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Sattes Grün aus Kirchberg: Niedensteiner haben den Rasenhof gegründet

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Von: Peter Zerhau

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Michael Löber, Ehefrau Jennifer mit Baby Erik und Julian Pfaar stehen vor geerntetem Rollrasen.
Da stehen sie vor dem satten Grün: Michael Löber, Ehefrau Jennifer mit Baby Erik und Julian Pfaar (von links) sind echte Experten, wenn es um den heimischen Rasen geht. Das Team vom Rasenhof Kirchberg sorgt dafür, dass auf 110 000 Quadratmetern Rollrasen wächst, der geerntet und verkauft wird. © Peter Zerhau

Einen ungewöhnlichen Landwirtschaftsbetrieb führen drei Kirchberger seit nunmehr drei Jahren. Statt Getreide oder Raps wächst auf den Feldern Rasen.

Kirchberg – Einen satt grünen Rasen rund um das Haus hat jeder Hausbesitzer gern. Doch bis dieser nach der Einsaat so ist, vergeht viel Zeit. Viel schneller geht es mit Rollrasen, der einfach auf dem vorbereiteten Boden verlegt wird. Diese Geschäftsidee, Rollrasen anzubauen und zu verkaufen, hatten 2019 das Ehepaar Löber und Julian Pfaar aus dem Niedensteiner Stadtteil Kirchberg.

Das Ehepaar Löber hat den aus 1961 stammenden Hof am Ortsrand von Kirchberg 2014 gekauft und die zwei Agraringenieure wollten dort etwas Pflanzenbauliches machen: „Es musste eine Kultur sein, die auf wenig Fläche mit hoher Nutzungsintensität wirtschaftlich ist.“

Über einen Freund in Kanada kam Michael Löber auf die Idee mit dem Rollrasen. Der Bekannte hatte seinen Betrieb auf die Produktion von Rollrasen umgestellt. Da Nordhessen in diesem Bereich ein weißer Fleck war, stand der Entschluss fest. Mit Julian Pfaar, der einen Hof in der Nachbarschaft mit weiteren Flächen bewirtschaftet, setzten sie den Plan in die Tat um und gründeten 2019 den Rasenhof Kirchberg. Noch im gleichen Jahr erfolgte die erste Einsaat, im Jahr darauf wurden die ersten Quadratmeter mit einer speziellen Maschine geerntet, die Michael Löber von Kanada nach Kirchberg holte.

Die drei Rollrasenproduzenten hatten zu Beginn einen Hektar Anbaufläche zur Verfügung, heute wächst Rasen auf 110 000 Quadratmetern, wo von März bis November je nach Wetterlage geerntet wird. „Bei Frost, wenn der Boden gefroren ist, können wir mit der Maschine nichts ausrichten, ansonsten sind wir das ganze Jahr über lieferfähig“, sagt Michael Löber. Am besten lässt sich Rollrasen im Frühjahr und im Herbst verlegen, im Sommer müssen die Kunden meist sehr viel wässern.

Die vielen Quadratmeter Rollrasen werden mit einer speziellen Maschine geerntet. Nach der Ernte werden die Rollen gestapelt.
Die vielen Quadratmeter Rollrasen werden mit einer speziellen Maschine geerntet. Nach der Ernte werden die Rollen gestapelt. © Peter Zerhau

Die Pflege

Nach der Einsaat ist die Rasenfläche sehr pflegeintensiv. Wenn der Rasen eine gewisse Höhe hat, muss jeden zweiten Tag gemäht werden, bis zur Ernte an die 120 Schnitte.

Durch das ständige Mähen wird der Rasen schön dicht, Beikräuter haben dann keine Chance, groß zu werden. Dazu wird der Rasen regelmäßig, aber sparsam, mit Stickstoffdünger versorgt. Zusätzliche Nährstoffe bekommt der Rasen durch das Mulchen. Falls ein regelmäßiges Mähen wetterbedingt nicht möglich ist, wird mit einer Art Fangkorb gemäht. Zusätzlich werden die Rasenflächen zwei Mal pro Jahr gewalzt, so dass die Flächen schön eben sind, was für den Einsatz der Rasenschälmaschine notwendig ist.

