Erster Nicht-Akademiker 

Orthopädieschuhmacher aus Obervorschütz bekommt besondere Ehrung  

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Blick in die Produktionshalle Gudensberg-Obervorschütz: von links Willi Mander und Mitarbeiter Heinz Fröhlich.

Als Willi Mander vor über 20 Jahren den Entschluss fasste, als „kleiner Schuster vom Dorfe“ zum Gründungskongress der Gesellschaft für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie (GFFC) in München zu fahren, da ahnte er nicht, dass das sein Leben verändern würde.

Damals, vor einem Vierteljahrhundert, da wollte man ihn nicht dabei haben: Er war schließlich kein Arzt. „Die haben mich rausgeschmissen“, erinnert er sich. Doch er blieb hartnäckig und bekam schließlich die Erlaubnis, bei den Symposien der Fußchirurgen dabei zu sein.

Die Welt hat sich seitdem weitergedreht: Willi Mander wurde Ende 2018 sogar zum Ehrenmitglied der GFFC ernannt – als erster Nicht-Akademiker. Seit diesem Jahr dürfen die „Schuster“, wie er sagt, erstmals auch Mitglieder der illustren Chirurgen-gesellschaft werden.

Diese Anerkennung hat er seiner Beharrlichkeit, seinem steten Forschen und Nachfragen, seiner grundsätzlichen Leidenschaft für kranke Füße zu verdanken. Er hörte zunächst zu, nahm die Vorträge bei den Chirurgen-Symposien heimlich auf Band auf und hörte sie oftmals zuhause an – „bis ich die Sprache verstanden habe“.

Mit Dr. Alexander Sikorski aus Aachen, dem heutigen Generalsekretär der Gesellschaft, traf er auf einen Arzt, der die Notwendigkeit einer besseren Kooperation der Fußexperten – ob operierende Ärzte oder versorgende Schuhmacher – erkannte. Er ermöglichte es, dass Willi Mander selbst Vorträge über die Orthopädieschuhtechnik halten, Workshops für die Ärzte anbieten konnte.

„Das Interesse an unserer Arbeit als Schuhtechniker wuchs immer weiter“, erzählt der 74-jährige Mander, dessen Unternehmen im Gudensberger Ortsteil Obervorschütz weiter expandiert hat. Er hat es inzwischen an seine beiden Töchter übergeben, beide ebenfalls Meisterinnen ihres Fachs. Inzwischen fanden bereits zwei Mal Veranstaltungen für Fußchirurgen in Obervorschütz statt. Willi Mander selbst hielt in den vergangenen Jahren Vorträge in ganz Europa und in den USA, war sogar in China. Seine Expertise bei der Versorgung deformierter Füße, häufig Folge der Volkskrankheit Diabetes, ist gefragt.

Durch die immer engeren Kontakte habe man viele Erkenntnisse gewonnen, die für die Behandlung der Patienten wichtig seien, sagt Mander.

Die Ärzte ihrerseits hätten verstanden, wie wichtig die Zusammenarbeit mit den Handwerkern sei, um bestmögliche Ergebnisse für die Patienten zu erhalten.

Willi Mander sei Begleiter, Freund und Berater, „Nachgucker“ und Forscher, dabei auch Skeptiker in den vergangenen 20 Jahren gewesen, sagte Dr. Alexander Sikorski in seiner Laudatio – einer, durch dessen Wissensdrang sich vieles für die Fußchirurgie weiterentwickelt habe.

Die frühere Präsidentin der GFFC, Dr. Mellany Galla, bezeichnete Mander bei der Ehrung als Vorreiter der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Fußchirurgie auf der einen und Orthopädieschuhtechnik auf der anderen Seite.

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