Am heutigen 9. November wird eine Straße in Homberg nach dem Lehrer Hans Zenker benannt

Pädagoge und überzeugter Pazifist

Pädagoge und Pazifist: Der Homberger Lehrer Hans Zenker (vorne rechts) war im Zweiten Weltkrieg als Sanitäter an der Ostfront. Repro: Schattner

Homberg. Eine Straße in Homberg wir am 9. November nach Hans Zenker benannt. Er war Sozialdemokrat und Pädagoge an der August-Vilmar-Schule in Homberg.

Geboren wurde Gustav Max Johannes Zenker, genannt Hans, am 21. Januar 1899 in Halle an der Saale. Mit 16 Jahren beendete Zenker vorerst seine schulische Laufbahn mit dem Realabschluss, um 1917 Soldat zu werden. Mit Begeisterung zog Zenker in den Krieg, wurde aber schnell eines Besseren belehrt: Bei einem Gasangriff wurde er schwer verletzt, später verlor er einen Zeh. Seine Erlebnisse im Ersten Weltkrieg ließen ihn zu einem überzeugten Pazifisten und Antimilitaristen werden.

Nach Ende des Ersten Krieges holte Zenker sein Abitur nach, ehe er 1919 sein Studium der neueren Sprachen sowie der germanistischen Literaturwissenschaft an der Vereinigten Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg aufnahm. Späterstudierte er Englisch, Deutsch und Französisch in Göttingen.

1931 wurde Zenker vom Provinzialkollegium an die August-Vilmar-Schule in Homberg geschickt. Doch bereits 1932 vergingen sich die Nationalsozialisten in Homberg an Zenker. Am 26. September 1933 wurde der Lehrer von den Nationalsozialisten aus dem Schuldienst entlassen. Der Grund: Zenker war ein überzeugter Gegner des Nationalsozialismus. Hans Zenker berichtete 1946 über die Zeit in Homberg 1933. „Ich war seit 1931 an der Aufbauschule in Homberg beschäftigt. Nach Ostern 1933 wurde ich in Homberg dreimal verhaftet und in Schutzhaft gehalten.“

Im Jahr 1934 floh die Familie Zenker wohl aus diesen Gründen aus Homberg und zog nach Berlin-Wilmersdorf. Anschließend ging Zenker nach England. Zurück in Deutschland, geriet der Lehrer bald in die Fänge der Gestapo, weil er politisch gegen den Nationalsozialismus aktiv war.

Im Jahr 1940 wurde Zenker erneut verhaftet – ihm wurde vorgeworfen ausländische Flugblätter verteilt zu haben. Später diente er bei Materialnachschub- sowie Sanitätseinheiten im Krieg an der Ostfront. Als er in Potsdam für „volksdeutsche Rekruten“ zuständig war, wurde er 1944 wegen Sabotage angeklagt und zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt.

Im April 1945 gelang es Zenker zu den russischen Linien zu fliehen. Die Sowjets übergaben ihn an die britische Besatzungsmacht. Diese „setzten ihn als Dolmetscher ein und 1946 tauchte er bei seiner Familie in Beverungen auf“, sagte sein Sohn Meinhard.

Nach dem Krieg lehrte Zenker als Oberstudienrat zunächst in Wundsdorf, ab 1947 wirkte er als Oberstudiendirektor in Nienburg an der Weser. Nach einem Aufenthalt im Krankenhaus verstarb Zenker 1961 in Wehnde. Wahrscheinlich im Zuge eines Entnazifizierungsverfahrens bezeugten verschiedene Personen Zenkers politische und moralische Weltanschauung.

Von Thomas Schattner

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