Willi Grunewald aus Niedenstein ist für seine Mitmenschen da

Willi Grunewald aus Niedenstein erhält das Bundesverdienstkreuz

Mann mit Anzug steht vor Büschen
+
Erhielt eine der höchsten Auszeichnungen der Bundesrepublik Deutschland: Willi Grunewald ist nun Träger des Verdienstkreuzes am Bande.

„Willst Du was trinken? Es ist alles hier!“ Willi Grunewald läuft über den großen Hof. Er lächelt. „Lass’ uns reingehen, die Sonne brennt hier so.“ Der 80-Jährige zeigt auf ein Gebäude auf dem Hof. Willi Grunewald ist Träger des Verdienstkreuzes am Bande. Umgangssprachlich wird es Bundesverdienstkreuz genannt.

Niedenstein - Es ist eine der höchsten Auszeichnungen, die die Bundesrepublik Deutschland zu vergeben hat. Grunewald engagierte sich über vier Jahrzehnte in der Kommunalpolitik – und erhielt das Bundesverdienstkreuz für sein vielfältiges Engagement für die Gesellschaft.

„Das hat sich jetzt schon länger hingezogen. Das ganze Verfahren dauerte knapp drei Jahre, dann sollte ich das Kreuz schon Anfang des Jahres bekommen. Durch Corona hat sich das verschoben“, sagt Grunewald und lacht. Die Laufbahn des gebürtigen Lohners war vorbestimmt. Mit 14 Jahren wurde der heute 80-Jährige Lehrling in der Schreinerei seines Vaters und blieb als Geselle im Betrieb. Als der Vater an einer Nervenentzündung erkrankte, führte Grunewald den Betrieb weiter.

1965 heiratete er die Tochter eines Landwirts aus Kirchberg. Das Ehepaar übernahm die Landwirtschaft, baute am Ortsausgang einen Aussiedlerhof. „Ich habe fast alles selbst gemacht. An jedem Haus habe ich mitgearbeitet. Hier steckt viel Eigenleistung drin“, so Grunewald. Anfang der 70er-Jahre gab er seine Tätigkeit als Schreiner auf und widmete sich dem Ausbau des Aussiedlerhofes und der Landwirtschaft.

Das war der Startschuss für jahrzehntelanges Engagement in dem Ort, der seither die Heimat des 80-Jährigen ist. Als die Gemeinde Kirchberg 1972 Stadtteil der Stadt Niedenstein wurde, entschloss er sich, mitzugestalten. Der Vater zweier Söhne wurde Stadtverordneter und Fraktionsvorsitzender der CDU in der Stadtverordnetenversammlung. Den Posten als stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher hielt er 44 Jahre lang inne – so lange wie niemand sonst. Der Kirchberger gilt als einziger Kommunalpolitiker, der seit der Gebietsreform ohne Unterbrechung in den Gemeindegremien ehrenamtlich mitgearbeitet hat.

In Stadtverordnetenversammlung, in Haupt- und Finanzausschuss sowie der Verbandsversammlung des Abwasserverbandes Mittleres Emstal widmete sich Grunewald dem Haushalt der Stadt, der Finanzierung von Bauprojekten, der Zusammenarbeit mit Handwerks- und Gewerbebetrieben, den Belangen der Land- und Forstwirtschaft und der Förderung von Vereinen. „Ich lernte interessante Menschen kennen. Die Arbeit hat mir viel zurückgegeben“, erzählt er.

Engagement zeigte der ehemalige Betriebsschreiner der Firma Hengstenberg, auch bei einem Vorfall 1978: Nach einem Zusammenstoß eines Autos mit einem landwirtschaftlichen Fahrzeug, fing dieses Feuer. Die Fahrerin konnte sich nicht befreien. Grunewald half und erhielt die Plakette „Kavalier der Straße“.

Die Liste seiner Auszeichnungen ist lang: 2004 wurde ihm der Ehrenbrief des Landes Hessen verliehen. Seit 2016 ist er „Ehrenstadtverordneter“, von der CDU Deutschland wurde er mit der Silbernen Ehrennadel ausgezeichnet.

Im Fußballverein Rot-Weiß Kirchberg war er 35 Jahre als Spieler aktiv. Auch auf seine Initiative hin wurde die Spielgemeinschaft Kirchberg-Lohne gegründet, die bis heute besteht. Auf Grunewalds Drängen gründete sich 1984 eine Jagdgenossenschaft in Kirchberg, er war Schatzmeister, im geschäftsführenden Vorstand der Waldgenossenschaft Kirchberg und im Vorstand des Heimat- und Geschichtsvereins.

Auf die Zukunft blickt er besorgt. „Es finden sich kaum Leute für wichtige Posten. Beim Fußball müssen wir Schiedsrichter aus anderen Gemeinden engagieren.“ Er wünscht sich, dass sich durch die Coronakrise Menschen wieder auf die Gemeinschaft besinnen. „Alles was du machst und gibst, kommt irgendwann wieder.“ (Philipp Lorenz)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.