Rettung für das Leberblümchen

Rund 70 Sorten: Gärtnermeister aus Niedenstein züchtet seltene Pflanze

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Experte für selten gewordene Pflanzen: Gärtnermeister Karl-Heinz Härtl züchtet Leberblümchen – auch zurück.

Einzeln ist es eher unscheinbar, in seiner Heimat auch selten geworden: Das Leberblümchen. Karl-Heinz Härtl aus Niedenstein hat 70 Sorten in seiner Gärtnerei.

Sie können mehr als 100 Jahre alt werden und galten für die Begründer der Naturheilkunde als wirksame Heilpflanze gegen Leber- und Gallenbeschwerden: die einzeln eher unscheinbaren Leberblümchen. In der Gärtnerei von Karl-Heinz Härtl in Niedenstein stehen viele Exemplare der Pflanze, denn der Gärtnermeister arbeitet daran, das Leberblümchen in der Region wieder häufiger ansässig zu machen.

„Unsere heimische Art kommt in der freien Natur leider nur noch selten vor“, sagt Härtl. Die Pflanzen stehen deshalb unter Naturschutz. In seinem Betrieb kümmert er sich um Kreuzungen mit japanischen Arten, züchtet Hybride mit besonderen Blüten und Farben. Mit rund 70 verschiedenen Sorten habe er die größte Sammlung in Hessen, sagt er.

Gibt es in vielen verschiedenen Farben und Züchtungen: das Leberblümchen.

Aber er sucht auch einen Weg, die einheimischen Arten durch entsprechende Rückkreuzungen zu retten. 1500 Pflanzen werden auf diese Weise für den Naturschutz zur Verfügung gestellt, zur Renaturierung und Auswilderung, um das Leberblümchen wieder dort anzusiedeln, wo es früher stand – in den Buchen- und Eichenwäldern der Region.

Wer das originär blau blühende heimische Leberblümchen in voller Pracht bewundern will, dem empfiehlt Gärtnermeister Karl-Heinz Härtl aus Niedenstein eine Fahrt in den Göttinger Stadtwald.

Namensgeber: Das Blatt sieht aus wie eine Leber.

Dort gibt es noch Flächen, auf denen die Blüten Ende März/Anfang April einen strahlend blauen Teppich bilden. Der botanische Name der Pflanze lautet Hepatica nobilis, die Kreuzungen mit japanischen Sorten haben den Zusatz var. japonica. In Japan werden die Leberblümchen seit 700 Jahren gezüchtet, weiß der Gärtnermeister aus Niedenstein. In der Glaubenslehre des Taoismus gelte die Pflanze als die mit dem größten Lebenswillen, ihr Name dort bedeutet „sie blüht unter Schnee“.

In Japan werden von Sammlern, die eine Blüte auch schon mal mit der Lupe betrachten, teils extreme Preise für seltene und besondere Pflanzen gezahlt, das könne bis mehrere tausend Euro gehen. In Europa habe es mit dem Erstarken fernöstlicher Traditionen eine Renaissance der Pflanze gegeben, sagt Härtl, sie sei jedoch weltweit zu finden.

Klassisch: Die blaue Farbvariante.

Dass das Leberblümchen so selten geworden ist in unserer Region, liege an vielen Ursachen, sagt Härtl.Der Klimawandel mache sich immer deutlicher bemerkbar, das klassische Frühjahr als Übergangsphase gebe es bald nicht mehr. Zudem wird der Samen der Pflanze im Wald von Waldameisen weitergetragen und verbreitet sich – und diese Ameisen werden ebenfalls immer seltener.

„In den 40 bis 45 Jahren meiner Berufstätigkeit habe ich erlebt, dass 75 Prozent der Arten, die ich kannte, inzwischen verschwunden sind“, sagt Härtl. Doch könne jeder Einzelne etwas gegen das Verschwinden tun und für mehr Biodiversität, mehr Vielfalt sorgen. Ein Weg sei es, etwa im eigenen Garten oder auch in Pflanzkästen, gefährdete Arten wie das Leberblümchen wieder anzusiedeln.

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