Nur Stück für Stück

Sanierung ist wie ein Puzzle: Niedensteiner Kirche voraussichtlich noch sechs Jahre Baustelle

Schaubild der Schäden: Pfarrer Johannes Böttner zeigt Löcher von Probebohrungen und Risse in der Wand.
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Schaubild der Schäden: Pfarrer Johannes Böttner zeigt Löcher von Probebohrungen und Risse in der Wand.

Noch bis voraussichtlich 2027 wird es dauern, bis die Niedensteiner Kirche saniert sein wird. Wir waren auf der Baustelle und haben uns erklären lassen, warum alles nur Stück für Stück funktioniert.

Niedenstein –„Wir hatten schon länger keine Hochzeit mehr hier“, erzählt Pfarrer Johannes Böttner und macht eine ausladende Geste in den Raum. Er steht inmitten der Niedensteiner Kirche zwischen Jahrhunderte alten Bänken, einer kleinen Orgel und der Kanzel. Durch die bunt bemalten Plexiglasscheiben, die die Kirchenfenster ersetzen, fällt Licht. Noch im Januar soll mit der Erneuerung der Deckenbalken begonnen werden.

Ein winziges Puzzleteil eines Projekts, das bereits 2008 begann – und voraussichtlich noch bis 2027 andauern wird.

An der Niedensteiner Kirche nagt der Zahn der Zeit. Sie muss dringend saniert werden. Umsetzen lässt sich das allerdings nur Stück für Stück. Der Kirche fehlt das Geld. Jahr für Jahr müssen Anträge für neue Bauvorhaben gestellt werden: Deckenbalken, Dach und Blitzschutz, Innensanierung. Der Kirchenkreis entscheidet, was genehmigt wird. Denn die evangelische Kirchengemeinde Niedenstein-Wichdorf ist bei Weitem nicht die Einzige, die ihre Kirche wieder in Schuss bringen muss. Der Kirchenkreis ist groß.

„Wir in Niedenstein werden reichlich bedacht“, betont Pfarrer Johannes Böttner. Pfarrhaus und Gemeindehaus wurden bereits saniert, 2008 wurde der Kirchenturm gesichert, 2018 folgten aufwändige Fundamentarbeiten, weil die Kirche den Hang hinunterrutschte. „Der Sandsteinsockel wurde mit Betonklötzen abgesichert“, erklärt Böttner. Etwa 140 Stahlanker seien zur Stabilisierung im Stein versenkt worden. Allein die Sanierung der denkmalgeschützten Wilhelmsorgel kostete 260 000 Euro. Neben dem Kirchenkreis gaben weitere Stellen Geld dafür. Für den Austausch der verfaulten Deckenbalken stellt die Kirche 2021 weitere 80 000 Euro bereit. „Wir haben Glück, dass wir den Zuschlag erhalten haben“, sagt der Pfarrer.

Und dennoch: Die Niedensteiner müssen Geduld beweisen. Die originalen Kirchenfenster etwa liegen seit 2016 kaputt in einer Werkstatt. Für das neue Dach und den Blitzschutz soll für 2022 Geld beantragt werden. 2023 bis 2025 soll die Innensanierung vorangebracht werden. Innenwände gilt es, zu stabilisieren und mit Stahlelementen zu sichern. „Die geben Halt, damit die Kirche keine Risse mehr bekommt“, erklärt Böttner. Heizung, Boden und Elektrik benötigen ebenfalls eine Modernisierung. Dafür ist eine komplette Sperrung der Kirche notwendig. Böttner rechnet damit, dass es noch sechs Jahre dauern wird, bis die Kirche komplett saniert ist. „Mit ein bisschen Glück sind wir 2027 zum 250. Geburtstag der Kirche fertig.“

Der Pfarrer möchte nicht, dass seine Aufzählung als Klage verstanden wird. Ohne den geschwisterlichen Blick auf die Nachbargemeinden funktioniere es nicht. „Die Kirche Kurhessen-Waldeck will an den Kirchen festhalten. Das ist eine riesige Aufgabe.“

Annähernd eine Million Euro muss noch in die Niedensteiner Kirche investiert werden, bis sie wieder aufgehübscht ist. Aus der eigenen Kirchengemeinde kamen laut Johannes Böttner bisher 50 000 Euro an Spenden zusammen. So will die Gemeinde ihren Beitrag zur Sanierung leisten. (Chantal Müller)

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