Er machte sich besonders für den Nachwuchs stark 

Wolfgang Paetsch geht nach 50 Jahren bei der Stadt Niedenstein

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Wolfgang Paetsch auf der bunten Partnerschaftsbank: Um die deutsch-französische Freundschaft hat er sich als Koordinator gerne gekümmert. 

Wolfgang Paetsch ist wohl der letzte Beamte auf Lebenszeit in städtischen Diensten. Warum es in 50 Jahren in der Stadtverwaltung Niedenstein nie langweilig wurde, hat er uns verraten. 

Wer glaubt, dass ein Job in der öffentlichen Verwaltung vor allem langweilig ist, der wird eines Besseren belehrt, wenn er sich mit Wolfgang Paetsch unterhält. 

Der bald 65-Jährige hat sein fast 50 Jahre umfassendes Arbeitsleben in der Stadtverwaltung verbracht und empfand es mitnichten als öde, sondern als vielfältig, lebendig, abwechslungsreich, verantwortungsvoll. Jetzt wird er in den Ruhestand versetzt – als voraussichtlich letzter Beamter auf Lebenszeit in städtischen Diensten.

Kleinstadt-Verwaltung hat ihn gereizt

Ins kleine Niedenstein zu wechseln aus dem reichen, prosperierenden Baunatal – war das damals die richtige Entscheidung? „Das habe ich bewusst so gemacht“, sagt Paetsch, denn für ihn sei es wichtig gewesen, dass seine Arbeit möglichst viele Aspekte beinhaltet. Eine Kleinstadt-Verwaltung habe ein wesentlich größeres Spektrum für den einzelnen Mitarbeiter, sagt er. 

Statt reiner Verwaltungsarbeit hatte Paetsch mit ganz unterschiedlichen Themen zu tun: vom Hundebiss (Ordnungsamt) über die umfangreiche Wahlvorbereitung bis zum Protokollführer in der Stadtverordnetenversammlung. Etwa 150 Sitzungen protokollierte er in den vergangenen 27 Jahren.

In seinem Arbeitsfeld konnte er kreativ sein und Neues anregen. „Seit 1997 haben wir die bürgernahe Verwaltung aufgebaut“, erzählt er, es gebe jetzt ein Bürgerbüro als Anlaufstelle, die Verwaltung sei deutlich transparenter geworden.

Der 64-Jährige war auch gerne Ausbilder, belegte dafür eigens einen Lehrgang. Nachwuchs auszubilden sei heute wichtiger denn je, betont Paetsch, denn es werde immer schwerer, geeignete Nachwuchskräfte auf dem Markt zu finden.

Kommunen werden langfristig noch enger zusammenarbeiten

Wird es in Zukunft noch Kommunalverwaltungen herkömmlicher Art geben? „Mittelfristig rechne ich mit noch weitergehender Zusammenarbeit unter den Kommunen“, sagt Paetsch. Man müsse versuchen, Gemeinsamkeiten zu finden. Niedenstein kooperiere schon in vielerlei Hinsicht mit den Chattengau-Gemeinden, etwa bei der Personalverwaltung, der Krankenpflegestation, dem Reinigungsdienst.

Mit sieben Kommunen habe man den Ordnungsbehördenbezirk gebildet, mit Bad Emstal einen Bauhof, es gebe die Touristische Arbeitsgemeinschaft Habichtswald, die Chattengau-Gemeinden vertreten sich bei Standesamts-Angelegenheiten gegenseitig. Es bleibt also spannend für Paetschs Nachfolger Ralf Krug, der jetzt Kämmerer ist. Der Ruheständler freut sich derweil auf die kommende Zeit, die er hauptsächlich seiner Familie, seinem großen Garten und der Sparte Karneval im Kirchberger Sportverein widmen will.

Seine Kollegen werde er vermissen, sagt er, ganz ehrlich. Aber 49 Jahre gearbeitet zu haben, das sei jetzt auch genug.

Zur Person

Wolfgang Paetsch (64) begann seine berufliche Ausbildung zum Verwaltungsangestellten am 1. September 1970 in der Baunataler Stadtverwaltung. Dort wurde ihm nach Abschluss die Weiterbildung zum Diplom-Verwaltungswirt ermöglicht. 

Im November 1991 wechselte er als büroleitender Beamter nach Niedenstein, ersetzte Werner Lange, der zum Bürgermeister gewählt worden war. Paetsch lebt mit seiner Frau Elke, einer gebürtigen Kirchbergerin, in deren Heimatort, hat drei erwachsene Kinder und zwei Enkel.

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