Neue Straße und neues Baugebiet

Bürgerversammlung in Niedenstein: Stadt plant Siedlung statt Stadtpark

Mit dem Entwurf für das neue Baugebiet zwischen Niedenstein und Wichdorf: von links Bauamtsleiter Dr. Bernd Rode und Planer Martin Eger vom Planungsbüro pwf in Kassel.
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Mit dem Entwurf für das neue Baugebiet zwischen Niedenstein und Wichdorf: von links Bauamtsleiter Dr. Bernd Rode und Planer Martin Eger vom Planungsbüro pwf in Kassel.

Rund 50 Teilnehmer haben an der Bürgerinformationsveranstaltung im Gemeinschaftshaus Kirchberg die geplanten Änderungen zum Bebauungsplan zwischen Niedenstein und Wichdorf diskutiert.

Anlass für die neuen Pläne ist, dass es der Stadt nach vielen Jahren gelang, die bislang landwirtschaftlich genutzte Fläche zu erwerben. Laut Martin Eger (Planungsbüro pwf, Kassel) wurden dadurch die bisherigen Planungen noch einmal überdacht. Außerdem soll eine neue Straße die Verkehrsführung in Niedenstein ändern. Damit soll der Verkehr in der Niedensteiner Schulstraße entlastet und umgelenkt werden. In diesem Zuge soll ein Teil der Schulstraße um den Kindergarten herum zur verkehrsberuhigten Spielstraße mit Pkw-Stellplätzen werden – Busse sollen die Straße weiterhin in Schrittgeschwindigkeit durchfahren können.

Während Ämter und Behörden grünes Licht für das Vorhaben gegeben haben und auch die Niedensteiner Parlamentarier die Pläne mittragen, zeigten sich nicht alle Teilnehmer der Versammlung am Montagabend damit einverstanden. „Was ist von den ursprünglichen Plänen geblieben, hier einen Stadtpark mit Waldstreifen anzulegen?“, fragte Willi Grunewald. „Die Ressourcen entlang der neuen Straße nicht zu nutzen, ist aus heutiger Sicht nicht haltbar“, entgegnete Planer Martin Eger.

Bürgerversammlung in Niedenstein: Baugebiet nicht mehr zeitgemäß

Günter Pfaar, Ortsvorsteher von Kirchberg.

Es dränge sich geradezu auf, dort auch eine Wohnbebauung anzuschließen. Stadtverordnetenvorsteher und Sitzungsleiter Erich Sommer warf ein, dass Baugebiete auf der grünen Wiese nicht mehr zeitgemäß seien, hier biete sich eine innerörtliche Bebauung zwischen den beiden Ortsteilen an. Das Gebiet als „grüne Lunge“ zu bezeichnen – so nennt sich auch eine Interessengemeinschaft in Niedenstein, die sich für einen Bürgerpark für alle statt eines neuen Baugebiets einsetzt – ist laut Ortsvorsteher Günter Pfaar weit hergeholt.

„Die Notwendigkeit des Baugebiets ist mir nicht klar“, sagte Stefan Dettke. Er warf der Stadt vor, das geplante Baugebiet mit dem Bau der neuen Straße zu rechtfertigen. Doch auch in Niedenstein werde die Bevölkerung mittelfristig abnehmen. Er appellierte daran, einen „vernünftigen und nachhaltigen Plan“ zu machen.

„Sie versuchen, mit einem neuen Plan die Straße zu verändern und so Fehler der Vergangenheit geradezubiegen“, sagte Karsten Schnell – da es sich um ein Baugebiet zwischen zwei Orten handele, könne nicht von innerörtlicher Bebauung gesprochen werden. „Ich sehe die Straße, die es gibt, als ausreichend an“, ergänzte Frank Schubert. Einparkprobleme und Überlastung entlang der Schulstraße gebe es nur zu bestimmten Stoßzeiten.

Stefan Dettke, Niedensteiner Bürger.

Ausgleichsflächen in Niedenstein werden mit neuem Baugebiet überbaut

Eine weitere Sitzungsteilnehmerin, die namentlich nicht genannt werden möchte, bemängelte fehlende Gehwege zu den Kindergärten sowie fehlende Spiel- und Erholungsmöglichkeiten für Kinder und schutzbedürftige alte Menschen. „Das Problem in dieser Stadt ist, dass seit vielen Jahren Ausgleichsflächen überbaut werden, und dies ist hier erneut der Fall“, so die Niedensteinerin.

Auch Jörg Warlich beanstandete fehlende Spielplätze im aktuellen Plan – diese seien schon im Baugebiet „Auf der Hardt“ in Wichdorf nicht realisiert worden – entgegen den ursprünglichen Zusagen. „Der angekündigte Spielplatz war damals ein Grund, dorthin zu ziehen“, sagte Mark Verheijen. „Doch mittlerweile ist meine Tochter 18 und braucht keinen mehr.“

Öffentliche Termine zum Thema: Donnerstag, 10. September: Haupt- und Finanzausschuss, Dienstag, 15. September: Struktur- und Planungsausschuss, Donnerstag, 17. September: Stadtverordnetensitzung.

Baugebiet Niedenstein: Nachfrage nach Bauplätzen ist ungebremst

Geben die Niedensteiner Stadtverordneten in ihrer kommenden Sitzung am Donnerstag, 17. September, grünes Licht für die 3. Änderung des Bebauungsplans N 18, so kann ab kommendem Frühjahr mit der Erschließung des neuen Baugebiets begonnen werden: 23 Einfamilien- oder Doppelhäuser und sechs Mehrfamilienhäuser mit einer durchschnittlichen Grundstücksgröße von 500 Quadratmetern sollen entstehen, so Bauamtsleiter Dr. Bernd Rode.

Die insgesamt rund 44 000 Quadratmeter (4,4 Hektar) große Fläche umfasst einen freien Korridor zwischen Niedenstein und Wichdorf, der ursprünglich in einen Stadtpark umgewandelt werden sollte. Ein Teil des zurzeit noch landwirtschaftlich genutzten Geländes ist als Ausgleichsfläche für bereits geleistete Bebauung ausgewiesen. Mit der 3. Änderung des Bebauungsplans N 18 und dem städtebaulichen Entwurf „Auf der Klippe“ soll dieses Areal nun in ein Siedlungsgebiet umgewandelt werden. Es gebe bereits über 60 Nachfragen für das Gebiet, so Bürgermeister Frank Grunewald – die Stadt sehe sich unter Druck, Bauplätze zur Verfügung zu stellen.

Von Kerstin Diehl

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