Die B. Braun AG kauft der Stadt Melsungen 40 Prozent ihres Trinkwassers ab

Ohne Wasser läuft nichts

Das Life-Werk der B. Braun Melsungen AG arbeitet mit hochreinem Wasser: Bernd Küllmer aus Spangenberg kontrolliert an einer der Produktionsanlagen die Qualität der Nährlösungen für Kranke. Foto: Grugel

melsungen. Alle Melsunger ziehen zusammen pro Jahr 1,3 Millionen Kubikmeter Trinkwasser aus dem Wassernetz der Bartenwetzerstadt. 40 Prozent davon liefert die Stadt allein an die B. Braun Melsungen AG: Wasser ist für das Unternehmen ebenso lebenswichtig wie Strom.

Mit 83 Prozent fließt der Löwenanteil des Wassers bei der B. Braun Melsungen AG in den Pharmabereich, und zwar in erster Linie in Infusionslösungen. Das allerdings nicht direkt, berichtet Thomas Gäbler, Leiter der globalen Ingenieurabteilung des Unternehmens. Denn zuvor wird das Trinkwasser in mehreren Schritten unter anderem in Verdampfungs- und Entsalzungsanlagen zu hochreinem Wasser für Injektionszwecke aufbereitet – wie das Destillat am Ende beschaffen sein muss, schreibt das Europäische Arzneibuch en Detail vor.

„Bei Wasserausfall haben wir gelitten“, sagt Thomas Gäbler auf die Frage nach der Vorratshaltung im Unternehmen. Ein eigenes Wasser-Reservoir in größerem Maßstab oder gar das Bohren eigener Brunnen mache für das Unternehmen in Deutschland und überhaupt in Europa keinen Sinn, weil in den europäischen Ländern genügend Trinkwasser in hervorragender Qualität verfügbar sei.

„Bei Wasserausfall haben wir gelitten.“

Thomas Gäbler

Im Ausland sieht das für den weltweit tätigen Medizintechnik-Hersteller mitunter anders aus. In Peru beispielsweise setzt die B. Braun Melsungen AG ihrem Werk in Lima auf eigenes Brunnenwasser, berichtet Thomas Gäbler. In Peru müsse man das mit allen möglichen Mineralien belastete Wasser aufwändig filtern und reinigen – aber auch in Lateinamerika komme am Ende hochreines Wasser aus den Produktionsanlagen, das den Vorgaben des europäischen Arzneibuches genüge.

Der Wasserreichtum in Deutschland ist übrigens für die B. Braun Melsungen AG kein Standortvorteil. „Überall gibt’s Wasser“, sagt Thomas Gäbler. Nur die Kosten für die Aufbereitung nach dem europäischen Arzneibuch schwanken, sie sind aber kein Standortargument. Denn nur um die drei Prozent der Herstellungskosten für Infusionslösungen und andere Medizinprodukte gehen fürs hochreine Wasser drauf, rechnet Thomas Gäbler vor.

Von Lorenz Grugel

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