Stück für Stück kommen neue Vorwürfe gegen nordhessischen Pfarrer ans Licht

Priester zeigt Priester an

Homberg/Efze. „Ich habe ein reines Gewissen.“ Mit diesen Worten bestritt noch in der vergangenen Woche der ehemalige Pfarrer der Christus-Ephata-Gemeinde K. D. im nordhessischen Homberg gegenüber unserer Zeitung, jemals wegen eines Sexualdelikts verurteilt worden zu sein.

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Nun liegt der Staatsanwaltschaft Fulda eine Anzeige gegen den Priester vor – wegen des Verdachts der mehrfachen sexuellen Nötigung eines Mädchens im Jahre 2000 in Weimar. Erstattet hat sie nach Informationen unserer Zeitung der bekannte Buchautor und Würzburger Kapuziner Bruder Paulus Terwitte.

Der Kapuziner wirft den Bischöfen von Fulda und Erfurt Vertuschung, Verschleierung und Fehlinformation vor. Nach seiner Darstellung hat die heute 19-Jährige vor vier Jahren die Geschichte ihres Missbrauchs dem Fuldaer Bischof erzählt. Der Kapuziner beklagt, dass dem Mädchen aber nie klargemacht worden sei, dass ihr Quälgeist schon einschlägig bekannt war.

Das Bistum Fulda, das für Rückfragen zunächst wieder einmal nicht erreichbar war, versandte am Abend eine „Klarstellung“. Die Eltern seien über die Vorgeschichte des Priesters informiert und mehrfach ermutigt worden, Anzeige zu erstatten. Geschockt reagierte die katholische Kirchengemeinde Herz-Jesu in Weimar, in der Pfarrer K. D. von 1997 bis 2004 als Seelsorger tätig war.

Dorthin war er von Erzbischof Johannes Dyba versetzt worden, nachdem er in Homberg einen Strafbefehl wegen sexuellen Missbrauchs erhalten hatte. Doch auch in Thüringen bekam K. D. seine Neigungen nicht in den Griff. Obwohl zumindest Erfurts Bischof Joachim Wanke über die Vorgeschichte des Pfarrers informiert war, wurde dieser in Thüringen ausgerechnet als Seelsorger im Jugendstrafvollzug eingesetzt.

Heute würde er anders entscheiden, ließ der Bischof die Herz-Jesu-Gemeinde in einem Brief wissen. K. D. jedenfalls wurde im April 2004 wieder auffällig. Der Vorwurf der sexuellen Nötigung, erhoben von einem 20-jährigen Strafgefangenen, wurde zwei Jahre später aus Mangel an Beweisen fallen gelassen. Zwischendurch war ein Belastungszeuge lange Zeit verschwunden. Inzwischen hatte das Fuldaer Bistum den Pfarrer zurückbeordert und in Nordhessen eingesetzt – allerdings mit einem klaren Seelsorgeverbot versehen. Gottesdienstfeiern waren K. D. aber erlaubt.

Bruder Paulus Terwitte sieht dennoch ein Versagen auf Seiten von Bischof Algermissen: Der habe sich an die eigenen Leitlinien von 2002 nicht gehalten. Demzufolge müssten die betroffenen Gemeinden über Fälle wie den von K. D. informiert werden. Nichts dergleichen sei geschehen.

Von Rainer Schmitt und Tibor Pézsa

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