Rätsel-Tour

Stadtrundgang in Niedenstein: Per App auf jüdischen Spuren

Der Rätsel-Rundgang per Smartphone-App startet an der Evangelischen Kirche in Niedenstein an der Oberstraße.
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Der Rätsel-Rundgang per Smartphone-App startet an der Evangelischen Kirche in Niedenstein an der Oberstraße.

Eine Tour durch Niedenstein, vollgepackt mit 300 Jahren jüdischer Geschichte – das gibt es nun in einem kostenlosen Rätsel-Rundgang. Die Idee dazu hatte Pfarrer Johannes Böttner.

Niedensteiner und Besucher der Stadt können den Rundgang nun ganz bequem – und coronakonform – mit ihrem Smartphone absolvieren.

Pfarrer Johannes Böttner hat die Infos in einer App aufgearbeitet. Grundlage ist das Leben von David Silberberg, der 1921 in Niedenstein geboren wurde. Die interaktive Tour ist in zwei Teile gegliedert. Wir haben Teil eins getestet.

Der Rundgang mit dem Smartphone durch Niedenstein

Los geht’s an der Evangelischen Kirche an der Oberstraße. Parken geht vor Ort kostenlos. Die App leitet Besucher von der Kirche zur alten jüdischen Schule, der ehemaligen Synagoge bis hin zum jüdischen Friedhof außerhalb der Stadt und zurück zum Heimatmuseum.

Für den knapp 90-minütigen Spaziergang am besten bequeme Schuhe anziehen und etwas zu trinken mitnehmen: Auf dem Weg zum Friedhof gerät man bei Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen schon etwas ins Schwitzen, da es ein Stück bergauf geht.

Informieren mit der App: Pfarrer Böttner hat alle Texte eingesprochen

Einen Stadtführer braucht es nicht: Pfarrer Böttner hat alle Texte eingesprochen, sodass man sie sich von der App vorlesen lassen kann. Das gibt dem Rundgang eine persönliche Note und ist praktisch, wenn die Sonne scheint und der Handybildschirm kaum zu erkennen ist.

Außerdem sieht man so wesentlich mehr von Natur und Umgebung. Eine tolle Idee, die an einen professionellen Museumsrundgang erinnert. Wer mag, kann dafür Kopfhörer benutzen.

Rundgang durch Niedenstein: Das Rätsel

Zu den einzelnen Stationen gibt es Rätsel. Es müssen Fragen beantwortet werden, wie: „Nach welchem Krieg zog die erste jüdische Familie Heinemann nach Niedenstein?“ Oder „Welche Symbole sind auf den Grabsteinen zu sehen?“

Zu den Fragen gibt es mehrere Antwortmöglichkeiten, teilweise ist die Antwort ein Foto, das Besucher schießen und in die App hochladen. Wer aufmerksam zuhört, dürfte keine Probleme haben, die Rätsel zu lösen. Auch das Hochladen der Fotos klappt einwandfrei und zeigt, mit wie viel Liebe zum Detail der Rundgang geplant wurde.

Pfarrer hat Stadtrundgang durch Niedenstein entwickelt: Die App

Die App „Actionbound“ ist für Android- und Apple-Nutzer kostenlos. Das Herunterladen der App und der Daten für den Rundgang klappt ohne Probleme im mobilen Netz. Am Obertorplatz gibt es aber auch öffentliches W-Lan.

Über den Auswahlpunkt „In der Nähe“ wird die Tour in der Stadtkarte von Niedenstein angezeigt. Nach wenigen Klicks kann es losgehen. Am Ende des Rundgangs waren etwa 30 Prozent der Akkuladung verbraucht: Vorher also Handy aufladen oder ein mobiles Ladegerät (Powerbank) einstecken.

Die Vorbereitung auf den Rundgang: Kopfbedeckung für Männer

Im Verlauf des Rundgangs ist eine Kopfbedeckung für Männer wichtig. Der Friedhof an der vorletzten Station darf von Männern ohne Kippa oder andere Kopfbedeckung nämlich nicht betreten werden. Die extra für den Rundgang angeschafften Kippas können wegen der Hygienebestimmung während Corona nicht ausgeliehen werden. Eine Mütze oder Kappe sind für den Besuch auf dem Friedhof aber auch ausreichend.

Den Schlüssel für den Friedhof verwaltet die Stadt Niedenstein. Unbedingt vorher anrufen, Tel. 0 56 24 / 9 99 30. Der Rundgang ist auch ohne Schlüssel möglich: Von der kleinen Gasse aus ist der Friedhof aus der Entfernung zu sehen.

Hintergrund des Rundgangs durch Niedenstein: Auf den Spuren jüdischer Familien

Niedenstein hat eine rund 300-jährige jüdische Geschichte. Der App-Rundgang basiert auf dem Leben von David Silberberg, der 1921 in Niedenstein geboren wurde und ein Nachfahre der ältesten Niedensteiner Familien Seligmann und Heinemann, war.

Die Tour basiert auf zwei Vorträgen: Zum einen auf dem Vortrag von Horst Eubel über die jüdische Geschichte Niedensteins. Zum anderen auf dem Vortrag, den Gesine Schmidt über David Silberberg geschrieben hat für eine Veranstaltung, bei der die Kinder und Enkel von David Silberberg in Niedenstein zu Besuch waren.

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