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Sie schlichten ehrenamtlich: Jürgen Finis und Ulrich Dittmar sind Schiedspersonen der Stadt Niedenstein

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Von: Cora Zinn

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Auf dem Foto sind zwei Männer zu sehen.
Sie kümmern sich ehrenamtlich um Nachbarschaftsstreitereien: Ulrich Dittmar und Jürgen Finis (von links) sind Schiedspersonen der Stadt Niedenstein. © Cora Zinn

In Niedenstein engagieren sich zwei Männer bereits mehrere Jahre ehrenamtlich als Schiedsmänner.

Niedenstein – Wenn Niedensteiner ein Problem haben, sind sie bei Jürgen Finis und Ulrich Dittmar genau an der richtigen Stelle: Die Schiedsmänner haben immer ein offenes Ohr, wenn der Haussegen unter Nachbarn mal schief hängt. Ihre Funktion als Schiedsmänner ist an ihrer Haustür kenntlich gemacht: Dort hängt jeweils ein Plakat mit der Aufschrift „Schiedsamt“.

„Unsere Hauptaufgabe sind die Tür- und Angelgespräche“, sagt Dittmar. Solche Gespräche sind ein Bestandteil des Schiedswesens. Die Leute kommen zu Finis und Dittmar, wenn sie Probleme in der Nachbarschaft haben. „Wenn die Hecken zu hochgewachsen sind oder wenn aus deren Sicht der Rasen nicht oder zu oft gemäht wird“, sagt Dittmar.

90 Prozent der Fälle erfolgreich mit Schlichtungen

Die Niedensteiner üben ihr Ehrenamt schon lang aus. Finis ist seit 2007 Schiedsmann, Dittmar seit 2017 sein Stellvertreter. „Wir haben immer ein offenes Ohr, moderieren, leiten, reden, protokollieren und am Ende schlichten wir im besten Fall“, sagt Finis. Die beiden seien in 90 Prozent der Fälle erfolgreich mit ihren Schlichtungen.

„Nur im härtesten Fall gehen die Angelegenheiten vor Gericht“, sagt Dittmar. Er ist Rentner, wohnt in Metze und züchtet Brieftauben. Finis wohnt in Niedenstein und arbeitet bei der Deutschen Post. „Die Menschen wissen, dass sie uns um Rat fragen können“, sagt Dittmar. Pro Jahr haben die beiden Männer sechs bis sieben härtere Fälle. Gespräche zwischen Tür- und Angelführen sie hingegen häufiger. „Manche überlegen es sich dann noch mal, nachdem sie uns um Rat gebeten haben. Das ist natürlich der Idealfall“, sagt Dittmar.

Für die Tätigkeit sei eine gewisse Lebenserfahrung von Vorteil und es helfe auch, die Parteien zu spiegeln

Schlichtgespräche finden meistens donnerstagabends statt. Auf neutralem Boden, im Sitzungszimmer im Niedensteiner Rathaus.

„Manche sind super vorbereitet“, sagt Dittmar. Zu den Terminen bringen einige auch Beweise, in Form von Fotos, mit. Die meisten Gespräche im Beisein der Schiedsmänner verlaufen ruhig, nur manchmal wird es etwas lauter. „Aber wir mussten noch nie die Polizei rufen“, sagt Finis. Es melden sich Niedensteiner jeden Alters bei Finis und Dittmar. „Manchmal kommen richtig alte Geschichten auf den Tisch“, sagt Dittmar. In 40 bis 50 Jahren könne sich einiges aufstauen. „Die Kunst dabei ist, ausgewogen zu schlichten“, weiß Finis. Während der Corona-Pandemie war weniger los, als befürchtet. „Eigentlich dachten wir, wenn alle viel zuhause sind, dass sich dann mehr Probleme anhäufen. Das war glücklicherweise nicht der Fall“, sagt Dittmar. Die beiden Männer üben ihr Ehrenamt gerne aus. Ein gewisser Kick wäre immer dabei: „Man weiß nie, was einen erwartet“, sagt Finis. Für die Tätigkeit sei eine gewisse Lebenserfahrung von Vorteil und es helfe auch, die Parteien zu spiegeln. „Man sollte dem Gegenüber die Sichtweise des anderen näherbringen. Das, was der andere denken würde, wenn es andersherum laufen würde“, sagt Finis. (Cora Zinn)

Gemeindliches Schiedswesen 

Das Schiedsamt ist ein Ehrenamt. Es dient der außergerichtlichen Streitschlichtung. Am häufigsten kümmern sich Schiedsmänner um Streitigkeiten im Nachbarrecht sowie um Streitigkeiten bis hin zu Verletzungen der persönlichen Ehre. Wenn eine Einigung vor dem Schiedsamt erreicht wird, wird das Verfahren durch einen Vergleich abgeschlossen. Wenn keine Einigung erreicht wird, kann dann eine Zivil- beziehungsweise Privatklage beim zuständigen Amtsgericht erhoben werden.

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