Per Video mit Oma sprechen

Niedensteiner Altenheim ermöglicht Senioren Videotelefonie

Sieht ihre Liebsten während der Coronakrise nur bei Videoanrufen: Waltraud Zimmermann, Bewohnerin des Awo-Seniorenzentrums in Niedenstein. 
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Sieht ihre Liebsten während der Coronakrise nur bei Videoanrufen: Waltraud Zimmermann, Bewohnerin des Awo-Seniorenzentrums in Niedenstein. 

Videoanrufe bei den Enkelkindern statt gemeinsame Nachmittage am Kaffeetisch: Die gibt es derzeit im Awo-Seniorenzentrum Niedenstein.

Damit die Bewohner trotz Besuchsverbot während der Coronapandemie weiterhin ihre Liebsten sehen können, hat Einrichtungsleiter Stefan Kundelov einen Tabletcomputer angeschafft.

Ein Angebot, was viel Neugierde und Begeisterung auslöst: „Die Bewohner und deren Angehörige freuen sich sehr, dass sie sich auf diesem Wege sehen können. Manche Senioren nutzen das Angebot sogar täglich, um bei ihren Kindern oder Enkeln anzurufen“, berichtet Kundelov.

Das Tablet sei den ganzen Tag im Einsatz und ein großer Gewinn für seine Einrichtung. Eine zeitliche Begrenzung oder eine Warteliste für die Nutzung gebe es dabei aber nicht. „Jeder darf das Tablet so lange nutzen, wie er will.“

Stefan KundelovEinrichtungsleiter

Zusätzlich stelle man während der Coronakrise allen Bewohnern kostenlos ein Festnetztelefon auf den Zimmern zu Verfügung: „Die meisten freuen sich über das Angebot der Videoanrufe, manchen reicht es aber auch auf dem altbekannten Weg am Telefon mit ihren Familien zu sprechen.“

Die Videoanrufe werden von den Mitarbeiter für die Bewohner eingeleitet, wegen den Terminen stimme man sich mit den Angehörigen vorher über den Messengerdienst WhatsApp oder per E-Mail ab, erklärt der Einrichtungsleiter. „Steht die Verbindung, können die Senioren privat und ungestört mit ihren Angehörigen sprechen.“

Das sei der große Vorteil der Videotelefonate, denn Privatsphäre gebe es bei Gesprächen am offenen Fenster oder vom Balkon in den meisten Fällen nicht. Die sei aber wichtig, damit sich die Bewohner sorglos mit ihren Familien unterhalten könnten. Es geht nicht darum, nur Kontakt zur Außenwelt zu halten, die Bewohner blühen bei den Gesprächen per Video richtig auf: Glücklich erzählt Kundelov, wie sehr sich die Bewohner freuen, wenn sie ihre Angehörigen auf dem Bildschirm sehen.

Das sei wirklich rührend, teils seien dabei auf beiden Seiten schon Freudentränen geflossen, berichtet der Einrichtungsleiter. „Manchmal singen die Enkelkinder für ihre Großeltern oder zeigen ihnen Bilder, die sie gemalt haben“, ein paar Familien hätten auf diesem Wege sogar gemeinsam den Osterkaffee getrunken.

Die Anrufer per Video seien ebenfalls für die Angehörigen eine tolle Möglichkeit zu sehen, dass es den Eltern und Großeltern gut geht: „Ich habe das Gefühl, als leiden sie mehr unter dem Besuchsverbot als unsere Bewohner“, so Kundelov. Schließlich seien die Besuche auch immer eine Absicherung, dass es Oma und Opa gut ginge.

Das Tablet werde aber nicht nur für Videoanrufe bei der Familie genutzt: Pfarrer Böttner aus Niedenstein stellt Videos ins Internet als Alternative zum Gottesdienstbesuch (HNA berichtete), diese erfreuten sich auch großer Beliebtheit bei den Senioren. „Allerdings müssen die Bewohner diese Videos alleine anschauen, denn Gruppenangebote sind im Moment auch verboten.“

Inzwischen sei die Nutzung des Tablets so beliebt bei den Bewohnern, dass Kundelov ein zweites Gerät anschaffen will.

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