Bölling kritisiert auch Antibiotika in der Tiermast

Personal fehlt im Kampf gegen Keime

Schwalm-Eder. In der Massentierhaltung würden längst wesentlich mehr Antibiotika eingesetzt als in der Humanmedizin. Darauf hat Klaus Bölling, Betriebsratsvorsitzender der Asklepios-Kliniken im Schwalm-Eder-Kreis, im Zusammenhang mit der Diskussion um multiresistente Keime aufmerksam gemacht. Im Gesundheitswesen fehle es außerdem an Personal, um der Gefahr Herr zu werden.

Für gesunde Menschen mit einem stabilen Immunsystem seien multiresistente Keime keine Gefahr. Das sei erst der Fall, wenn sie nach einer Operation in die Wunde gelangten und diese nicht mehr heile und wenn bei älteren, geschwächten Menschen kein Antibiotikum gegen die Lungenentzündung mehr helfe.

Kritik übt Bölling auch an den Bedingungen des Gesundheitssystems. Es leide unter einem eklatanten Personalmangel und könne die zusätzlichen Belastungen durch die Isolierung MRSA-infizierter oder gefährdeter Patienten kaum bewältigen. Die Gewerkschaft Verdi habe errechnet, dass 162 000 Vollzeitstellen in den Kliniken fehlten.

Während in Deutschland eine Pflegekraft durchschnittlich 9,9 Patienten pro Schicht versorgen müsse, seien es in Norwegen nur 3,7, in den Niederlanden 4,8 Patienten (Quelle: International Journal of Nursing Studies).

Wie sollten bei dieser Belastung alle Hygienestandards zuverlässig eingehalten werden, fragt Bölling.

Auch im Schwalm-Eder-Kreis entstünden ständig neue und größere Ställe, in denen auf engstem Raum nicht nur hunderttausende Hühner gezüchtet würden, was ohne den Einsatz von Antibiotika kaum möglich sei, sondern auch zunehmend Keime, die gegen die eingesetzten Antibiotika resistent sind. (red)

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