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Büffel beheben Pflanzenproblem: Julian Pfaar aus Kirchberg hält Rinder zur Bekämpfung von giftigen Pflanzen

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Von: Peter Zerhau

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Familienbande: Lisa Wissemann, Julian Pfaar mit Sohn Emil, Mathis Größel mit den Wasserbüffeln.
Familienbande: Lisa Wissemann, Julian Pfaar mit Sohn Emil, Mathis Größel mit den Wasserbüffeln. © Peter Zerhau

Julian Pfaar aus Kirchberg hält Rinder zur Bekämpfung von giftigen Pflanzen. Diese sind allerdings nur für Menschen gefährlich, die Rinder tun sich nichts, wenn sie sie abfressen.

Kirchberg – In der Landwirtschaft gehört seit vielen Generationen neben dem Ackerbau auch die Tierhaltung dazu. Milchkühe, Schweine und unterschiedliches Geflügel gehören zum normalen Erscheinungsbild. Eine etwas ungewohnte Tierart ist bei Landwirt Julian Pfaar aus dem Niedensteiner Stadtteil Kirchberg seit knapp vier Jahren zuhause.

Auf den Weideflächen entlang der Ems hält er zurzeit eine 14-köpfige Herde von Wasserbüffeln.

Die Idee: Julian Pfaar ist Landwirt seit 2013 und stieg in den elterlichen Betrieb ein, der bereits in der fünften Generation besteht und rund um Kirchberg Land bearbeitet. Schwerpunkt war bisher der Ackerbau, bis 1989 waren Milchkühe am Hof, ab 1989 begann die Schweinezucht. Mit dem Einstieg von Julian Pfaar kamen neben den Strohschweinen am 11. Mai 2019 nach Absprache mit Julian Pfaars Vater Dieter die ersten Wasserbüffel auf den Hof.

„Als junger Landwirt willst du natürlich auch etwas Neues ausprobieren. Während der Ausbildung stieß ich da auf die Wasserbüffel und war fasziniert“.

Zurzeit besteht die kleine Herde aus sieben Kühen, einem Bullen, vier Kälbern und drei Rindern

Zusammen mit Mathis Größel, der seit langer Zeit auf den elterlichen Hof geholfen hat und seine Unterstützung bei Zucht und Haltung anbot, holten die beiden nach kurzer Beratung in Bad Hersfeld zwei tragende Kühe ab. „Natürlich habe ich das auch mit meiner Partnerin Lisa abgesprochen, die dann richtig Feuer und Flamme war. So habe ich im zweiten Anlauf an ihrem Geburtstag 2021 Bulle Simba und Kuh Wolke gekauft“.

Zurzeit besteht die kleine Herde aus sieben Kühen, einem Bullen, vier Kälbern und drei Rindern. „Besonders fasziniert waren wir von den Wasserbüffeln, da sie sehr ruhig und nach kurzer Zeit auch richtig zutraulich wurden“.

Riesenbärenklau: Teile der landwirtschaftlichen Flächen von Familie Pfaar liegen direkt an der Ems in Richtung der Weißenthalsmühle. Dort hatte sich im Uferbereich in den Jahren der giftige Riesenbärenklau, auch Herkulesstaude genannt, breitgemacht. Diese Pflanze ist für Menschen gefährlich, weil sie als invasive Art heimische Pflanzenarten verdrängt und dazu der Pflanzensaft unangenehme Hautreizungen verursacht.

Um der Pflanze Herr zu werden, hatten sich Pfaar und Größel nach einer ausführlichen Recherche dazu entschieden, das pflanzliche Problem durch Wasserbüffel beheben zu lassen. „Der Riesenbärenklau wird auch von Ziegen erfolgreich bekämpft, aber Ziegen sind nicht mein Ding, die meckern mir zu viel, außerdem habe ich es nicht so mit Ziegen und Schafen“. So weidet die Büffelherde von April bis November auf den Weiden entlang der Ems, wo von den aber immer wieder nachwachsenden Stauden nichts mehr zu sehen ist. Durch die Renaturierung haben jetzt Pflanzen und Tiere, die durch die Herkulesstaude unterdrückt wurden, wieder die Chance, dort zu gedeihen.

Kirchberg: Im Jahr 2020 wurden die ersten Büffel geschlachtet

Wasserbüffel: Wasserbüffel stammen ursprünglich aus weiten Teilen Südostasiens, Vorderasiens, Nordeuropa und Nordafrikas. Die Wildform ist heute vom Aussterben bedroht. Restbestände gibt es noch in Teilen von Indien, Thailand, Nepal und Bhutan. Die Tiere wurden aber auch in Europa heimisch, wie die Weiterzüchtungen, unter anderem die in Kirchberg, mit italienischer Abstammung.

Fleischgewinnung: Neben dem Einsatz zur Renaturierung ist die Fleischgewinnung ein weiterer Grund gewesen, diese Tiere an den Hof zu holen. 2020 wurden die ersten Büffel geschlachtet. „Natürlich überlegen wir in Ruhe, wie es mit der Fleischverwertung und -vermarktung weitergehen soll. In der nächsten Zeit werden wir Gespräche wegen der Vermarktung führen, aber voranging bleiben es Weidetiere“.

Das Fleisch verfüge über geringe Fett- und Cholesterinwerte und enthalte viel Eisen und Proteine. Das Fleisch sei dunkler als von normalen Rindern und habe einen leichten Wildgeschmack.

Liebling neben den Kälbern ist Bulle Simba, der sich genüsslich hinlegt und sich kraulen lässt

Für Nachwuchs ist auch schon gesorgt. Im vergangenen Jahr kamen drei Kälber dazu. „Lisa ist immer total aus dem Häuschen, wenn die Büffel Nachwuchs bekommen haben. Neben dem Büffelnachwuchs haben wir uns vor allen Dingen über unser erstes Baby gefreut. Bei Lisa ist Sohn Emil jetzt klar die Nummer Eins“, so der stolze Papa Julian Pfaar. Aber nach wie vor hat Lisa einen besonderen Draht zu den Büffeln, die sich freuen, wenn sie mit einem Eimer voll Futter vorbeikommt. Ihr Liebling neben den Kälbern ist Bulle Simba, der sich genüsslich hinlegt und sich von ihr kraulen lässt.

„Wenn ich so die ganze Zeit Revue passieren lasse, muss ich sagen, dass wir mit den Büffeln alles richtig gemacht haben. Die Herde macht zwar Arbeit, aber die Freude und der Spaß mit den Tieren überwiegen“. Zurzeit sind die Büffel eingestallt und werden je nach Witterung im April wieder auf die Weiden kommen. (Peter Zerhau)

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