Peter Wieden gründete 1984 den Wartberg-Verlag: Zur Idee gehört der Mut

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Gründete 1984 den Wartberg-Verlag: Peter Wieden.

Fritzlar/Gleichen. Nach mehr als 31 Jahren verließ Peter Wieden (62) zum Jahresende 2015 den Wartberg-Verlag. Den hatte er 1984 in seinem damaligen Wohnort Gudensberg-Gleichen gegründet und zu einem erfolgreichen Unternehmen mit Millionen-Umsätzen aufgebaut.

Wir unterhielten uns mit ihm zu Konzept und Zukunft des Unternehmens.

Sie haben 1986 den sicheren Job als Stadtjugendpfleger in Gudensberg aufgegeben, um vom kleinen Dorf Gleichen aus Bücher zu verlegen. War das nicht sehr riskant? 

Wieden: Viele haben das damals nicht verstanden. Aber die ersten Bücher über Kasseler Stadtteile wie Alt-Harleshausen oder Zwehren, wie es früher war, kamen extrem gut an. Sie waren noch aus einem Projekt während des Sozialpädagogik-Studiums entstanden. Der Erfolg ließ mich den Schritt zum selbstständigen Verleger wagen. Außerdem liegt die Selbstständigkeit bei uns in der Familie. Ich bin damit groß geworden.

Was machte Sie so zuversichtlich, dass es klappen könnte mit dem Verlag? 

Wieden: Ich hatte damals einfach das Gefühl, dass die Grundidee super ist: Bücher mit regionalem Bezug, die lokale Geschichte mit historischen Fotos dokumentieren und nicht diese klassischen trockenen Chroniken bieten. Geschichten und Bilder von Menschen, wie sie früher lebten, interessieren einfach.

Dazu kamen Risikofreude und Optimismus, doch am wichtigsten ist es, neben der guten Idee auch den Mut zu haben, sie zu realisieren.

War nicht auch der richtige Zeitpunkt von großer Bedeutung für den Erfolg des Wartberg-Verlages? 

Wieden: Ja, da kam einiges zusammen: Die Region Nordhessen war Mitte der 80er Jahre gerade auf der Suche nach ihrer eigenen Identität, die regionale Ausrichtung eine neue Zielsetzung. Und die HNA als regionale Tageszeitung wollte eine stärkere Leser-Blatt-Bindung. Da fiel die Idee regional ausgerichteter Bücher auf fruchtbaren Boden.

Was hatte die HNA denn mit dem Erfolg zu tun? 

Wieden: Die Kooperation mit der Tageszeitung war mitentscheidend, denn über sie wurden die Bücher der Öffentlichkeit bekannt. Die HNA vertrieb die Bücher auch über ihre Geschäftsstellen. Aus dem Nordhessen-Führer, der eine der erfolgreichsten Publikationen des Verlages wurde, gab es sogar eine Serie in der HNA. Es wurden aber auch Aufrufe veröffentlicht, alte Fotos aus Privatarchiven für Zeitungsartikel zur Verfügung zu stellen, aus denen wir später Bücher machten.

Die Beschränkung auf die Region Nordhessen dauerte aber nur wenige Jahre.

Wieden: Ja, denn uns wurde klar: Was hier so gut läuft, das findet sicher auch in anderen Städten und Regionen Leser. Und so weiteten wir unsere Aktivitäten aus, stellten das Konzept vor und wurden immer bekannter. Schließlich kam 1989 nach der Wende die frühere DDR noch hinzu. Das fiel uns quasi in den Schoß, weil es dort nichts Vergleichbares gab. Wir hatten das Knowhow und durch den Erfolg auch das nötige Kapital für weitere Projekte.

Woher kam die Idee für Ihre erfolgreichste Buchreihe „Wir vom Jahrgang“, die zu neuen Umsatzrekorden führte? 

Wieden: Es ging wieder um Identität. Diesmal nicht regional, sondern in einem gemeinsamen Geburtsjahrgang. Mir war aufgefallen, dass sich Menschen auch darüber definieren, es interessant finden, sich über ähnliche Erinnerungen aus Kindheit und Jugend auszutauschen. Seit 2005 läuft das gut, auch in Frankreich und Österreich wird diese Buch-Idee seit 2010 vom Wartberg-Verlag erfolgreich umgesetzt.

1999 haben Sie den Verlag an eine Verlagsgruppe in Lüneburg verkauft, blieben aber weiterhin Geschäftsführer und Verleger. Warum diese Entscheidung? 

Wieden: Wir waren zwar erfolgreich, aber trotzdem immer noch ein kleiner Verlag, der auch schnell Probleme hätte kriegen können. Deshalb war die damalige Entscheidung richtig, zumal ich mich als Geschäftsführer aus dem Tagesgeschäft herausziehen konnte, um neue Ideen und Strategien zu entwickeln. Außerdem konnten wir in Gleichen den Verlag immer selbstständig weiterführen. Die neuen Eigentümer haben sich nie eingemischt.

Wie sehen Sie die Zukunft des Unternehmens? 

Wieden: Ich bin ja Optimist. Die Geschäftsführung hat inzwischen mein Sohn Jannis Wieden übernommen. Er wird neue Ideen entwickeln müssen, um den Verlag weiter erfolgreich führen zu können. Das ist jetzt seine Aufgabe. Zeiten mit über 160 Büchern, die pro Jahr neu herausgegeben wurden, sind sicherlich nur schwer wieder zu erreichen. Aber, wie gesagt: Wenn Mut, Optimismus, gute Ideen und kaufmännisches Denken zusammentreffen, ist vieles möglich.

Was haben Sie jetzt vor? 

Wieden: Meine Leidenschaft sind seit einigen Jahren alte Autos, also richtige Oldtimer. Ich möchte quasi Auto-Biografien schreiben von besonderen Automobilen, deren Geschichte und interessanten Erlebnisse. Das macht bestimmt Spaß, neben dem Rallye-Fahren natürlich.

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