In Niedenstein gibt es schwebende Steine

Durstig: Martina Härtl gießt die schwebenden Landschaften im Saikai-Tempel. Fotos: Hartung

Niedenstein. In der Gärtnerei Härtl in Niedenstein gibt es seit einiger Zeit schwebende Steine. Gärtnermeister Karl-Heinz Härtl hat uns verraten, was es damit auf sich hat.

Schwebende Steine? Was im ersten Moment unvorstellbar klingt, findet man bei Karl-Heinz Härtl zu Dutzenden. Seit drei Jahren stellt der Gärtnermeister die außergewöhnlich bewachsenen Steine her. Die einen stehen auf zwei Füßen, andere ragen auf einem Fuß in die Luft. An ihnen wachsen die unterschiedlichsten Pflanzen aus allen Ländern der Erde. Auch heimische Pflanzen wie Rotfichte und Feldahorn wuchern auf dem schwebenden Gestein. „Das ist Travertinstein, der ist etwa 240 Millionen Jahre alt“, erklärt Härtl, der die Gärtnerei gemeinsam mit seiner Frau Martina und seinen beiden Söhnen Sebastian und Florian betreibt.

Die besonderen Steine, die früher den Unterseeboden eines warmen Urmeeres bedeckten, bestehen aus unzähligen kleinen Muscheln, Ammoniten und aus Kalkgestein. „Die sind wie natürliche Schwämme.“ Wenn es regnet, könne der Stein erhebliche Mengen an Wasser speichern, die er nach Bedarf an die Pflanzen abgibt.

Die Idee, Steine „schweben“ zu lassen, hatte Härtl bereits Mitte der 1980er Jahre. „Ich wollte die Schwerkraft durchbrechen“, witzelt Härtl. „Damals hatte ich aber viel zu viel zu tun, um die Idee umzusetzen.“

Die Härtls haben in ihrer Gärtnerei, in der weder künstlicher Dünger noch Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen, das größte privat geführte Alpinum nördlich der Alpen. In einem Steingarten leben 1600 verschiedene Hochgebirgspflanzen. „Seit meiner Lehre haben mich Pflanzen interessiert, die an Extremstandorten wachsen“, sagt Härtl. In seiner Jugend habe er im Garten seines Vaters nach und nach alpine Landschaften aufgebaut.

Die Gartenfreunde lassen aber nicht nur bepflanzte Travertinsteine schweben, sondern auch ganze Landschaften. Im Saikai-Tempel - eine Art offenes Gewächshaus - bepflanzen die Härtls ungezählte Kalksteinplatten unter anderem mit Moos und Bäumen wie Ahorn, Buche und Birke. Auch Exoten, wie beispielsweise nordamerikanische Weißzypressen zieren die Steine. Kleine Erdhügel und Steine machen die Landschaft dreidimensional. „Das sind Dutzende von Lebewesen auf dieser kleinen Fläche.“

Für die Mini-Gärten werden die Ränder der Steine zunächst heruntergeschlagen, dann rauen die Gärtner die Oberfläche mit Hammer und Meißel an und befestigen kleine Begrenzungssteine mit Fliesenkleber. Nach drei bis vier Tagen, wenn das Ganze getrocknet ist, werden Bäume und Moos gepflanzt. Als letztes befestigen die Gartenbauer das Ganze auf einem Fuß - fertig ist der schwebende Stein.

„Das klingt, als ob man das einfach nachmachen könnte“, sagt Martina Härtl. Aber nicht alle Pflanzen würden sich eignen. „Da gibt es Kniffe, die man beachten muss. Beispielsweise auch, ob der Stein basisch oder sauer ist.“ Entscheidend für das Gelingen seien zudem die Travertinsteine, sagt Karl-Heinz Härtl. „Woher wir die bekommen, ist unser Geheimnis.“

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