Neuer Übungsturm

Niedensteiner Feuerwehr trotzt Diebstählen auf Baustelle

Bauarbeiten auf der Feuerwehrbaustelle in Niedenstein: Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr gießen das Fundament für einen Übungsturm.
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Bauarbeiten auf der Feuerwehrbaustelle in Niedenstein: Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr gießen das Fundament für einen Übungsturm.

Die Mitglieder der Niedensteiner Feuerwehr errichten einen zwölf Meter hohen Übungsturm in Eigenleistung. Doch wiederholte Diebstähle auf der Baustelle trüben die Stimmung.

Langsam dreht sich die Trommel eines Betonmischers und wuseliges Treiben macht sich breit. Schaufeln werden gezückt und Gummistiefel angezogen. Über eine ausfahrbare Rutsche wird die flüssige Betonmischung auf ein vorbereitetes Gestell befördert und fachmännisch verteilt. In wenigen Wochen soll an dieser Stelle ein Übungsturm entstehen. Im Hintergrund arbeiten drei Menschen an einem Fundament für die Parkplätze, verteilen Schotter und schaffen eine gleichmäßige Oberfläche.

Arbeiten auch nach Feierabend: Mitglieder der Feuerwehr schütten das Fundament für die Parkplätze auf.

Wenn man die Szenerie betrachtet, könnte man sich auf jeder Baustelle dieser Welt befinden. Bei der Feuerwehr in Niedenstein handelt es sich jedoch um eine Baustelle der etwas anderen Art: Denn die meisten Arbeiter sind keine professionellen Bauarbeiter, sondern sitzen tagsüber in Büros oder versorgen Menschen. Sie haben sich ihr Wissen lediglich unter fachlicher Anleitung angeeignet.

Nach Feierabend bauen die Niedensteiner Feuerwehrleute in Eigenleistung an ihrem neuen Stützpunkt. Und das nahezu täglich. Zwar arbeitet auf dem Gelände tagsüber eine Baufirma, doch so wird es auch in den Abendstunden an der Goethestraße nicht ruhig. „Man zählt die Stunden nicht“, sagt Manuela Momberg, stellvertretende Wehrführerin.

Ein Helfer verteilt Kies für den Parkplatz.

Feuerwehr Niedenstein: Acht Diebstähle gab es bereits auf der Baustelle

„Sind wir nicht auf der Baustelle, planen wir die nächsten Arbeiten. Da sind solche Vorkommnisse wirklich ärgerlich.“ Die Vorkommnisse, von denen Momberg spricht, haben sich in den vergangenen Wochen gehäuft: Mindestens achtmal haben sich Unbekannte Zutritt zur Baustelle verschafft, haben Baumaterial sowie Werkzeug gestohlen und Container aufgebrochen. Die Polizei ist regelmäßig zu Gast, um das Gelände zu begehen und neue Diebstähle aufzunehmen.

Für Stadtbrandinspektor Jan Hohmann ist dies eine zusätzliche Belastung: Neben den Arbeiten müssen Termine mit den Ordnungshütern wahrgenommen, Präventivmaßnahmen erdacht und die Baustelle zusätzlich gesichert werden. Die Wertgegenstände werden jetzt nicht mehr auf dem Gelände gelagert und ein Kameraturm wird installiert. Dieser überwacht lückenlos das Gelände und steht in permanenter Verbindung mit einer Zentrale, die auf jede Unregelmäßigkeit reagiert und notfalls Alarm auslöst. „Diese Dinge verzögern zwar die Bauarbeiten, aber unsere Motivation ist nach wie vor ungebremst“, so Hohmann.

Ähnlich sieht das auch Sascha Ochojski, stellvertretender Stadtbrandinspektor: „Wir sind mindestens zwei- bis dreimal pro Woche hier und arbeiten. Da ärgern uns die Diebstähle zwar, aber wir machen weiter.“

Feuerwehr Niedenstein: Übungsturm wird in Eigenleistung errichtet

Auch nachdem er offiziell in den Ruhestand verabschiedet wurde, unterstützt der ehemalige Bauleiter Peter Bues die Feuerwehrleute vor Ort und greift auch selbst zur Schaufel. Als letzte Amtshandlung wird er den Bau bis zur Fertigstellung betreuen. Erst vor Kurzem wurde das Material für die Außenfassade festgelegt, erklärt er.

„Nachdem sich der Architekt gegen Lochblech entschieden hat, wird das Haus jetzt mit lasierten Holzelementen verkleidet.“ Der gesamte Bau entspreche den Vorgaben einer Feuerwehr-Norm, sogar das Gefälle zwischen Parkplatz und Haupthaus dürfe eine gewisse Neigung nicht überschreiten, so Bues.

Das Feuerwehrhaus in Niedenstein: Die Fassade soll mit Holzpaneelen verkleidet werden.

Vor dem Haupthaus wird das frisch gegossene Fundament ein letztes Mal glatt gestrichen und kleine Luftblasen entfernt. Der Beton muss zunächst für mindestens vier Wochen trocknen. Erst dann kann das Grundgerüst für einen zwölf Meter hohen Übungsturm gebaut werden. Dieser wird in kompletter Eigenleistung der Feuerwehrleute entstehen – natürlich in ihrer Freizeit.

Einweihung ist für Ende des Jahres geplant

3,08 Millionen kostet der Neubau des Feuerwehrhauses in Niedenstein. Ursprünglich war das Projekt auf 2,7 Millionen geschätzt worden.

6 Einsatzfahrzeuge werden in der Mehrzweckhalle Platz finden. Das Gebäude wurde mit Blick in die Zukunft für 94 Aktive der Einsatzabteilung und 54 Mitglieder der Jugendfeuerwehr geplant. Aktuell gibt es rund 70 Aktive und 39 Kinder.

8 Diebstähle gab es mindestens auf dem Baugelände. Die Stadt hat reagiert und ein Überwachungssystem installieren lassen.

16 Monate wurden für die Planungs- und Bauzeit kalkuliert. Ende 2020 soll das neue Feuerwehrhaus eingeweiht werden.

3.500 Quardratmeter umfasst das Gelände des Neubaus. Neben dem Stützpunktgebäude soll es einen eigenen Übungsplatz und Parkplätze für die Feuerwehrleute geben.

Von Felix Busjaeger

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