Viele Kinder aus umliegenden Städten und Gemeinden betroffen

Niedensteiner Waldkindergarten steht vor der Schließung

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Wollen ihre Kita im Wald erhalten: (hinten von links) Diana Barthel, Eva Huber, Matthias Barthel, (vorne von links:) Cornelius Kusber (2), Luisa Kusber, Kiran Barthel (6), Enya Barthel (4) und Sam Huber (2). 

In der Kita im Niedensteiner Wald entdecken die Kinder das ganze Jahr über die freie Natur. Doch damit könnte bald Schluss sein. Die Kita sucht dringend einen neuen Träger.  

Umgeben von Bäumen statt von Wänden und Türen und ausgerüstet mit Matschhosen, Gummistiefeln und mehreren Schichten Kleidung: Der Waldkindergarten in Niedenstein bietet derzeit 16 Kindern viel Platz, um Abenteuer zu erleben und die Natur zu erkunden. „Es ist ein Paradies, das wir für die Kinder erhalten wollen“, sagt Matthias Barthel, dessen Kinder den Waldkindergarten in Niedenstein besuchen.

Dessen Gründer, Güntherdieter Fricke, ist erkrankt und kann die Geschäfte nicht mehr weiterführen. Seit Oktober sind die Eltern und die drei Erzieher auf der Suche nach einem Nachfolger. Sollte sich bis Ende des Jahres keiner finden, müsste der Kindergarten, der aus einem Bauwagen als Basislager und einem echten Indianer-Tipi besteht, schließen. „Es gab zwei Interessenten, die offen für das Konzept waren“, berichtet Mutter Eva Huber. Gescheitert sei es an der Finanzierung, obwohl die Stadt Niedenstein etwa 80 Prozent der ungedeckten Kosten übernimmt.

„Die Eltern sind von dem Konzept des Waldkindergartens so überzeugt, dass sie auch weitere Wege auf sich nehmen“, sagt Eva Huber. Die meisten der Kinder kommen unter anderem aus Baunatal, Naumburg, Schauenburg, Wabern und Jesberg in den Staatswald bei Niedenstein.

Das Geld für die Betreuung dieser Kinder streckt die Stadt vor und holt es sich von den jeweiligen Kommunen wieder, erklärt Bürgermeister Frank Grunewald. Diesen Zuschuss bekommt auch der neue Träger, versicherte Grunewald und betonte: „Wir befürworten die Vielfalt des Betreuungsangebotes.“ Für die Niedensteiner Kinder gäbe es zwar genug Kitaplätze, aktuell sei auch nichts in der Richtung geplant – er könne sich allerdings mittelfristig einen Waldkindergarten in kommunaler Regie vorstellen.

Doch bis dahin wird die Zeit knapp für die Kinder. Die Eltern seien bereit, ihre Beiträge bis zu einer gewissen Grenze zu erhöhen, sagt Eva Huber. Trotzdem: Die 20 Prozent der ungedeckten Kosten müssten vom neuen Träger gestellt werden.

Das kann auch eine Privatperson sein, der sich mit Waldpädagogik auskennt, sagt Matthias Barthel. Die Eltern und Erzieher wünschen sich einen Nachfolger, der hinter dem Konzept der Kita steht. Das bedeutet vor allem, dass die Kinder von Mutter Natur lernen.

Bei jedem Wetter draußen

Natur pur, und zwar jeden Tag, das erleben die Kinder im Waldkindergarten Niedenstein. Sie klettern, rutschen, balancieren, rennen und leben den natürlichen Drang zur Erforschung der Natur aus – ob bei Regen, Wind oder Schnee. „Den Kindern werden nur wenig fertige Spielzeuge geliefert“, sagt Mutter Eva Huber. 

Bücher, Bastelmaterial und Werkzeug wird im Bauwagen gelagert. Ansonsten nutzen die Kinder die natürliche Umgebung. Je nach Bedarf wird ein Ast zur Säge, einem Zauberstab oder Kochlöffel. Ob Sprache, Bewegung oder Feinmotorik – der Wald selbst ist das Klassenzimmer. Die Kinder lernen Bäume und Pflanzen kennen und wofür man sie einsetzen kann. So lernen sie, dass das Spitzwegerich-Kraut nach Stichen als Notfallkraut eingesetzt werden kann. „Grundsätzlich haben wir sehr wenige Unfälle und Stürze“, sagt Mutter Eva Huber. 

Auch Kinder mit besonderen Bedürfnissen finden im Wald ihren Platz. „Wenn sie vorher Auffälligkeiten gezeigt hatten, kommen sie im Wald zur Ruhe.“ Dort gibt es keine überfüllten Räume, kein Lärm erhöht den Stresspegel. Auch auf die Schule werden die älteren Kinder vorbereitet, etwa in Kooperation mit der Grundschule. 

Im Wald lernen die Älteren unter Aufsicht schnell, Verantwortung zu übernehmen. Dabei sind Regeln unverzichtbar: So werden Beeren, Pilze oder andere Pflanzen nicht gegessen, Tiere und deren Schlafstätten werden in Ruhe gelassen. „Man kann den Kindern vertrauen, auch, dass sie ihre eigenen Grenzen kennen.“

Kontakt:Interessierte können sich bei Matthias Barthel unter Tel. 0177/ 588 66 36 oder per E-Mail unter matthias-diana-barthel@web.de melden.

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