Videotagebuch für die Gemeinde

Niedensteiner Pfarrer führt Videotagebuch

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Seine Kirche bleibt aktuell leer: Pfarrer Johannes Böttner von der Evangelischen Kirchengmeinde in Niedenstein-Wichdorf nimmt Videos auf und stellt diese auf die Videoplattform YouTube.

Er singt, hält Predigten und reflektiert für seine Kirchengemeinde die Einschränkungen, denen durch die Coronakrise derzeit jeder Mensch ausgesetzt ist.

Das Ungewöhnliche daran: Pfarrer Johannes Böttner (35) tut das für die evangelische Kirchengemeinde Niedenstein-Wichdorf nicht mehr in der Kirche, sondern online. Er dreht kleine Videos, um mit seiner Gemeinde in Kontakt zu bleiben, und lädt sie auf der Videoplattform Youtube hoch.

„Natürlich müssen die Videos anders als ein normaler Gottesdienst gestaltet sein“, sagt der Pfarrer. Seine Videos sind meist etwa fünf Minuten lang – und zu Beginn noch etwas wacklig. Inzwischen hat sich Böttner aber professionalisiert und filmt sich nicht mehr mit dem Smartphone, sondern mit einer Kamera.

Vlogs für die Gemeinde

Im Format des Vlogs, also eines Videotagebuchs, spricht er darüber, dass die Absage von Gottesdiensten zwar ein Einschnitt im sozialen Leben sei, aber auch ein Ausdruck von Nächstenliebe. In einem anderen Video wiederum filmt er sich im Pfarrgarten und reflektiert über Einschränkungen, stellt die Frage nach Gelassenheit und Hoffnung. Er zeigt Fotos von ersten Frühlingsboten und unterlegt das Video mit eigenem Gesang.

Aus seiner Gemeinde habe Böttner viele positiv, teils emotionale Rückmeldungen erhalten: „Einige Menschen haben mir berichtet, sie hätten Tränen in den Augen gehabt.“ Aber nicht nur regelmäßige Gottesdienstbesucher schauen sich an, was der Pfarrer auf Youtube so hochlädt: „Andere, eher kirchlich Distanzierte haben mir berichtet, dass Sie meine Videos bei ihren normalen Ritualen zum Beispiel Frühstücken oder Fitness angeschaut hätten.“

Videotagebuch aus der Kirche: Idee entstand im Januar

Besonders anrührend fand Böttner, dass sein Gottesdienst im Labor einer Apotheke lief, während dort Desinfektionsmittel in Eigenproduktion hergestellt wurde.

Die Idee zu den Videos kam dem Pfarrer bereits im Januar. „Ich habe mir viele Videos auf den Kanälen „Anders Amen“ und „TheresaLiebt“ angeguckt“, so Böttner. Dort sprechen Pfarrerinnen über Religion, Glauben und Kirche. „Allerdings sind diese Videos viel professioneller gemacht als meine“, sagt er.

Pfarrer Johannes Böttner filmt sich mit dem eigenen Handy.

Böttner habe sich gefragt, ob es überhaupt noch nötig sei, eigene Videos ins Internet zu stellen, wenn es bereits ein großes Angebot gibt. Dennoch entschied er sich dafür: „Die Menschen wünschen sich einen Bezug zu ihrer Gemeinde, sie wollen ihren eigenen Pfarrer sehen“, sagt Böttner, der sich als Social-Media-Affin beschreibt.

In seiner Kirche gebe es 250 Plätze, seine Videos haben mehr als 300 Aufrufe: „Man kann also sagen, dass das der am besten besuchte Gottesdienst seit Jahren war“, scherzt Böttner. Auf YouTube ist er unter„Pfarrer Johannes Böttner“ zu finden.

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