dialog sucht, sich mit ihnen zusammensetzt, austauscht. „Vielleicht hat der Landkreis ja gute Gründe, keine Luftfilter anzuschaffen. Aber das wissen wir ja nicht“, sagt er.

Gleichzeitig lobt Schubert Schulleitung und Lehrer. Sie alle haben sich gut aufgestellt, würden ihr Bestes versuchen, um allen Schülern und der Situation gerecht zu werden. „Wenn man das gute Engagement vor Ort unterstützen würde, könnte man so viel erreichen“, ist er sich sicher. Die Eltern der Louise-Schröder-Schule sind allerdings nicht die Einzigen, die sich für ihre Kinder einsetzen. In der Stadtverordnetenversammlung im Dezember hatte die FWG den Magistrat aufgefordert, zu erfragen, ob die drei Klassenräume in dem neuen Anbau mit einer Lüftungsanlage ausgestattet werden könnten. Die Antwort des Kreisausschusses hat Bürgermeister Frank Grunewald in der jüngsten Sitzung des Parlaments vorgelegt. Demnach wird auf drei Etagen jeweils ein Klassenraum mit Fensterfronten an zwei gegenüberliegenden Seiten errichtet. „Der Einbau einer Lüftungsanlage für die Klassenzimmer ist nicht vorgesehen“, heißt es in dem Schreiben. Die Anordnung der Fenster ermögliche es, über weit geöffnete Fenster intervallartig zu lüften. Es biete nach Einschätzung des Umweltbundesamtes einen wirksamen Schutz, weil „die Außenluft nahezu virenfrei ist“.

Landkreis spricht von Versäumnis

„Der Landkreis ist selbstverständlich bereit, in einen Dialog mit den Vertretern der Elternschaft der Louise-Schröder-Grundschule zu treten“, teilt der Schwalm-Eder-Kreis auf Anfrage mit. Landrat Winfried Becker stehe für einen persönlichen Gesprächstermin zur Verfügung. Dass es nicht zeitnah zur Diskussion gekommen ist, bedauere der Landkreis. Die Anfrage der Stadt Niedenstein zum selben Thema wurde bereits im Januar beantwortet. Dabei sei versäumt worden, den Eltern eine Rückmeldung zum Sachstand zu geben. „Wir können uns für dieses Versäumnis nur entschuldigen“, so der Landkreis.

Für Nutzung und Belüftung der Räume seien für den Schwalm-Eder-Kreis die Vorgaben des Umweltbundesamtes und die Hygienepläne des Kultusministeriums maßgebend. Luftreinigungsgeräte würden nur eingeschränkt und lediglich als Ergänzung empfohlen. Alle Schulen seien mit Co2-Ampeln ausgestattet. Schüler und Lehrer haben so einen Überblick, wann die Luft verbraucht ist und gelüftet werden muss, so Kreissprecher Stephan Bürger. Bis auf einige seien alle Räume gut zu lüften, „oft sogar mit Querlüftung“.

Auf die Frage, was der Landkreis tun will, um Eltern zu unterstützen, heißt es: „Landrat Becker hat sich bereits im Spätsommer und Herbst für Wechselunterricht ausgesprochen.“ Bei der Halbierung der Lerngruppen könne auch in Schulbussen und beim Bringen und Abholen der Kinder das Infektionsrisiko minimiert werden.

„Soweit es an Schulen erforderlich und geboten ist, die Lüftung der Räume mit Luftreinigungsgeräten zu ergänzen, um die entsprechende Luftqualität zu erreichen, wird der Landkreis die erforderlichen Maßnahmen ergreifen“, so Bürger. Dies setze jedoch eine fach- und sachliche Auseinandersetzung mit allen Gegebenheiten vor Ort heraus. (Chantal Müller)

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