Frisch vom Hof

Der Rollrasen geht nur nach Bestellung frisch geschält vom Hof und sollte vom Kunden innerhalb von 24 Stunden verlegt werden. Die belegende Fläche wird genauso vorbereitet wie für eine normale Aussaat mit Rasensaatgut. Sie muss eben und so gewalzt sein, dass keine Fußabdrücke auf der Fläche zu sehen sind. In den ersten 14 Tagen muss der verlegte Rollrasen intensiv bewässert werden, damit die Rasenrollen gut anwachsen können. Gedüngt werden sollte der Rollrasen wie jede andere Rasenfläche in regelmäßigen Abständen, vor allem im Frühjahr und im Herbst.

Nachhaltigkeit

Die zwei Zentimeter dicke Rasensode ist 0,9 Quadratmeter groß, wiegt je nach Feuchtigkeit zwischen 15 und 18 Kilo und besteht zum Großteil aus Wurzeln und dem sogenannten Rasenfilz. Auch ein kleiner Anteil an Bodenmineral wird bei der Ernte abgetragen. Wissenschaftlich belegt ist aber, dass der Aufbau von organischer Substanz in Form von Wurzelmaße und Bodenorganismen im Boden größer ist als der Bodenabtrag bei der Ernte des Rasens. Auch in Sachen CO2-Fußabdruck kann dem Rollrasen eine positive Bilanz nachgewiesen werden. Die sehr dichte Grasnarbe bindet durch ihre immense Photosyntheseleistung mehr CO2 als für die Produktion verbraucht wird.

Bei der Arbeit: Julian Pfaar rollt den Rasen mit Hilfe einer speziellen Maschine auf. Rechts sitzt Michael Löber am Steuer. Löber holte die Maschine extra aus Kanada nach Kirchberg.
Bei der Arbeit: Julian Pfaar rollt den Rasen mit Hilfe einer speziellen Maschine auf. Rechts sitzt Michael Löber am Steuer. Löber holte die Maschine extra aus Kanada nach Kirchberg. © Peter Zerhau

Pflegetipps

Frühjahr: Rasen harken, um Luft an die Grasnarbe zu bringen und um die Bestockung anzuregen. Erste Gabe Rasendünger (10g Stickstoff/m²) im März nach dem Mähen ausbringen, kurz vor dem Regen (wichtigste Düngegabe im Jahr), eventuell kalken, der pH-Wert sollte zwischen 5,5 und 7,0 liegen. Generell den Rasen regelmäßig auf vier bis sechs Zentimeter kurz mähen. Acht Wochen später im Mai zweite Gabe Rasendünger (5g Stickstoff/m²) anwenden.

Sommer: Je nach Wachstum wöchentlich mähen, aber nicht kürzer als vier Zentimeter. Nach etwa acht Wochen (Juli) die dritte Gabe Rasendünger (5g Stickstoff/m²) ausbringen. Nur bei langer Hitzeperiode zwei Mal in der Woche den Rasen morgens oder abends mit 15 bis 20 Liter Wasser/m² wässern.

Herbst: Nicht mehr so oft mähen, Laub und Stöcke beseitigen, vierte Gabe Rasendünger (5g Stickstoff/m²) im September/Oktober ausbringen, damit der Rasen gut über den Winter kommt.

Winter: Winterschlaf, bei Frost den Rasen am besten nicht betreten, damit die Halme nicht abknicken und Schneeschimmel keine Chance hat. (Peter Zerhau)

Kontakt: Rasenhof Kirchberg, Rieder Straße 20, Kirchberg, Tel. 01 59/03 77 16 52 oder 0 56 03/9 48 92 71, Email: info@rasenhof-kirchberg.de

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