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Stollwerck-Saga: Rebekka Knoll veröffentlicht zweiten Teil von Familiensaga

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Von: Sascha Hoffmann

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Rebekka Knoll sitzt hinter ihren beiden Bänden zur Schokoladendynastie Stollwerck.
Rebekka Knoll schreibt unter dem Pseudonym Rebekka Eder über die Schokoladendynastie Stollwerck. Gerade ist der zweite Band erschienen. © Rebekka Knoll

Rebekka Knoll hat den zweiten Teil ihrer Familiensaga „Die Schokoladenfabrik“ zur Stollwerck-Dynastie veröffentlicht.

Metze - Seit ihrem Studium veröffentlicht Rebekka Knoll Romane, veranstaltet Lesungen und Schreibwerkstätten. Sie hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht, das gilt auch, wenn sie unter dem Pseudonym „Rebekka Eder“ schreibt. Warum sie sich das zugelegt hat, auf was sich die Besucher ihrer Lesung am Freitag in Gudensberg freuen können, verrät sie zur Veröffentlichung des zweiten Teils von „Die Schokoladenfabrik“.

Hat sich Ihr Schokoladen- oder Hustenbonbonkonsum erhöht?

Der war ohnehin schon immer ziemlich hoch. Jetzt darf ich aber sogar beruflich schnucken – ein Traumjob!

Wie ist es dazu gekommen?

Ich arbeite an einer Familiensaga zur Schokoladendynastie Stollwerck. Sie erzählt, wie ein Bäcker im 19. Jahrhundert mit seiner Familie zum Süßigkeitenfabrikanten aufsteigt, und wie sein Unternehmen Anfang des 20. Jahrhunderts zum Inbegriff von Schokolade werden konnte. Vor wenigen Tagen ist der zweite Band erschienen.

Wie ist es, wenn man plötzlich in so eine Süßigkeitendynastie eintaucht?

Ich liebe es. Die Sinnlichkeit, die großen Familienkonflikte und die hoch spannenden gesellschaftspolitischen Entwicklungen. Gerade in den heutigen, schrecklichen Krisenzeiten tut es gut, zwischendurch an etwas anderes denken zu können. Und die Stollwercks reißen mich schnell in ihren aufregenden Strudel aus bahnbrechenden Ideen, großen Visionen und tiefen Gefühlen.

Wie viel hat Ihre eigene Fantasie zur Geschichte beigesteuert?

Tatsächlich gibt es sehr viel über die Stollwercks zu entdecken. Im Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchiv in Köln lagern zahlreiche persönliche Briefe, Verträge, Zeitungsanzeigen, Bilder und Sammelalben der Familie. Ich war mehrfach dort, um ins 19. Jahrhundert einzutauchen und den Menschen von damals nahezukommen. Sehr vieles, von dem ich in meinen Romanen erzähle, ist tatsächlich so passiert. Natürlich gibt es aber auch viele Leerstellen, vor allem das Leben der Frauen betreffend. Man weiß zwar, dass sie im Unternehmen mitgearbeitet haben, aber nicht, in welchem Ausmaß. Hier hat meine Fantasie das Ruder übernommen. Ich habe Lücken gefüllt und eigene Ideen eingebracht, um eine spannende und runde Geschichte erzählen zu können. Was wahr und was erfunden ist, erfährt man im Nachwort des jeweiligen Bands.

Warum verwenden Sie das Pseudonym Rebekka Eder?

Pseudonyme haben häufig den Zweck, Leser nicht zu verwirren. Als Rebekka Knoll schreibe ich in einem anderen Stil, ich verwende andere Erzähltechniken. Unter Rebekka Eder schreibe ich ausschließlich historische Romane. Auch für mich selbst ist dieser Name hilfreich – er unterstützt mich dabei, eine andere Seite von mir als Autorin auszuleben.

Ist dieses Genre eines, in dem Sie sich wohlfühlen?

Sehr. Wenn ich historisch schreibe, verschwindet die gegenwärtige Welt um mich herum. Außerdem ist die Recherche spannend. Nichts inspiriert mich so sehr wie Briefe in Kurrentschrift – auch wenn ich sie kaum lesen kann – alte Werbebildchen für Schokolade oder eine zerbrechlich gewordene Frauenzeitschrift von 1893.

Der zweite Band über die Schokoladendynastie Stollwerck ist relativ schnell nach dem ersten Teil erschienen. Ist die ganze Reihe schon fertig?

Band eins und zwei habe ich direkt nacheinander geschrieben. Jetzt arbeite ich gerade an Band drei, der voraussichtlich nächstes Jahr im Frühling erscheinen wird.

Worum geht es im neuen, zweiten Band?

Teil zwei beginnt direkt in der Fabrik. Die Söhne der Familie drängen ins Unternehmen und sprechen sich für eine Konzentration auf die Schokolade aus. Dampfmaschinen ersetzen die bisher mühevolle Handarbeit, gleichzeitig bahnt sich ein großer Streit zwischen Vater und Söhnen an. In dieses umtriebige Familienunternehmen soll Apollonia Krusius einheiraten. Früher wurde sie als Wunderkind bezeichnet, doch nach dem Tod ihres Vaters platzt ihr Traum vom Studium. Vom Heiraten hält sie wenig, dann aber verliebt sie sich. Und bald bekommt sie auch noch die Chance, in der Schokoladenfabrik ihr großes Talent als Erfinderin unter Beweis zu stellen.

Nach unserem Artikel zum ersten Teil hat sich eine ehemalige Mitarbeiterin der Stollwercks gemeldet. Was ist daraus geworden?

Ich konnte kaum glauben, dass ich tatsächlich ein ehemaliges Stollwerckmädchen am Telefon hatte. Ich bin kurz darauf zu ihr gefahren, und wir haben zusammen einen Kaffee getrunken. Es wurde ein angenehmes und spannendes Gespräch. Der Kölsche Frohsinn war richtig spürbar, es war fast, als würde ich mit einer meiner Romanfiguren sprechen. Sie hat in den 1960er-Jahren bei Stollwerck gearbeitet und konnte mir viel über das Leben als Stollwerckmädchen erzählen. Zum Beispiel war es sehr interessant zu hören, dass die Fabrik in ihrer Zeit schon als relativ altmodisch galt – während sie im 19. Jahrhundert zu den modernsten der Welt zählte.

Warum sollte man sich Ihre Lesung zum ersten Teil von „Die Schokoladenfabrik“ in Gudensberg nicht entgehen lassen?

Wegen der Bonbons natürlich, die der Aufbau-Verlag verschenkt. Und wegen meiner Schwester Carina Knoll, die für uns singt – ich persönlich kann das nicht oft genug hören. Außerdem wegen unseres Musikers und Sprechers Lukas Prelle. Es wird eine musikalisch-szenische Lesung – mit Bonbons! Und zugleich eine kleine Zeitreise ins 19. Jahrhundert. (Sascha Hoffmann)

Info: Die Lesung beginnt am Freitag, 25. März, um 19 Uhr im Gudensberger Bürgerhaus. Karten kosten an der Abendkasse fünf Euro. Die Veranstaltung findet unter den aktuellen Hygienevorschriften statt.

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